Vorwort.

Vom Vorstande des Deutschen Lehrer-Vereins für Naturkunde ist mir der ehrenvolle Auftrag zu teil geworden, für die Mitglieder dieses grossen und angesehenen Vereins eine Käferfauna von Deutschland zu bearbeiten. Ich habe mich dieser Aufgabe mit Vergnügen unterzogen und bedauere nur, dass ich nicht das ganze Werk so durchführen konnte, wie ich es bei der ersten Hälfte der Carabicinen versucht habe. Die Vereinsleitung konnte eben bei dem geringen Mitgliedsbeitrag über den geplanten Umfang der einzelnen Bände nicht oder nur um ein Geringes hinausgehen, und so wird das ganze Werk etwa 5 Bände mit je durchschnittlich 12-15 Druckbogen und ca. 40 farbigen Tafeln umfassen.

Auf die Zahl und Herstellung der letzteren habe ich keinen Einfluss genommen. Sie wurden vom Herausgeber, Dr. K. G. Lutz, zusam mengestellt und redigiert; für die grosse Mühe und den enor men Zeitaufwand, welche diese Arbeiten erfordeten, haben wir allein ihm zu danken. Ich habe mich lediglich darauf beschränkt, die abzubildenden Arten, so weitmöglich. zur Verfügugung zu stellen und an den farbigen Tafeln (Probedrucken) Ausstellungen zu machVen, was bekanntlich viel leichter und bequemer ist, als sie herzustellen.

Es ist selbstverständlich, dass trotz der ausserordentlichen Sorgfalt, welche auf die Tafeln verwendet wurde, nicht alle Abbildungen der eingehenden Prüfung eines Fachmannes standhalten können: die meist kleinen, unscheinbaren, dunkelgefärbten Käfer eignen sich zur bildlichen Darstellung viel weniger als z. B. die Schmetterlinge, denn schon durch die Vergrosserung derselben entsteht ein Bild, das uns fremd erscheint; auch liegen die unterscheidenden Merkmale oft so, dass sie auf dem Bilde nicht zur Geltung kommen kônnen.

Hätten wir nicht Rücksicht darauf nehmen müssen, dass eben für viele Vereinsmitglieder nur diejenigen Arten in Betracht kommen, welche sie in ihrer nächsten Umgebung finden und die sie rasch durch Vergleichung mit den Abbildungen bestimmen können, dann wären nur Vertreter der Gattungen (so weit möglich mit den Larven) farbig abgebildet worden, im Texte aber hätten schematische Zeichnungen mit den wichtigsten unterscheidenden Merkmalen der Familien, Gattungen und Arten Aufnahme gefunden. Uebrigens können die farbigen Tafeln den Naturfreunden, welche nicht in der Lage sind, sich eine Käfersammlung anzulegen, trotzdem aber diese Insekten genauer studieren wollen, die Sammlung bis zu einem gewissen Grade ersetzen.


[VI] Bei der Herstellung der farbigen Tafeln wurden hauptsächlich die in folgenden Werken:

Sturm, Deutschlands Käfer. Nürnberg 1805-77,

Dejean, Boisduval et Aubé, Icongraphie et hist. natur. des Coleopteres d'Europe. Paris 1829,

Jacquelin Du Val et Fairmaire, Genera des Coléoptères d'Europe. Paris 1807-62,

Fowler, The Coleoptera of the British islands. London 1887-91.


vorhandenen Abbildungen als Umrisszeichnungen benützt (wodurch sich der verschiedene Massstab in der Vergrösserung erklart) und Zeichnung und Kolorit mit wenigen Ausnahmen nach der Natur ausgeführt. Die Mehrzahl der Abbildungen von Larven und Puppen sind kopien aus "Schiödte, De Metamorphosi Eleutheratorum observationes"; desgleichen diejenigen der Mundteile, Fülhler etc. Kopien aus Sturm, bezw. Jacquelin Duval. Lithographiert und gedruckt wurden die Tafeln von der Kgl. Hofkunstanstalt Eckstein & Stähle in Stuttgart, der wir auch hier unsere Anerkennung aussprechen wollen.

Dankbar bin ich der Vereinsleitung, dass sie mir trotz der hohen Kosten, welche die farbigen Tafeln verursachten, gestattete, im Texte noch eine grossere Anzahl von Figuren zu bringen, welche die vielfach kurzgehaltenen Erklärungen wesentlich unterstützen.

In der Einleitung (S. 1 - 64) werden die Naturfreunde, welche noch nicht tiefer in dies Gebiet eingedrungen sind, über das Allgemeine in der Coleopterologie so unterrichtet, dass sie in der Lage sind, auf dieser Grundlage selbstandig weiterzubauen. Im speziellen Teil ist meist auf sekundäre, leicht sichtbare, in die Augen fallende Merkmale Bezug genommen, um den Anfänger nicht abzuschrecken; die primaren, meist auf der Unterseite gelegenen oder schwer zuganglichen Unterschiede sind häufig erst in zweiter Linie berilcksichtigt.

Jedenfalls ist der Text so gestaltet, dass der Anfanger, ein gründliches Studium der Einleitung vorausgesetzt, die analytischen Tabellen mit Erfolg benützen kann; aber auch der vorgeschrittene Coleopterologe wird viele neue wertvolle Unterscheidungsmerkmale benützt finden, die sonst noch nicht beobachtet worden sind. Ich habe mich an die bis jetzt erschienenen Bande von Ganglbauer, Die Käfer von Mitteleuropa, angelehnt; wo ich lediglich die bekannten analytischen Sätze wiedergab, sind sie gewissenhaft nachgeprüft und für die Erkennung der betr. Arten, Gattungen etc. als hinreichend befunden worden.

Nur durch Vergleichung der Objekte mit den Tafeln lassen sich die kleinen Käfer nicht sicher bestimmen. Ich bitte deshalb jeden Käfersammler dringend, er möge doch die Tabellen immer und immer wieder mit Sorgfalt benützen; er wird diese mühsam ausgearbeiteten Bestimmungsschlüssel bald schätzen und mit der Zeit so gebrauchen lernen, dass ihm die Abbildungen kaum mehr nötig sind.

Der Umfang des Faunengebiets ist mit dem gegenwärtigen Deutschen Reiche abgegrenzt. Nur Böhmen, Mähren und Nieder-Schlesien, welche Landesteile auch mein † l. Freund Letzner aus praktischen Grunden zu seiner Schlesischen Fauna gezogen hat, sind dabei noch berücksichtigt. Ein besonderer Grund, diese österreichisch-deutschen [VII] Provinzen anzuschliessen, lag aber in dem Umstande, dass ich selbst die Fauna meines Domizils, welches hart an der mährisch-schlesischen Grenze liegt, in dem Werke berücksichtigt wissen wollte. Bei einer 2. Auflage könnte unsere "Fauna" so ausgedehnt werden, dass ihr Gebiet mit dem deutschen Sprachgebiet zusammenfiele, oder aber könnte ein weiterer Band folgen, in welchem die fehlenden Arten nachgetragen werden.

Wie viele Augen haben unsere Kafer von oben bis unten betrachtet! Wie viele Autoren haben uns die vielen Formen und ihre Einzelheiten beschrieben! Und immer noch finden neue Beobachter Eigentümlichkeiten, welche sich allen vorhergehenden Blicken entzogen haben oder ihnen nicht aufgefallen sind. Einen fast unerschöpflichen Bron wunderbarer Anpassungseigenschafter. hat die analytische Beobachtungsweise an das Licnt gebracht, und immer noch bleibt späteren Beobachtern und nachfolgenden Studien die Wahrscheinlichkeit, auch an den bekannten Objekten neue, übersehene Eigentümlichkeiten zu entdecken. Deshalb muss jede Fauna auf analytischer Grundlage durchstudiert werden, wenn sie uns bei Zeitersparung die Auskünfte geben soll, die wir von ihr zu erhalten wünschen.

Schon das Sammeln der Naturgegenstände und die Bereicherung der Sammlung werden dem Naturfreunde viel Freude beteiten. Aber erst bei der eingehenden Beobachtung auch der lebenden Natur wird er zahlreiche glückliche Stunden erleben; seine Sorgen werden ihm erträglicher, seine oft so harten Berufspflichten angenehmer erscheinen. Auf iedem Spaziergang in Feld und Wald hat der Entomologe Gelegenheit, das gesetzmässige Walten der Natur zu erkennen. Sein Auge bewundert nicht wie das des Laien nur die schone Aussicht; er sieht mehr: jede Pflanze, von einem Insekt beschädigt, weist ihn hin auf die Wechselwirkung zwischeu Tier- und Pflanzenreich; bei jedem Schritt hat er Gelegenheit, biologische Beobachtungen anzustellen, und er wird gewiss dahin gelangen, die unvergleichliche Vollkommenheit im Walten der göttlichen, erhabenen Natur bewundernd zu erkennen.

Zu dem Vergnügen, das uns die Beobachtung der Käferwelt im Grossen bereitet, soll und muss das Bestreben kommen, die einzelnen Arten durch eigene Anschauung kennen zu lernen; denn wie das Insekt, das wir im Freien selbst beobachtet und gesammelt haben, für uns wertvoller ist, als ein von einem Freunde geschenktes, so werden uns auch diejenigen Käfer unserer Sammlung die liebsten sein, welche wir selbst beslimmt haben.

Möge sich unsere "Fauna", das einzige Werk, welches alle deutschen Käferarten umfasst, als ein brauchbares Hilfsmittel bei dieser zum Teil sehr schwierigen Arbeit erweisen und möge sie der Coleopterologie wie auch dem Verein, der sich mit der Herausgabe dieses Werkes ein grosses Verdienst erwirbt, viele neue Freunde gewinnen helfen.



PASKAU in Mähren,
August 1908.

Edmund Reitter



Erklärung der Abkürzungen.

Gen. = Genus, Gattung.
sp.. = Species, Art
in sp.. = in specie, im engeren sinde
v. = Varietät, Rasse.
a. = Aberration, meist Farbenabänderung.
m. = Mönstrosität
syn. = Synonym.
n. = neu.
= Männchen.
= Weibchen.
mm. = millimeter.

H = Hinter-.
M = Mittel-.
O = Ober-.
OS. = OberseitK.
R. = Rann (VR., HR. SR.)
S. = Seiten- , (S = Seite)
T.-- , Fg.-- = Tafel --, Figur --
U = Unter-
V = Vorder-
B. = Beine (VB., MB., HB.).
Br. = Brust (VBr., MBr., HBr.).
F. = Fühler.
FGd. = Fühlerglieder.
Fl. = Flügel.
Fld. = Flügeldecken.
Gld. = Glied, Glieder.
HEcke = HintereckK.
Hlb. = Hinterleib.
Hsch. = Halsschild.
Hü. = Hüften (VHü., MHü., HHü.)
HWinkel = Hinterwinkel.
K. = K0pf.
Kf. = Kiefer (OKf., UKf.).
L. = Lippe (0L., UL.).
Sch. = Schildchen.
Schl. = Schenkel (VSchl., MSchl., HSchl.).
Schn. = Schiene (VSchn., MSchn., HSchn.).
St. = StirnK.
Tr. = Fuss, Füsse, Tarsen (VTr., MTr., HTr.).
Ts. = Taster (KfTs., LTs.).
u. = und

Bei der Arten, welche vergrössert dargestelt wurden, ist entweder die Grösse durch eine senkrechte Linie *)Selbstverständlich haben diese Striche keine Bedeutung in diese digitale "Fauna" (HvD)(auf der rechte Tafelhälfte, meist rechts, auf der linken mist links neben den betr. Figur) oder (bei Larven) durch einen Bruch (z.B. 6/1 = 6fache Vergrösserung)angegeben; oder aber ist der Vergrösserung auch ein Bild in naturlichen Grösse beigefügt.

[1]

Einleitung

Verwandlung.

Die Kafer entwickeln sich aus den von dem geschlechtsreifen u. befruchteten ♀ gelegte Eiern. Die Entwickelung der Eier in den Eileitern der ♀ geschieht der Reihe nach; ihre Schale erhartet erst durch den Zutritt der Luft, meistens schon im Leibe. Ihre Form ist mannigfaltig. Sie werden wenige Tage nach der Begattung in grosseren oder kleineren Mengen, oder einzeln gelegt an Orten, wo die auskriechende Larve sogleich ihre Nahrung vorfindet. Nach einiger Zeit, oft schon nach wenigen Tagen, entwickelt sich die Larve, indem das Ei vorerst immer durchsichtiger wirn u. den Embryo mehr oder weniger in gekrümmter Lage erkennen lässt. Das aus dem Ei hervorkommende Tier wird

Larve

genannt. Diese kann fusslos aein oder 3 Paar deutliche B. haben. Im ersten Falle nennt man sie auch Made, im anderen Falle schlechtweg Larve oder Engerling. Die Larven haben die mannigfachsten Formen; aber man kann immer an ihnen einen K. u. 12 Ringe unterscheiden. Die nachsten 3 Ringe nach dem K. sind meist etwas kräftiger entwickelt als die anderen u. entsprechen der V.-, M.- u. HBr., u. die ferneren Ringe dem HLeibe des fertigen Insektes. An den ersten 3 Br.-Ringen befinden sich 3 Paar B. (je 1 Paar an jedem Br.-Ringe), bei fusslosen Larven, die meist im Innern von Pflanzen leben, wo sie keine grosse Beweglichkeit zu entwickeln brauchen, pflegen die chitinosen 3 Br.-Ringe wenigstens dorsalwarts sich schildformig abzuheben. Der K. zeigt Fresswerkzeuge, die denen der fertigen Insekten in der Entwickelung nachstehen, aber ziemlich ähnlich gebaut sind Mandibeln, Maxillen, die UL. mit der Zunge u. den LTs. können immer unterschieden werden; auch kurze F. sind an den S. vorhanden, die meist den UKf.-Ts. sehr ähnlich werden, endlich 1-6 einfache Augen. Mit Ausnahme der BrSch.-Ringe u. der letzten Segmente haben die HLeibsriuge jederseits ein  Luftloch (Stigma) zum Atmen. Am Analringe befinden sich oft, und zwar bei den mit Fussen ausgestatteten Larven, besondere Anhänge (Cerci), oder haken-, oder zangenförmige Gebilde, die zum Anhaften oder Stemmen (als Nachschieber) dienen, wenn die Larven in Pflanzenstengeln unter der Rinde oder im Holze von Bäumen u. Sträuchern leben. Die wichtigsten Larvenformen werden auf denn Tafeln unserer Fauna oder im Texte bildlich dargestellt.

Mit der Aufnahme der Nahrung wirn die Larve nach u. nach grosser. Sie wachst, solange es die Larvenhaut gestattet, dann tritt eine kurze Ruhepause ein. Die alte Haut platzt am Rücken, und die Larve arbeitet sieh, mit einer neuen, grösseren, elastischen Haut ausgestattet, aus der alten Larvenhaut heraus u. beginnt wieder zu fressen u. zu wachsen. Solche Häutungen pflegen 3-4 stattzufinden, ehe sich die Larve in eine Nymphe (Puppe) verwandelt. Das Larvenstadium ist als das wichtigste im Leben der Insekte zu bezeichnen, weil es bloss in diesem Stadium wächst u. den grössten Teil des Lebens in ihm zubringt, oft jahrelang, bevor es zur völligen Entwicklung gelangt  [2] (Maikäfer, Hirschkäfer etc.). Manche Käferarten verbringen ihren Larvenzustann als Schmarotzer in Bienen-, Wespen- u. Ameisennestern; viele Arten sind schadlich.

Einige Zeit nach der letzten Häutung verfällt die Larve in einen Ruhezustand, zu dem sie sich oft ein besondere Gespinst verfertigt. Sie nimmt keine Nshrung mehr zu sich u. verwandelt sich nun in ein fast unbewegliches Wesen, an dem man schon die einzelnen Teile des fertigen Insektes, oft sogar schon das künftige Geschlecht wahrnehmen kann. F. u. Tr. erscheinen in sackartigen Ueberzugen an den Korper angezogen u. die Fl. des Insektes lassen sich deutlich erkennen.

Puppe oder Nymphe

nennen wir dieses Uebergangsstadium zum Imago.

Während der Puppenruhe geht im Innern des Tieres die grösste Veränderung vor. Der Körper scheidet sich in K., Br. u. HLeib; die bisher einfachen Augen werden durch Facettenaugen ersetzt, der einfache Darm der Larve verlängert sich u. zeigt verschiedene Windungen; es bilden sich die Geschlechtsteile mit ihren Anhängen, es vermehren u. vergrössern sich die Muskeln, Tr. u. FGld. u.s.w. Gewöhnlich dauert dieser Nymphenzustand nicht lange, oft nur wenige Tage, manchmal 4 Wochen; manche Arten überwintern sogar in diesen Ruhezustand. Nur wenige Larven bereiten sich ein festes, aus Erde zusammengefügtes Gehäuse (Geotrupes, Cetonia etc.). Die meisten verpuppen sich an der Stelle, wo sie ihre letzte Nahrung fanden, entweder im innern dieser Stoffe, oder sie begeben sich zur Verpuppung in die Erde.

Hat sich die Puppe vollkommen ausgebildet, wobei eine grössere Menge Feuchtigkeit verbraucht wird, was an der zunehmenden Verdunkelung u. Versteifung derselben zu ersehen ist, so sucht sie durch heftige Bewegungen des HLeibes die Puppenhülle am oberen Teile der Br. zu sprengen u. indem das Tier F. u. B. aus seinen sackartigen Hüllen zieht, sucht es durch den Riss in der Br.-Gegend die Nymphenhaut zu verlassen. Das frisch geschlüpfte Insekt ist weich u. hell gefärbt u. erhärtet u. verfärbt sich erst allmählich in einigen Tagen. Das aus der Puppe gekrochene Insekt ist das fortpflanzungsfähige

fertige Insekt (die Imago)
u. bildet das Endstadium seiner Verwandlungen. Es wächst in diesem Zustande ebensowenig, wie währenn der Puppenruhe; das kleine Exemplar bleibt klein u. zwar weil die Larve sich nicht genügenn ernähren konnte.

Die geschilderten Verwandlungenvorgänge der Insekten nennen wir eine vollkommene Verwandlung, weil das Larvenstadium der Imago durchaus unähnlich ist u. die Puppe in vollständiger Ruhe rharrt.

Bei der

unvollkommenen Verwandlung
(bei Wanzen, Heuschrecken etc.) ist die Larve bereits in den hauptsächlichen Körperteilen dem fertigen Insekte ähnlich, u. die Puppe (Nymphe) ist kein Ruhezustann des Insektes, weil es auch in diesem Uebergangstadium bei einigen Ordnungen Nahrung aufnimmt u. sich meistens fortbewegt. Die Lebensdauer des fertigen Insektes ist eine Verhältnismässig kurze; wenn es seine Aufgabe, sein Geschlecht fortzupflanzen erfüllt hat, also innerhalb weniger Wochen, stirbt es. Man hat verschiedene grössere Käfer, die zum Begattungsakt nicht zugelassen wurden, in Terrarien 4-7 Jahre lang lebenn erhalten; nach der Begattung tritt der Tod, besonders beim ♂ rasch ein. Ergebnisse solcher Experimente werden später noch erwähnt. Die ♀ denen die Eierablage obliegt, leben aus diesam Grunde in der Regel länger. [3] Die Imagines, welche erst im Herbste aus der Puppe schlüpfen, haben deshalb eine lägere Lebensdauer, weil sie in der Erde, unter Moos, unter dicken Laublagen, unter Rinden, in morschen Bäumen etc., ehne die Begattung eingegangen zu sein, überwintern. Bei zunehmender Kälte erstarren sie u. scheinen leblos zu sein, bis sie durch milde oder Warme Frühlingstage aus ihren Winterschlafe oder winterlichen, lethargishen Starrheit erwachen u. sogleich bestrebt sind, das andere Geschlecht ihrer Art auf zu suchen.

Manche Arten überwintern als Ei, viele als Larven u. vielleicht die meisten im Puppenzustand.

Die Lebensweise der Larven
ist bei den Käfern zum grösseren Teile subterran u. leider deshalb schwer zu beubachten: es erklärt dieser Umstanden häufigen Mangel einer genauen Kenntnis ihrer Naturgeschichte. Andere leben in u. an Pfanzen, Bäumen, andere unter faulenden Vegetabilien oder an animalischen Stoffen etc. Solche welche auf krautartigen Pflanzen. in Sämereien u. auf Baumlaub leben, sind zumeist auch in ihren Jugendstadien bekannt, darunter hauptsachlich die Chrysomeliden,u. die meist starken, dunklen u. gelb gefleckten Coccinelliden-larven, welche sich von den Blattshy;läusen ernählren.

Die Kenntnis der ersten Lebensphasen der Käfer ist noch recht lückenhaft, u. Beubachtungen in dieser Hinsicht, die viel Interessante bisten, sowie Aufzuchten aus dem Ei, bei nachgeahmten Lehensbedingungen, sehr empfehlenswert. Einige Andeutungen zu solchem Vorgange werden später gegeben werden.

Parthenogenetischen *)[Jungfräuliche Zeugung; die Vermehrung ohne Zutun des männlichen Geschlechtes.] Vermehrung wurde bei den Käferarten noch nicht sicher festgestellt, obgleich bei einigen Arten das ♂ noch nicht sicher aufgefunden werden konnte, oder doch ausserordentlich selten ist. Man hat Parthogenesis auch bei einigen Xyloborus (Borkenkäfer), die im Holze sich entwickeln, angenommen, weil von vielen Arten derselben die ♂ unbekannt geblieben sind. Es hat sich aber herausgestellt, dass die ♂ dieser Arten nicht nur sehr ausgezeichnet u. von den ♀ verschieden sind, sondern auch die Brutstätten im Innern des Holzes fast gar nicht verlassen u. in genügender Zahl daselbst stets vorhänden waren. Man hat auch bei anderen Coleopteren, oft von sehr häufigen, gemeinen Arten, sichere ♂ nOCH nicht gefunden (Otiorynchus perdix, Strophosomus coryli etc.), aber sichere Parthenogenesis konnte trotzdem noch nicht nachgewiesen werden, wie bei verschiedenen Aphiden Blattläusen u. anderen.

Der äussere Bau der Käfer.

Der Körper der Käfer (Coleoptera) besteht, wie bei den anderen Insekten, aus 3 Hauptteilen: Kopf, Brust u. Hinterleib.

Der Kopf (Caput).

Der vorderste Teil  des Insektenleibes ist mit dem BrSch. beweglich verbunden, entweder gerade vorgestreckt, oft mit dem Hsch. durch einen gestielten Hals verbunden, im letzteren Falle ist er sehr beweglich manchmal ist er in einem Ausschnitt des BrSch. eingesenkt, die Bewegungsfähigkeit deshalb beschränkter. In seltenen Fallen ist der K. vom Hsch. vollständig überdeckt (Cossyphus, Lampyris , etc.). Zumeist liegt der K. in der Ebene des Hsch. dann nennen wir ihn vorgestreckt , oft ist er nach vorne u. abwärts geneigt, = hangend, oder, wie bei vielen Bockkäfern (Lamiiden) senkrecht abfallend. Die Verbindung des K. mit dem Hsch. ist oft nur schmal halsartig [4] gestaltet (Anthiciden etc.) u. wird dieser verbindende Teil in den Beschreibungn als Hals bezeichnet. In sehr vielen Fällen ist der K. vorne in einen mehr weniger langen Rüssel ausgestaltet

An dem K. befinden sich seitlich die

Augen,
(Fig.1) welche verschiedenen unterirdisch lebenden Arten fehlen. Diese sind facettiert, d. b. zusammengesetzt u. jede Facette bildet gewissermassen ein Auge für sich das allerdings wegen seiner Unbeweglichkeit nur das Sehen in der Längsachse der Facette gestattet. Deshalb hat aber die Natur für eine grosse (oft ausserordentlich grosse) Zahl von Augenfacetten gesorgt, die meist nicht nur an den Seiten stehen, sondern wegen der runden Wölbung des Auges auch auf die US. übergreifen u. durch Ausrandungen oder Teilung oft sogar auch auf der US. vorhanden sind, weshalb das Insekt gleichzeitig nach 2—3 Richtungen zu sehen vermag. In selteneren Fällen ist die Teilung des Auges durch Einschiebung der Wangenteile so bedeutend, dass man, wie bei Gyrinus, von 4 Augen sprechen [6] kann: u zwar 2 oberen u. 2 auf der US. des K. gelegenen. Bei einigen subterranen Arten fehlen sie, oder sie sind unausgebildet, oft nur aus wenigen, pigmentlosen Facetten bestehend.

In seltenen Fallen kommen auch Nebenaugen vor; bei einigen Omalinen u. Dermestiden befinden sich 1 oder 2 solche unfacettierte Nebenaugen auf der Mitte der St. Zusammengesetzte, also facettierte Augen, besitzen übrigens nur die ausgebildeten Insekten; alle Käferlarven haben 1—6 einfache Augen an den Seiten des K., wenn, wie gewöhnlich, mehrere vorhanden sind, gruppenweise hinter der Einlenkung der F.

Die STeile des K., welche sich vor den Augen befinden u. die bis zum VR. der OL. reichen, nennt man die Wangen ; die Teile, welche sich hinter den Augen befinden, hingegen: Schläfen (Occiput). Oft ist der K. unmittelbar hinter den Augen eingeschnurt u. wird bis zu den Augen in den BrSch. versenkt. In diesem Falle sind ausgebildete Schläfen nicht vorhanden. Der Teil des K., welcher sich von der dorsalen Mitte nach hinten hinzieht, ist der Scheitel (Vertex); zwischen den Augen nach vorne die Stirne (Frons); der vorderste Teil des K. ist meist vor den Augen durch eine Querlinie oder Querdepression abgegrenzt u. heisst: Kopfschild Clypeus); endlich befindet sich vor dem meist abgestützten KSch. ein querer, lappenartigerAnhang nach vorne: es ist die Oberlippe (Labrum); die hintere Partie des K. auf der US. heisst Kehle(Gula), der vordere davor befindliche gebuchtete R.ist der Kehlausschnitt, u. vor diesem befinden sich die meist freiliegenden Mundteile, über die weiter besonderes gesprochen wird.

An den Seiten des K., oder auch auf der 0S. derselben, aber stets vor den Augen stehen die

Fühler.

Diese vielgestaltigen, leicht beweglichen, fur die Systematik sehr wichtigen Tastorgane sind stets vorhanden. Sie sind nicht nur Tastorgane, sondern in ihnen scheint auch der Sitz des Geruchsindes zu liegen. Sie bestehen aus 2—12 *)Die Zahl der FGld. von 2-12 ist bei den Käfern ausserordentlich konstant. Es muss daher überraschen dass die Natur bei einem Cerambyciden Gattung der Prioniden, sich plötzlich darin gefallen hat von der Konstanz in auffälliger Weise abzuweichen, indem sie die Arten der Gattung Polyartron von 21 bis über 64 FGln von ganz barocker Form u. in beiden Geschlechtern in verschiedener Entwickelung, in oft trichterförmig eingeschachtelten Gld. ausgestattet hat., meist aber aus ll oder (schon weniger häufig) aus 10 Gld. Man spricht von geknieten F., wenn ihr 1. Gld. lang ist (es ist in diesem Falle der Schaft) u. die nächsten Gld. von demselben im Winkel abstehen (Antennae geniculatae), (diese sind dann die Geissel; die vergrösserten Endgld. sind die Keule). sind die Endgld. vergrössert so nennt man die F. gekeult (Antennae clavatae). Nach der Form der Keule können sie lose gegliedert, geblättert, gesägt, gekämmt oder geknopft sein etc. Schlanke, dünne, einförmig gebildete F. sind fadenförmig, mit dicken, rundlichen G1d. perlschnurförmig. Sind die Gld. nach einer Seite dreieckig erweitert, eu sind sie gesägt, sind diese Fortsatze lang, können sie gekämmt oder gefiedert sein.

Am VR. des K. befindet sich die meist rechteckige oder gerundete, oder ausgerandete

Oberlippe (Labrum),
welche oft aber rudimentär ist, oder vom KSch. (Clypeus) verdeckt werden kann. Die meist sichelförmigen, gegeneinander gebogenen, zum Beissen eingerichteten Organe, welche jederseits am VR. des K. stehen, sind die

Oberkiefer *) (Mandibeln, Mandibulae).

Diese sind entweder einfach, oder innen gezähnt, mehr weniger kraftig entwickelt, aber immer vorhanden. Beim Hirschkäfer-♂ (Lucanus cervus) sind sie [6] hypertrophisch zu 2 geweihartigen Verlängerungen entwickelt, welche sie zum Kauen untauglich machen u. es ist deshalb das männliche Insekt gezwungen vermittelst der pinselförmigen Zunge Baumsafte als Nahrung aufzusäugen.

Auf der US. der K. befinden sich vorne die Mundteile, wozu die Mandibeln natürlich auch zu zählen sind. Die am meisten in die Augen fallenden, seitlichen Teile sind die

Maxillen (Unterkiefer),
die aus einigen Stücken bestehen, wie verschieden sie auch bei den einzelnen Familien gebildet sein mögen. Der unterste Teil, meist einem Dreiecke nicht unähnlich, ist das Angelglied(Cardo), dann folgt meist ein schmaler Lappen oder lappenähmliches Stück nach innen, welches der Stamm (Stipes) genannt wird u. die Basis der UKf.-Ts. u. der Innenlade der UKf. (Lobus internus) bildet. Nach aussen folgt das meist mächtigste Stück, nähmlich die Aussenlade der Unterkiefer, die bei vielen Formen nach aussen beborstet oder behaart, manchmal auch bedornt erscheint. Die am Stamme innen ansitzenden UKf.-Ts. sind aus mehreren länglichen, beweglichen (meist 4) Gld. zusammengesetzt, wovon das Wurzelstück als tastertragendes Stück der UKf. (Squama pa1pigera) bezeichnet wird, das Endgld. aber in beiden oder in einem Geschlechte (♂) besonders durch eine breitere Verdickung ausgezeichnet erscheinen kann. Bei dem grössten Teile der Adephaga ist die Aussenlade der UKf. am inneren Teile des Stammes angefugt als 2gliederiges Organ, welches durch die Form den LTs. ähnlich wird, so zwar dass hier 3 Tasterpaare untersschieden werden können Bei der grossen Abteilung der Polyphaga ist die Aussenlade ganz anders geformt u. niemals tasterförmig entwickelt.

Weiter am HTeile des K., dicht vor dem Gularausschnitte, befindet sich das mehr weniger grosse Kinn (Mentum) von verschiedener Gestalt. Das Kinn kann durch [7] Ausbuchtungen gezähnt sein u. es kann mithin auch von einem M.- oder S. Zahn des Kinns gesprochen werden. Die Mundpartie vor dem Kinne, in der Mitte gelegen, ist das Labium (Unterlippe). Dieses besteht aus einem basalen Stuck, der Zunge(Ligula), daneben ist das tastertragende Basalstück der UL. (Squama palpigera), worauf die Lippentaster (Palpi labialis) als 2—3gliederiges Organ folgen, welche in der Gliederung den UKf.-Ts. ähnlich, aber gewehnlich viel kurzer sind. An der Zunge befindet sich haufig jederseite ein zipfelförmiges Gebilde; es sind die Nebenzungen oder Paraglossen.

Das Kinn, am hinteren Teile der K.-US., welches oft auch als Kinnplatte bezeichnet wird, ist häufig stark erweitert u. bedeckt oft zum Teile, manchmal sogar vollstaudig die Mundteile. Am hintersten Teile des Kehlausschnittes, gegen die Abschnurung des Halses gelegen, befinden sich 2 Längsnähte (Suturae gularis), welche bei den Rüsselkäfern auf eine einzelne, in der Mitte gelegene reduziert sind u. ein sehr gutes Merkmal für diese grosse Insektenabteilung abgeben.

Der Halsschild *)Wird oft sächlich "das Halsschild" geschrieben, was aber falsch ist, da der "Schild" männlichen Geschlechtes zu gebrauchen ist] (Prothorax, Pronotum)

ist der obere grosse dorsale Br.-Halbring, welcher durch einen kurzen, stielartigen Fortsatz der HBr. mit dem von den Fld. bedeckten HLeib artikuliert. Es ist der von oben am meisten ins Auge fallende Teil des Körpers, der in Verbindung mit dem Schildchen steht, u. in Verbindung mit den hornigen Fld. das Eigentümliche eines Käfers vorwiegend darstellt.

Der Halsschild (Thorax) ist von sehr mannigfacher Form u. ist deshalb bei der Artenunterscheidung von wesentlicher Wichtigkeit. Er ist bald an den Seiten gegen die VBr. gekantet oder in einem Stücke verrundet; eine feine abgrenzende RLinie ist meistenteils vorhanden. Die Mitte des Hsch. nennt mau die Scheibe (Dorsum); man spricht aber auch von dem Dorsum der Fld. Die Basis des Hsch. schliesst entweder unmittelbar an die Basis der Fld. an, oder die Verbindung ist durch eine halsartige Verlängerung der MBr. bewerkstelligt. Bei den Laufkäfern haben die Seiten 2 längere Borsten, wovon eine in der Mitte, die andere in den HWinkeln steht. Diese sind vorne oft vermehrt, selten fehlen sie ganz. Auf der OS. dieser halsartigen Verlängernng der HBr. ist

das Schildchen

gelegen, oder es steht etwas weiter nach hinten, rückt auf die OFläche der Fld.Basis, wo es sich in der Mitte zwischen die Naht derselben einschiebt u. nur in selteneren Fällen nicht erkennbar ist.

Auf der US. des Hsch. befindet sich

Die Vorderbrust (Antepectus, Prosternum).

Diese erscheint immer vorne u. hinten scharf abgesetzt, vorne aber manchmal in einen lappenförmigen Fortsatz erweitert (bei einigen Buprastiden u. Histeriden), der in einigen Fällen selbst die Mundteile bedeckt. In der VBr. sind die Gelenkhöhlen für die VB.; diese sind oft sehr dem HR.genähert, so dass sie denselben etwas übergreifen u. man sagt in diesem Falle, dass die Gelenkhöhlen offen stehen. Nach aussen von den Gelenkhöhlen wirn die Br. durch eine Längslinie geschieden; der aussere Teil von dieser Naht (die Episternalnaht) umfasst die Episternen der VBr.; den kleinen Teil der Br., welcher sich hinter den Gelenkhöhlen befindet n. oft bis zur Unkenntlichkeit reduziert erscheint, nennt man die Epimeren der VBr., der oft erhöhte Teil, welcher sich zwischen die VB. einschiebt, ist der Prostornalfortsatz, u.[8] davor in der Mitten zum VR. (seitlich von den Episternalnähten begrenzt) befindet sich die eigentliche Vorderbrust oder das Prosternum.

Die Mittelbrust (Mesosternum)

fo1gt unmittelbar nach der VBr. u. bildet gewissermassen die Artikulation zwischen der grösseren V.- u. HBr. Sie ist deshalb meist vertiefter gelegen u. wirn in seltenen Fällen von dem Prosternalfortsatze zum grössten Teile bedeckt. An ihrem HR. sind die MB. eingelenkt. An den Seiten der MBr. wirn nach vorne ein kleiner Teil durch eine Naht abgegrenzt; es sind dies die Episternen der Mittelbrust; ein zweites ähnlichss, mehr nach hinten u. aussen gerichtetes Feld, sind die Epimeren der Mittelbrust

Die Hinterbrust (Metasternum).

Hinter den MHü. bis zu den gewöhnlich quergestellten HHü. befindet sich der meist grösste Teil der Br., namlich die HBr. Dieselbe ist meistens von einer feinen Längsfurche durchzogen, mündet vorne als spitziger oder stumpfer Lappen zwischen den MHü., oder zwischen den mittleren Gelenkgrüben, wo sich meist die feine Trennungsnäht zwischen der M u. HBr. vorfindet. An den andere undeutlich ist oder fehlt. Ein kleinerer oberer, der sich gewöhnlich mit seiner Schmalseite an die Gelenkhöhlen der MHü. anlehnt; es sind die Epimeren der Hinterbrust; u. ein schmälerer, längerer, der meistens jederseits neben dem SR. parallel verläuft; es sind die Episternen der Hinterbrust.

Nach der HBr. folgen

die Hinterhüften (Coxae posticae),

welche sich zwischen die HBr. u. die Bauchsternite einschieben u. meist recht verschieden von den 4 vorderen Hü. gestaltet sind. Dieselben bilden meist eine quere schmale, oft aber breite Platte u. diese hat bei den Adephagen immer 2 lappenförmige Ahhänge, an welchen die Schl. vermittels ihres Trochanters artikulieren.

Der Hinterleib (Abdomen)

ist der dritte Haupteil des Insektenkörpers u. der obere Halbteil derselben befindet sich unterhalb der Fld.; der andere Halbteil auf der US. bildet den Bauch. Der Hlb. besteht aus einer grösseren Anzahl von Halbringen, wovon wenigstens die ersten, bedeckten, häutig sind. sind die Fld. verkürzt so sind die von ihnen unbedeckten, freien Teile stets hornig. Die oberen von den Fl. u. Fld. geschützten Decken bilden mit den unteren Bauchsegmenten keinen vollständigen Ring oder Abschnitt, sondern sie stossen an den Seiten in einer gesackten Naht zusammen u. erscheinen daselbst mehr weniger verschoben. Diese Organisation findet sich auch schon bei den Larven vor. Man hat deshalb in neurer Zeit die Beziehungcn von Rückensegmenten oder Bauchringen aufgelassen u. dafür die Namen ,"Tergit" (Tergite) für die ersteren u. "Sternit" (Sternite) für die Bauchhalbringe eiugeführt.

An den geschützten Seiten der Tergite, mit Ausuahme der 2—3 letzten, befinden sich rundliche Oeffnungen die Luftlöcher oder Stigmen genannt (worden), wodurch die notwendige Luft zu den im Innern gelegenen Atmungsapparaten zugeführt wird. Das letzte, in der Regel stärker entwickelte Tergit ist oft stärker chitinös u. sehr oft frei sichtbar: es ist das Pygidium. An der Spitze des letzteren tritt bei den ♂ einiger Gattungen (Nitiduliden) noch ein kleines besonderes Aftersegmentchen vor, das den ♀ fehlt.

Bei Käfern mit verkürzten Fld. werden in den Beschreibungen aus praktischen Gründen nur die Tergite u. Sternite gezählt, welche vor uns unbedeckt also frei liegen; also nicht so, wie es der anatomische Bau erheischen wurde: denn im letzeren Falle müsste man von 8 Sterniten sprechen, währenn wir nur 6 zählen, da die 2 basalen unterhalb der Hü gelegen u. von aussen nicht zu sehen sind. odcr üherhaupt reduziert oder verschmolzen wurden.

Die Sternite auf der Bauchseite sind oft zum Teile verwachsen, oder aber in starrer Verbindung, manchmal sämtlich frei beweglich. Das letzte Sternit ist das Analsternit u. meistens bei den verschiedenen Geschlechtern verschieden gebaut, oftmals beim ♂ (wie bei Malthodes) zu schwer zu beschreibenden Fortsatzen umgebildet. Das 1. Sternit zeigt in einigen Fällen hinter den Hü. eingegrabene Bogenlinien (bei der Scymnus-Arten u. einigen andern Gattungen), die man als Schenkellinien bezeichnet, [10 Die Trennungslinie der Sternite ist nicht immer ganz gerade, manchmal ist sie gebogen oder gebuchtet. Eine manchmal scharf eingeritzte Linie, die parallel mit den Sternit-R. verlauft, wurde als Abdominalfurche bezeichnet u. solche kommen bei den Carabiden häufig vor. Das 1. Sternit ist manchmal von den HHü. in der Mitte ganz durchsetzt (bei der grossen Abteilung der Adephaga) u. in diesem Falle ist es nur an den Seiten, dicht hinter dem Metasternum (HBr.) erkennbar.

Die Flügeldecken (Elytra).

Dies sind die hornigen Schilder, welche über dem HLlb. gelagert sind u. die häutigen UFl. bedecken. Sie sind eigentlich als 2 umgebildete Fl. zu betrachten u. ihre Skulpturen als das ursprüngliche aber stark modifizierts Geäder anzusehen.

Die Fld. sind so lang, selten wenig länger, als der HLlb., manchmal sind sie aber mehr weniger verkürzt; die freien Tergite sind in diesem Falle hornig u. beweglich. Bei fehlenden Ufl. sind die Fld. an der Naht meistens verwachsen. Die Trennungslinie der beiden Fld. nennt man die Naht(Sutura), neben der Naht befindet sich auf ihrer OS. meistens eine Längslinie; es ist der Nahtstreifen (Stria suturalis); sind viele Streifen auf ihnen vorhanden, so ist der Nahtstreifen stets der erste, an der Naht liegende Längsstreifen.

Der Fld.-R. wölbt sich meistens auf die US. über u. umschliesst die SR. des Hlb. Dieser R. ist oft seitlich von der Schulterecke an der Länge nach kantig begrenzt. Die Längsfläche, welche von dieser Schulterkante u. dem eigentlichen Decken-R. auf der US. eingeschlossen wird, nenne ich die falschen Epipleuren der Fld. (Pseudopleurae *)Wurden bisher meist fälschlich als Epipleuren beshy;zeichnet.; der äusserste R. der Fld., welcher die Bauchseiten berührt, zeigt häufig noch eine schmale, von einer Linie begrenzte Fläche, welche die eigentlichen Epipleuren bildet u. leicht übersehen wird.

Die Scheibe der Fld. zeigt eine mannigfache Skulptur, welche sich meist auf eine Streifuug zurückführen lässt; dieselbe ist, wie ich schon eingangs erwähnte, als der Ueberrest der Nervatur auf den zu hornigen Decken umgestalteten VFl. zu betrachten.

Die Flügel (Alae).

Diese befinden sich, wenn sie entwickelt vorhanden sind, was häufig nicht der Fall ist, unter den hornigen Fld. eingezogen in gefaltetem Zustande u. gelangen beim Fliegen in ausgestrecktem Zustande zur Verwendung. Sie haben ein Geäder (Nervatur), welches auf die Entwickelung (das Alter, Abstammung u. die Verwandtschaft) der Käfer Schlüsse zu machen gestattet u. das zu einer neuen systematischen Zerleguug derselben in 3 später besonders zu erörternden Grundtypen geführt hat. Die Käfer können nach dem Fluge die Fl. falten u. unter die hornigen Decken einziehen; nur bei wenigen Gattungen, Molorchus, Arthrocerus etc., ragen sie auch in der Ruhe ungefaltet, über die stark verkürzten Flügeldecken hinweg u. erhalten dadurch ein hymenopterenartiges Aussehen.

Bei vielen Käfern fehlen die Fl. ganz; viele solche Arten haben auch die Fld. verwachsen. Solche Flügellose Arten haben gewöhnlich abgerundete, also geschwundene Schulterbeulen. Ist eine ausgesprochene Schulterbeule bei einer Art vorhanden, so kann man sicher sein, auch bei ihr ausgebildete Flugorgane vonzufinden. Andereseits bedingen ganz verrundete Schultern zumeist das Fehlen der häutigen UFl.

Beim Fluge der Käfer werden die Fld. nach den Seiten offen verschoben, nur bei den Cetoniden bleiben die Decken im Fluge geschlossen u. die Fl. werden in diesem Falle nach Beugung des HLeibes vorgestreckt u. zum Fluge entfaltet.

[11]

Die 3 Haupttypen der häutigen Flügel bei den Coleopteren.

Typus I. (Adephagentypus)

Typus I (Adephagen typus)
Wird dadurch charakterisiert, dass sich zwischen den Nerven des Radius u. der Media einige Queradern absondern, die ein oder mehrere Vierecke oder Vielecke einschliessen.
Typus II. (Staphylinidentypus).
Alle Nerven oder Adern laufen bei diesem nach aussen frei aus, Queradern fehlen, die Costa media ist nicht gegabelt.
Typus III. (Cantharidentypus).
Die Costa media 1 u. 2 vsreinigen sich zu einer Ader, die dann frei nach aussen verläuft. Die Costa analis ist meist in mehrere Teilen u. in der Mitte oft quer verbunden.
[12]

Hüfte, Trochanteren, Schenkel, Schienen, Tarsen, Klauen und Onychium.

Die Hüften (Coaxa) sind die mehr oder weniger grossen, meist kugeligen walzenförmigen, oder konischen Gelenke, welche sich direkt in den Gelenkhöhlen, über welche schon bei dem Br.-Bau gesprochen wurde, befinden u. nach mehreren Richtungen drehende Bewegungen ermöglichen. Nebeu dem Hüftgelenke an den V.-, seltener auch an den MHü. befindet sich nach aussen, in einer sehlitzförmigen Vertiefung der Hüfthöhlen ein kleiner, meist dreieckiger Anhäng, den man den Trochantinus nennt.

An der Hü. befindet sich der Schenkel (Femur), welcher an der Basis einen Anhang besitzt, der unter dem namen Trochanter bekannt ist u. der zwischen Hü. u. Schl. die Artikulation vermittelt.

An den Schl. lenkt sich die Schiene (Tibia) ein, welche gewöhnlich dünner als der Schl. ist u. an deren Spitze sich der Fuss (Tarsus) befindet der den Zehen der höher organisierten Tiere entspricht. Die Tarsen sind niemals mehr als 5gliederig u. niemals weniger als 2gliederig. Die ersten 4 Gld. können etwas verbreitert sein unten haben sie oft eine schwammige oder bürstenartige Sehle oft aber nur im männlichen Geschlechte; das Endgld. der Tr. ist immer schlank, schaftförmig, u. mündet in eine oder 2 Krallen aus, welche Klauen genannt werden, wesbalb auch das Endgld. der Tr. als Klauenglied bezeichnet erscheint.

Schl. u. Schn. können verdickt oder einfach sein, die können Zähne ode Erweiterungen aufweisen, besonders als Geschlechtsanzeichnungen des ♂.

Eine kleine Verlängerung des Klauengld. zwischen den Klauen, an deren 2 Borstenharen sich befinden, kommt oft vor u. wirn das Onychium genannt.

Terminologie der Larven.

Die Larven sind Wurm- oder Raupenförmig (Engerlingförmig) im ersten Falle ehne deutliche Füsse in anderen Falle mit Füssen, agil mit Lauf-, oder Schwimmvermögen. Jede Larve besteht aus 13 ringfömig gesonderten Breitteilen. Der erste vorderste ist der K., dann folgen 3 meist stärkere Teile als die folgenden, welchen unten bei normalen Engerlingslarven die V.- M.-, u. HB. aufsitzen, die restlichen 9 entsprechen dem H.Leibe des ausgebildeten Insektes, An den Seiten der HLeibsringe, mit Ausnahme des letzten, des Analringes, befindet sich je ein kleines, rundes Luftloch (das Stigma), welches zu dem Tracheensystem führt, das ganz so wie beim fertigen Insekte gebaut erscheint, über das an anderer Stelle besonders gesprochen wird.[13] An dem Larven-K. ist bei den räuberisch lebenden Arten KSch. (Clypeus) u. OL. (Labrum) nicht deutlich zu erkennen; dagegen sind die Mandibeln stark sichelförmig entwickelt u. erscheinen oft innen mit Zähnen bewaffnet. Bei anderen Larven sind die OKf. klein, mit kleinen Kauzähnen u. stehen zum grössten Teile in der Mundöffnung.

Die F. sind stets kurz, meist nur aus 4 Gld. bestehend, bei einigen sind sie so rudimentär, dass sie sich schwer nachweisen lassen. Sie entspringen an den Seiten des K. Hinter den FWurzeln befinden sich 1—6 einfache Augen (Ocelli) gruppenweise verteilt. In manchen Fällen fehlen sie ganz, wie auch bei den entsprechenden Imagines. Bei einigen Larven fehlen sie in ihrer höheren Entwickelung.

Die KfTe. (Maxillarpalpen) sind gewöhnlich ebenfalls aus 4 Gld. bestehenn u. sehr oft so lang wie die F. Die LTs. bestehen meist nur aus 2-3 Gliedrudimenten der UL.

Die 3 folgenden Br.-Ringe ainn oben oft schildartig verhornt; manchmsl haben auch die darauf folgenden Hlb.-Absätze hornige Dorsalplatten. Das Analsegment trägt an der Spitze meist 2 stabförmige Anhänge (die Cerci), welche zum Teil als Nachschieber Verwendung finden.

Bei den raupen- oder engerlingartigen Larven tragen die 3 Br.-Ringe je 1 Beinpaar; bei vielen madenförmigen Larven, denen die B. fehlen, sind oft noch Rudimente derselben zu erkennen. Die B. haben kurze Schl., Schn. u. meist nur 1—3 TrGld., das letzte hat 1 oder 2 Klauen; sehr häufig fehlen die Klauen ganz.

Bei der

Käferpuppe (Nymphe)

sind die einzelnen Teile dsc fertigen Insektes bereits erkennbar. Sie liegen meistens Verborgen in der Erde oder im Holze, oft in besonderen geglätteten Höhlungen, oder in Gespinsten, oder sie hängen, wie bei einigen Chrysomeliden u. Coccinelliden frei auf Blättern oder Zweigen befestigt.

Der Nymphenzustand ist der ruhende Uebergangszustand zwischen Larve u. dem fertigen Insekte (Imago), u. ist darum auch der kurzeste. Nur bei den im [14] Poppenzustande überwinternden Insekten wird dieser zu einem unfreivillig längeren.

Das Hautskelett und die Muskeln.

Die Haut des Insektenkörpers sondert nach aussen eine mehr oder weniger dicke Schicht (Cuticula), das sogenannte Hautskelett, ab. Nach innen schliesst sich an jene eine aus mehreren dünnen Schichten sich kreuzender Fasern bestehende Membran an. Dae Hautskelett besteht ans Chitin, einem sehr wideretandsfähigen, stickstoffhaltigen Stoffe. Von ihm aus gehen Fortsatze nach innen, an welche sich die Muskeln ansetzen. Aus der Haut entspriugen Haare, Borsten, Schuppen etc.

Die Muskeln sind Bündel von Fasern, in den Organen, welche zur Bewegung dienen, meist paarig augelegt: der eine Muskel zum Strecken, der andere zum Beugen. Zwischen den Muskels laufen Nerven aus, mittelst deren die in Bewegung gesetzt werden.

Das Nervensystem des Insektenkörpers.

Den Insektenleib durchzieht ein doppelter Nervenstreng (Längskommissuren), der in gewissen Abschnitten knotenartig verdickt u. verschmolzen ist. Diese Verschmelzungen sind die Ganglien, aus welchen nach den wichtigsten Muskeln der Korperpartieu stärkere Aeste, so auch durch die B., bis in die TrSpitzen auslaufen. In gleichartiger Weise ist das Kopfganglion, welches als das grosse Gehirn des Inaektes betrachtet werden muss, gebildet. Dieses stellt ein breites queres Nervenbann vor, welches beidereeits an die Augen reicht u. in der Mitte sich in einem Doppelstrange nach dem HKorper hinzieht. Nach dem Stirnganglion fulgt sogleich ein kleiner Knoten: das Schlundganglion; dieses entspricht den kleinen Gehirne. Die andern zentralen Ganglienknoten wechseln sehr an Zahl u. Form ab. Darüber sagt bereits v. Siebold: In der Anordnung U. Zahl der Ganglien herrscht die grosste Mannigfaltigkeit, indem die Längskommisuren, welche immer doppelt vorhanden sind, hier u. dort verkürzt erscheinen, oder auch ganz fehlen, wodurch die Ganglienkette bald mehr, bald weniger verkürzt ist u. die Ganglienknoten zuweilen ganz nahe aneinandergerückt, oder fast zu einer einzigen Ganglionmasse verschmolzen sind. Es bietet das Nervensystem in dieser Beziehung ungefahr 2 Haupttypen dar, zwischen welchen jedoch keine ganz scharfe Grenze gezogen werden kann, da eine Menge der verschiedensten Uebergangsformen dazwischen liegen. Den [15] einen Typus, welcher wegen Mangel aller Längskommissuren den höchsten Gran der Konzentration zeigt, bietet dar Bauchmark der Lamellicornier, der Curculioniden u. Scolyten dar; hier besteht nähmlich die ganze Bauchmarkmasse aus 3 dicht aneinandergerückten Ganglienanschwellungen, von welchen die erste Anschwellung dem Brustganglion des Prothorax u. die zweite grössere Anschwellung dem verschmolzenen 2. u. 3. Brustganglion entspricht, der sich eine oblonge Ganglionmasse als konzentrierter Hlb.Strang anschliesst, von welchem die Nerven nach den Muskel des Hlb. ausstrahlen. Den 2. Typus stellen diejenigen Formen des Hlb.-Stranges dar, welche sich durch die ganze Länge des Leibes hinziehen; eine solche Ausdehnung besitzt vor allen der 5knotige Hlb-Strang der Cisteliden, Oedemeriden u. Cerambyciden, der fast bis zum HLeibseude hinabläuft. In den Käferlarven erscheinen die beiden Fo- [16] men des Bauchmarkes fast ohne alle vermittlende Ubergänge viel schärfer voneinander gesondert. Bei denjenigen Scarabaeiden u. Curculioniden, welchen ein sehr konzentriertes Bauchmark eigentümlich ist, haben sich die 11 großen Ganglien des letzteren auch in den Larven ohne Spur von Verbindungsträngen zu einem kurzen knotigen Markstrange zusanmengedrängt. In den Larven der Meloiden, Pyrochroiden, Chrysomeliden, Tenebrioniden, sowie der meisten übrigen Familien nimmt der 11knotige u. mit Doppelkommissuren versehene Bauchstrang, dessen 2 Brustganglien sich durch ihre Grösse von den 8 Hlb.-Ganglien nur wenig unterscheiden, fast die ganze Körperlange ein. Nur in den Carabiden, Silphiden, Staphyliniden u. Diaperiden endigt das Bauchmark der Larven, ungachtet des aus 8 Ganglien zusammengesetzten Hlb.-Stranges, schon oberhalb der letzten Hlb.-Abschnitte; am kürzesten zeigt sich jedoch in dieser Beziehung [17] das Bauchmark der Dysticidenlarven, deren 7knotiger Hlb.-Strang sich nur bis zur Hälfte des langgezogenen Hlb erstreckt.

Der Verdauungsapparat der Käfer.

Derselbe besteht aus mehreren Hauptteilen, nämlich der Speieeröhre, darauf folgt meistens der Kropf u. Kaumagen, dann der V.- u. MDarm, der letztere mit scinen Blindschlauchen, endlich der HDarm, der aus dem Dünn- u. Mastdarm besteht, an dessen Basis sich die sogenannten Malpighischen Gefässe (ebenfalls dünndarmartige Gebilde) anfugen.

Die Speiseröhre erweitert sich an ihrem untern Ende bei zahlreichen Formen (Adephagen) zu dem Kaumagen, der von Unebenheiten dicht besetzt erscheint u. oft auch Borsten trägt, die wohl auf die Verdauung mechanisch einwirken sollen. Einen inwendig mit Haaren besetzten, aber nicht durch hornige Platten gestützten Kaumagen zeigt nach Imhoff Staphylinus olens; bei Lacon marinus finden sich daselbst 4 Doppelreihen ziemlich weit auseinanderstehender Haare.

Der eigentliche Magen ist darmartig gestaltet, bei den karnivoren Adephagen von massiger Länge; lang u. vielfach gewunden bei den pflanzenfressenden Familienvertretern. Käfer, welche auf einmal grosse Nahrungsmengen aufnehmen, also [18] besonders solche, welche Holz oder Blätter benagen, heben eine umfangreiche Speiseröhre u. einen entsprechenden Kropf.

Der MDarm hat neben sich zahlreiche gewundene, ebenfalls darmartig ausseheude Organe, die Blinddarmschläuche; ähnliche Gebilde hat auch der [19] Mast- oder HDarm, welche die Malpighischen Gefässe darstellen. Der letzte Abschnitt des Mastdarmes ist Kurz, muskelreich u. mündet stets in den After aus.

Die Malpighischen Gefässe sind nach v. Siebold Harngefässe, deren Absonderungen der Dickdarm aufnimmt; sie sind lang u. vielfach auf u. nieder gewunden u. überschreiten nie die Zahl von 4 oder 6 Kanalen In denjenigan Käfern, welche nur 4 Harngefässe besitzen, erscheinen dieselben fast immer je 2 u. 2 schlingenartig an der angegebenen Stelle untereinander verbunden, während in den mit 6 Harnkanalen auegestatteten Coleopteren die hintaren Enden dieser Kanäle häufig an dem Dickdarm befestigt sind. Dasselbe Verhalten zeigt sich im allgemeinen auch bei den Käferlarven.

[20]

Organen zur Atmung. (Tracheen.)

Die Atmung geschieht durch nach aussen röhrenförmig ausmündende nach innen ausserordentlich verzweigte, feine Organe, die namentlich den Darm u. die Geschlechtsteile netzförmig umstricken, um die Luft zu allen Teilen des Körpers, zur Verbesserung des Blutes gelangen zu lassen. Die nach aussen führenden Oeffnungen heissen Luftlocher,Stigmen, u. befinden sich meist an [21] den Seiten der Leibesringen, wo die oberen mit den unteren zusammentreffen u. durch verschieden gebildete Vorrichtungen geschlossen werden könen.

Ihre Zahl ist nicht gleich. Die höchste Zahl derselben betragt 20 (je 10 an einer Seite), bei den Käfern meistens eine geringere Zahl. Die Tracheen bestehen aus hohlen, zylinderförmigen Röhren, deren Wandungen aus spiralförmig gewundenen Faden bestehen, die sich manchmal, wie bei den schweren, aber oft fliegenden Mist- u. Maikäfern innen zu sackförmigen Luftblasen erweitern, wahrscheinlich um das Gewicht des Körpers bei gleichem Volumen durch Luftfüllung zu verringern u. die Flugffähigkeit zu erleichtern. Bei im Wasser lebenden Arten sind die Stigmen grösstenteils geschlossen u. munden 2 Luftröhren an den letzten Segmenten aus, die zur Atmung dann oft an die Oberfläche des Wassers gebracht werden.

Haarförmige oder fadenförmige, d. i. kiemenartige Atmungsorgane, welche mittels der verästelten Luftröhrchen die dem Wasser beigemengte Luft aufsaugen, finden sich bei den Larven von Hydrophilus, Gyrinus u. einigen anderen.

Zur Anatomie des Insektenauges.

Ueber die Organe zur Fortpflanzung.

Die Fortpflanzung geschieht bei den Insekten wie bei den höher organisierten Tieren durch Beteiligung beider Geschlechter, es findet eine Begattung statt, das Sperma des ♂ gelangt in die Ovarien des ♀; das befruchtete u. ausgereifte Ei wirn von letzterem an den Ort gelegt, woselbst die junge ausschlüpfende Larve sofort Nahrung vorfindet u. der Zyklus dor Entwickelung schreitet sodann weiter. [22] Die Fortpflanzungsorgane beider Geschlechter liegen im Endteile des Hlb. u. nehmen daselbst, besonders bei manchen ♀, den grössten Teil desselben in Anspruch. Dieselben sind schlauchförmige oder röhrenartige, meist recht komplizierte Organe, u. ihr Hauptteil sind beim ♂ die Hoden u. beim,

♀ die Eierstocke (2). In den ersteren entstehen aus Samenzellen die Samenfäden (Spermatozoiden); in den Ovarien aus Ei- oder Keimzellen die Eier. Beim Begattungakte werden die ersteren durch ein Fortleitungsorgan in die weibshy;liche Vagina übertragen, wo sie bis zur Samentasche gelangen, die zur Aufbewahrung des männlichen Samens dient.

[23]An den männlichen Fortpflanzungsorganen haben wir zu unterscheiden

    2 Hoden mit den Hodenfolikeln,

    2 Samenleiter,

    1 Samenblase (Vesicula seminalis).

    den Samenausführungkanal mit dem Penis (Ductus ejaculatorius),

    dem Haftapparat beim Begattungsakte (Forceps).

An den weiblichenen hingegen:

    2 Eierstöcke mit dem Eischläuchen,

    2 Eileiter,

    1 Samentasche,

    mehrere Anhängsdrüsen,

    1 gemeinschaftlichen Eingang mit der Scheide, und

    den Legeapparat für die abzusetzender Eier

Die Figuren 30-33 veranschäulichen die einzelnen Teile der Forrtpflanzungsorgane beider Geschlechter.

Für den Systematiker ist der männliche Haftapparat, für den die weibliche Vulva durch chitinöse Zangen entsprechend angepast erscheint, von ganz besonderem Interesse; da er oft bei sehr nahe vorwandten Arten stark modifiziert gebaut erscheint u. da er sich leicht vorstrecken oder aus der Bauchhöhlung unschwer herauspreparieren lässt, so wird seine Form u. gestalt oft als Prüfstein verwendet ob wir es nur mit einer individuellen Abweichung, oeor einer guten Art zu tun haben.

Der Penis mit dem männlichen Haftapparate besteht selten aus eiuem einzelnen Stücke, meist sind es 3: abgesehen von dem Samenstrang (dem ductus ejaculatorius), der meistens auf der US. des MStückes, des eigentlichen Penis, sich als dünnes spiralförmiges Röhrchen befindet, das weit vorgestreckt werden kann u. durch welches dae Sperma bei der Begattung in die Begattungstasche des ♀ gelangt.

Das chitinöse MStück wird meist von 2 anderen beweglichen Teilen begleitet, welche bei der Begattung ansgespreizt werden u. die feste Haftung in der Vulva des ♀ veranlassen. Ich habe sie zuerst "Klappen" genannt, wofür aber später Verhoeff den Namen Parameren eingeführt hat. Bei den Caraben sind diese 3 Teile des Forceps zu einem oft hakenförmigen, soliden, hornigen Stück verschmolzen, bei anderen wie bei den Melolonthiden sind diese zu sehr bemerkenswerten dreiteiligen Gebilden umgestaltet.

Geschlechtsauszeichnungen auf den äusseren Körperteilen der Käfer

kommen fast auf allen Teilen abwechselnn vor. Die Endgld. der LTs. sind beilförmig bei den ♂ erweitert (Cymindis etc.); einzelne FGld. sind knotenförmig verdickt (Bryaxis, Tychus) oder die 2 BasalGld. sehr mannigfaltig geformt u. gleichzeitig verbreitert (Bythinus); die VTr. (Carabiden) u. oft auch gleichzeitig die MTr. sind beim ♂ verbreitert u. unten mit einer bürstenartigen Sohle besetzt, während in allen diesen Fällen die ♀ einfache F., TR. n. Tr. besitzen. An den Füssen ist oft bei beiden Geschlechtern eine Verschie- [24] [25]denheit in der Zahl der TrGld. bemerkbar; die Schn. sind bein &9792; einfach, beim &9794; mit Zähnen oder Verdickungen versehen (Bythinus, Otiorrhynchus). Männliche Auszeichnungen kommen auch auf den Mandibeln (Lycanus, Lethrus etc.) oder am Hsch. (Dynastiden), oder auf der St. (Cupriden) als hornartige Gebilde vor. Die Fld. können beim ♀ gaNz fehlen (Pachypus etc.), oder Sie klappen nach hinten, oder sie sind auf kleine Rudimente verkürzt (Lampyrus). Auszeichnungen beim ♂ auf der HBr. kommen vor bei verschiedenen Pselaphiden u. andereu, am Bauche pflegen ebenfalls sehr mannigfache Auszeichnungen (Höcker bei Scolytus, Zähne bei Meligethes bidentatus u. verschiedenan Staphyliniden); besonders häufig kommen grubenförmige Eindrück vor auf den ersten u. letzten Sterniten (z. B. bei den meisten Curculioniden). Bei Drilus ist das ♀ überhaupt ganz unvollkommen ausgebildet, larvenähnlich; u. bei Stylops, Xenos, die in Wespen schmarotzen, verlässt das larvenähnliche &9792; überhaupt nicht den Leib des Wirtinsektes.

Ueber den Begriff der Art, Varietät, Gattung und Familie.

Unter einer Art verstehen wir die gesamten Käferindividuen, welche eine gleiche Ausbildung aller Teile ihres Hautskelettes, sowie der inneren Organisation besitzen u. nur sexuelle Verschiedenheiten aufweisen; auch gleiche Neigungen bei ihrer Ernährung u. in ihrem natürlichen Verhalten zeigen u. die sich endlich zur Fortpflanzung gegenseitig aufsuchen, eine Begattung eingehen u. sich vermehren.

(v.) Varietäten. Zeigen sich an einzelnen Teilen einer Insekten- oder Käferart, besonders an bestimmten Lokalitäten,voder in bestimmten Ländern, oder unter andern Voraussetzungen wahrnehmbare Verschiedenheiten, die sich konstant wiederholen, u. sie geeignet erscheinen lassen, durch die veränderten Eigenschaften von der Stammart erkennen zu lassen, also zu unterscheiden, so nennen wir solche Individuen eine Varietät.

(r. ssp.) Rassen, Subspecies. sind diese durch loksle Entfernung, oder durch besondere Lokalitäten bedingten Unterschiede bedeutender, so zwar, dass Man sich versucht fühlen könnte, in ihnen eine besondere Art zu erblicken, die aber durch Individuen des Zwischengebietes als noch zusammengehörig nachgewiesen werden können, so bezeichnen wir solche abweichende, unter sich aber gleiche Individuen als Rassen oder Subspecies.

(a.) Aberrationen beziehen sich auf geringere, sich aber wiederholende Abweichungen der Farbe oder Skulptur. Abweichungen in der Färbung werden immer als Aberrationen betrachtet, obgleich solche bisher auch als Var. bezeichnet wurden. Skulpturabweichungen geringeren Gradee, die auch bei einzelnen Individuen in gleichen Weise wiederholen, sind ebenfalls hierher zu ziehen. Letztere bezeichnet Sanitätsrat Dr. Fleischer in Brünn als as. Skulpturaberration (aberratio skulpturae) u. die andern ac. als Farbenaberration (aberratio coloris).

Eine Art (Species) kann also innerhalb eines grösseren Gebietes zerfallen in die

Stammart.

Aberration (Aberationen),

Varietät (Varietäten),

Rasse (Rassen).

Die Rasse oder Subspecies hat sich bereits naturgemäss von der Stammart am weitesten entfernt.

Werden zwischen einer Stammart u. einer vermeintlichen Rasse oder Subspecies in den benachbarten Gebieten Zwischenglieder nicht gefunden, so [26]haben wir in ihr eine nahe verwandte, aber selbständige Art zu sehen. Rassen einer Art werden oft als selbständige Arten angesehen u. beschrieben, so lange man solche Individuen nicht kennt, welche eine Verwischung der Eigenschaften der vermeintlichen Art hervorzurufen geeignet sind. Werden solche Individuen (meist aus benachbarten Ländern der Stammart) nachgewiesen, so ist die vermeintliche Art als Rasse zu der verwandten Grundform anzusprechen.

Aus Rücksichten auf das Prioritätsgesetz wirn stets als Grundform diejenige angesehen, welche zuerst beschrieben wurde, wenn sich auch herausstellen sollte, dass die jüngere, späater beschriebene, die häufigere u. weiter verbreitete sein sollte.

Gattung. Eine grössere oder geringere Anzahl von Arten, welche in einigen wesentlichen Punkten ein gemeinschaftliches Merkmal aufweisen, das durch Zwischenglieder nicht verbunden erscheint, werden durch einen gemeinschaftlichen Namen zusammengefässt, nämlich dem Gattungsnamen. Die Gattung hat ebenfalls, wie die Art, nur in solange Bestand, als sich Zwischenglieder nicht vorfinden, welche die Gattungsmerkmale aufheben.

Familie. Eine Anzahl Gattungen, welche ebenfalls durch ein oder mehrere Merkmale verbonden erscheinen u. dadurch eine entferntere Verwandtschaft zeigen, werden zu einer Familie zusammengefügt, mehrere in irgend einer Weise nachweisbar verwandte Familien zu einer Familienreihe gezogen.

Ueber Nomenklatur und Priorität.

Die Insekten unterstehen der binären Nomenklatur, welche von Linné eingeführt wurde u. seither in Geltung besteht. Darunter soll verstanden werden, dass jedes Insekt mit 2 Namen benannt wird: 1. dem Gattungsnamen u. 2. dem Artnamen, z.B. Carabus auratus. Dem Artnamen wird noch der Name des Autors, meist in abgekürzter Form zugefügt, der die betreffende Species benannt hat, statt eines besonderen Zitates, z. B. Carabus auratus L. = Linné.

Ist eine u. dieselbe Art von verschiedenen Autoren beschrieben, so hat der Name desjenigen Autors zu gelten, der ihn nachweisbar zuerst beschrieben hat; er hat die Priorität. Alle andern Namen desselben Tieres sind Synonyme; diese werden dem gültigen Namen unterstellt u. meistens in Katalogen u. in Monographien zur Orientierung dem geltenden Namen angeschlossen.

Man hat in neuerer Zeit versucht, für besondere Fälle trinäre Namen einzuführen, nämlich fur sogenannte Subspecies oder Rassen von bekannten Arten, z. B. Carabus concolor alpinus Dej., oder Carabus concolor Fairmairei Thoms. Es scheint mir aber nicht notwendig, diese trinären Bezeichnungen einzuführen, weil ein sich durch ein vorgesetztes r. als Rassen ebenso kenntlich machen lassen, wie bisher die Varietäten durch ein v., oder die kleineren Aberrationes durch ein a. vor dem Artnamen. Denn Subspecies sind nicht mehr als Rassen; etwas anderes darin zu sehen, berüht nur auf der Sucht einzelner, Neuerungen zu schaffen, denen zu folgen nicht immer angezeigt ist. Wir wünschen, unsere schöne Wissenschaft zu keiner Modesache zo degradieren. Dr. A. Fleischer bezeichnet diese letzteren Aberrationen noch genauer, indem er durch die Buchstaben ac. eine Koloritaberration, u. durch as. eine Skulpturabweichung nominiert.

Ueber die Einhaltung der Nomenklatur u. der Priorität auf dem Gebiete der Zoologie sind auf einigen Naturforscherversammlungen besondere Gesetze u. Regeln ausgearbeitet u. genehmigt worden, die später noch erganzt u. verbessert, zum Teil auch verbösert worden sind, deren weitläufigen Inha1t jedoch in dieser Stelle anzuführen mir nicht notwendig erscheint

[27]

Ueber Insektentypen.

Der Entomologe bezeichnet mit Typen diejenigen Exemplare einer Art, oder einer vermeintlichen Art, nach welchender Autor der Art die Beschreibung derselben entworfen hat.

Exemplare, die der Autor als Stücke derselben Art anerkennt oder für solche halt, welche aber nicht der Beschreibung der Art zugrunde lagen, nennt man Cotypen u. diese sind es gewöhnlich, die als "Typen" in den verechiedenen Sammlungen figurieren.

Nachdem die Priorität einer Art nur durch die stattgefundene Beschreibung derselben erlangt werden kann, so sollte bei dem Studium derselben nur die letztere massgebenn sein, denn diese ist bleibeod, die Type vergänglich u. als solche nicht unter allen Umständen erkennbar! Wie viele Verwechselungen derselben haben nicht schon stattgefunden u. wie viele nomenklatorische Verirrungen sind schon angerichtet worden!

Es ist ja selbstverständlich, dass die Beschreibungen manchmal kleine Unrichtigkeiten enthalten, da nicht jeder das Objekt in gleicher Weise betrachtet u. selbst über die Färbung (z. B. blau oder grün) gab es schon oft Meinungsdifferenzen. Mancher Autor hat bei der Beschreibung, namentlich wo es sich um kleine, schwer dem Auge zugängliche Organe handelt, schlecht gezählt, oder anpassenn seiner Meinung, etwas anderes geschildert, was später von einem andern gefunden wurde. Trotzdem braucht eine solche Beschreibung nicht deshalb verworfen zu werden, weil sie im ganzen das gemeinte Objekt genügenn erkennen lässt u. sich die kleinen Differenzen oder Abweichungen vom nachträglichen Befund durch logische Schlüsse erklären lassen.

Neuere Monographen pflegen zn ihren entomologischeu Arbeiten, oft zur Beschreibung einer einzelnen Art, die Typen der Verwandten zu requirieren u. verwenden zu diesem Zwecke einen grossen Geld- u. Zeitaufwand u. setzen Freunde u. Bekannte in Kontribution, dabei behilflich zu sein.

Ich muss zugeben, dass die Vorlage der Typen eine entomologische Arbeit sehr zu erleichtern vermag, zumal man sich dann meist um die Deutungen der Beschreibungen nicht weiter zu kummern braucht u. sodann die Synonynie (eingezogene Arten!) ex typo statuiert. Diesen Vorgang, der das scheinbare Gute hat, durchaus positive Resultute zu schaffen, halte ich für sehr bequem, aber trotzdem nicht für richtig, wenn die sogenannten Typen mit den Originalbeschreibungen u. nicht sorgfältig verglichen u. übereinstimmenn gefunden wurden.

Typen, welche auf die Beschreibungen nicht passen, sind als solche, wenn sie auch vom Autor stammen, nicht zu betrachten, denn Verwechselungen der Etiketten u. selbst der Objekte kommen vor u. werden niemals ganz zu verhüten sein. Die Anführungen der Beschreibungen haben in erster Linie berücksichtigt zu werden u. die Requirierung der Typen sollte bloss den Zweck haben, nicht nur die Richtigkeit der beschriebenen Angaben zu konstatieren, sondern — u. das ist dabei stets Hauptzweck gewesen — an den Typen die Eigenschaften nachzusehen, über welche der Autor keine Angaben gemacht hatte, weil zu jener Zeit, als er die Beschreibung gab, die Wichtigkeit solcher spezieller Angaben noch nicht erkannt war.

Es ist übrigens auch schon vorgekommen, dass die Beschreibung mit der Type, über die wegen ihrer besonderen Umstände gar kein Zweifel obwalten konnte, in den wichtigsten u. auffallenden Punkten im Widerspruche stann (z. B. Formicomus Hauseri Pic. Omias Gatteri Stierl. 1883 (descriptio falsa) = Peneckei Reitt, 1894, etc. etc.

In einem solchenn Falle wäre es unlogisch, mehr auf die Type zu gehen als auf die Beschreibung, denn erstere kann von jedermann zur Er- [28] kennung der Art requiriert werden u. dies um so weniger, als man ja nicht vermuten kann, dass die Beschreibung gerade dieser Art eine ganz verfehlte ist u. dass alle wichtigen Angaben derselben an dem gemeinten Objekte gar nicht vorhanden sind.

In einem solchen Falle hätte der Autor sein Tier aufs neue zu beschreiben u. die alte Beschreibung zu anullieren wenn es nicht schon inzwischen von jemann anderen richtig beschrieben wurde, dem dann natürlich die Autorschaft zuzusprechen wäre; denn ein Tier, das der Pseudobeschreibung (descriptio falsa) erwiesenermassen entspricht, existiert in der Tat nicht. Die Existenz der Type jener misslungenen Beschreibung darf dieselbe in keinem Falle ersetzen.

Die Requirierung der Typen wird mit der Zeit sich immer schwieriger gestalten u. man wirn gezwungen sein, allmählich davon abzukommen.

Es gibt zahlreiche Autoren, welche solche geborgte Tiere jahrelang zurückbehalten u. es ist schon vorgekommen, dass sie trotzdem davon keinen Nutzen zogen, oder dass die grossen Erwartungen dieser Autoren arg getäuscht wurden.

Typen wandern heute in allen Ländern Europas u. darüber hinaus umher, so dass man darüber Buch führen muss, wenn man orientiert bleiben u. sie nicht verlieren will. Trotzdem kommt es vor, dass solche verloren gehen, abgesehen von dem Umstande, dass sie immer mehr u. mehr durch ihre häufigere Benützung in schlechten Zuatann gelangen u. gewöhnlich einmal als Rudiment eines Insektes ihre systematische Stelle in der Sammlung ausfüllen.

Es gibt übrigens auch manche Autoren, die durch schlechte Erfahrungen, die sie durch das Verleihen der Typen gemacht haben, nicht mehr zu bewegen sind, ihre Typen zur Versendung herzugeben.

Die Beweiskraft der Typen ist bei den modernen deskriptiven Forschern zu einer ungesunden, übertriebenen geworden; die Beschreibungen sind dagegen mit grossem Unrechte als beweisender Faktor gesunken, was lebhaRt bedauert werden u. sich in der Folge ändern wirn u. ändern muss.

Dimorphismus.

Bei verschiedenen Insektenarten u. auch bei den Käfern hat man konstatiert, dass eines der Geschlechter in zwei ganz abweichenden Formen auftreten kann, was wir mit "Dimorphismus" bezeichnen. So erscheinen verechiedene Bythinus-Arten im männlichen Geschlechte dimorph, indem ♂ auftreten mit einfachen u. ♂ mit stark verdickten Schl. u. Schn. (z. B. beim Bythinus clavicornis Panz, u. Bythinusinflatipes Reitt. aus unserer Fauna).

Bei Dorcadion pflegen wieder die ♀ dimorph aufzutreten, nämlich eine Form, welche in der Bekleidung u. Farbung dem ♂ völlig gleicht, u. eine andere die vom ♂ sehr abweichenn gefärbt erscheint. An diesen Verschiedenheiten kann nicht nur die Farbe, sondern auch die Behaarung u. Skulptur teilnehmen.

Der sehr auffällige Dimorphismus bei den Bythinus-Arten wurde erst in neuerer Zeit erkannt, indem die sehr abweichenden ♂ an gleichen Lokalitäten nur mit solchen ♀ angetroffen wurden, an denen sich Verschiedenheiten absolut nicht auffinden liessen u. demnach auf eine einzige, gleiche Species hinweisen.

Bei verschiedenen Staphylinen (Lathrobium etc.) äussert sich der Dimorpbismue einer Art in verschiedener Länge der Fld. Es gibt nämlich eine microptere (kurzflüglige) u. macroptere (langdeckige) Fonn.

Mimicry.

Darunter verstehen wir die Neigung u. das Bestreben verschiedener, Insekten in Gestalt u. Forbe die Futterpflanze oder die Umgebung des normalen [29]Aufenthalts nachzuahmen, um sich leichter den feindlichen Blicken zu entziehen, oder in der Zeichnung u. Gestalt andere Insekten zu imitieren, welche entweder durch ihren Giftstachel, oder durch üblen Geruch von anderen Feinden gemieden sind, um sich durch ihre Aehnlichkeit grossere Sicherheit zu verschaffen. Die Nachahmung von Wespen ist bei den Käfern vielfach konstatiert u. es gibt tausende Fälle, wo man durch besondere Farbung u. Gestalt an andere Insekten erinnert wird, die ihnen in allen Details zu gleichen scheinen, obgleich sie ganz verschiedenen Ordnungen angehoren. Zahllos sind die Mimicryfalle bei Raupen, Schmetterlingen u. Hymenopteren; es gibt keine Ordnung, wo man auffällige Mimicrybildungen nicht konstatiert hatte. Die grossen, dünnen Stabheuschrecken leben an Bäumen u. Sträuchern, sind träge u. ahmen kleine Aeste nach. In Brasilien ist ein dünner Bockkäfer bekannt, der mit seinen längeren VFüssen u. seinen vorragenden Kiefern kleine Baumtriebe umfasst u. seinen Körper gerade streckt u. schief in die Höhe reckt, wodurch er bei gleicher Farbung ein kurzes Aestchen imitiert.

Aus diesen Umständen hat die Wissenschaft eine Mimicryfärbung, also eine Schutzfärbung u. eine Schutzform konstruiert. In neuerer Zeit haben einige Forscher darauf hingewiesen, dass aber auch einige Puppen Gestalt u. Farbe essbarer Früchte annehmen u. darum um so leichter verschiedenen früchteliebenden Tieren zum Opfer fallen. Jedenfalls sind die Fälle von Mimicry sehr in die Augen fallenn u. erwecken das Interesse des Insektenfreundes. Dabei kann man sich der Ansicht nicht verschliessen, dass die Natur durch die Form u. Färbungsparallelen ein bestimmtes Ziel verfolgte u. der eingangs erwähnte Zweck scheint mir in der Tat der einzig erklärliche berechtigte zu sein.

Melanismus. — Albinismus. — Rufinismus.

Bei den Variationsbildungen einzelner Käfer kommt es häufig vor, dass solche an bestimmten Lokalitäten besondere Neigung zeigen zu verdunkeln, indem die dunkle Färbung zum grösseren Teile die lichten Zeichnungen verdrängt, oder umgekehrt, dass die helle Färbung sich auf Kosten der dunklen Zeichnuug ausbreitet. Wir bezeichnen im ersten Falle diese Neigung mit Melanismus, im anderen Falle Albinismus. Viele sonst einfarbig dunkle Käferarten haben die Neiguug, in manchen Fällen eine rote, oft nur teilweise rote Färbung anzuuehmen, was dem Rufinismus entspricht. Geht die Farbenverdrängung so weit vor sich, dass ein sonst buntes Tier ganz sohwarz, oder ganz hell, oder einfarbig rot sich entwickelt, so nennen wir solche Individuen: Nigrino, Albino oder Rufino.

Stridulationsapparate bei den Coleopteren.

Viele Käfer, welche zirpende Tone von sich geben, besitzen sogenannte Stridulationsupparate, wodurch diese Töne hervorgerufen werden konnen. Sie bestehen meist aus einer Gruppe von Querriefen, welche sich auf der US. des chitinösen Teiles der vorletzten Rückentergite, oder suf einem Innenteil der Hsch. oder an der Seite der Fld. befinden. Auf dieser gerieften Fläche wird durch Reibung mit den Fld., oder dem K. oder den Schn. der zirpende Ton hervorgerufen. Man hat festgestellt, dass bei frisch getöteten Kafern, welche einen solchen Tonapparat besitzen, mittels Reibung über denselben der zirpende Ton mechanisch hervorgerufen werden kann. Solche Apparate besitzen viele Bockkafer, Polyphylla fullo, etc.

Bei den Bockkäfern ist in der Regel der Stridulationsapparat an der Basis der Sch. Daeelbs~ ist letzteres auffallend matter; bei eingehenderer Be- [30] sichtigung erweist sich diese Flache mit äusserst feinen u. dichten Querrille besetzt, welche mit gleichen, auf der US. der Hsch.-Höhlung korreapondieren. Bei vielen Dynastiden (Nashörnern) befinden sich die Stridulationsrillen an de gedeckten Basis des Pygidiums. — Platyderus hat den Stridulationsapparat ganz am HR. des Scheitels!

Nach Schiödte haben auch die Larven der Dynastiden u. Cetoniden, Melolontbiden, Copriden etc. auf der US. des UKf.-Stammes eine länglich Stridulationsfläche, welche mit einer Reibfläche auf der US. der Mandibeln korrespondiert.

Käfer als Ameisengäste.

In den Nestern der Ameisen leben verschiedene Insekton als Gäste oder Schmarotzer, worunter die Käfer hauptsächlich in grösserer Artenzahl vertreten sind. Ebenso besuchen besondere Insektenarten die Nester verschiedener Vögel (Schwalben, Stare, Tauben etc.) u. verschiedener Nagetiere (Ziesel, Hamster, Mäuse etc.). Die sehr verschiedenen Umstände, welche das Bestreben hervorrufen, ihre Lebensweise mit ganz verschiedenen Tieren zu vereinigen nennt man Symbiose.

Die Symbiose mit Ameisen (Myrmecophilie) ist so verschiedenartig, dass eine der bekannte Naturforscher P. Erich Wasmann in nachfolgende Stufen teilt:

  1. Trophobiose (d. h. eine der vielen als Nährquelle dienende Symbiose) Hierher gehören die Beziehungen der Ameisen zu den von ibnen besuchten oder in ihren Nestern gehaltenen Aphiden (Blattläusen), Cocciden, Membraciden, den Honigraupen der Lycaeniden-Tagfalter etc.
  2. Symphilie. Damit wird das echte Gastverhältnis bezeichnet, welches zwischen Insekten u. den Ameisen stattfindet, wo diese von ihren Wirten (de Ameisen) gastlich gepflegt werden, wegen eines Exsudates, das den Wirten nicht als Nahrungsmittel, sondern nur als angenehmes Reizmittel dient. Dieses Exsudat scheint teils ein flüchtiges Fettprodukt, teils ein Drüsensekret, teils auch ein Element der Blutflüssigkeit der Gäste zu sein. Diese Absonderungen pflegen aus bestimmten gelben Haarbüscheln oder Exsudationsgruben auszutreten. Hierher zählen die Clavigeridae, verschiedene Staphylinidae (Lomechusa Atemeles etc.).
  3. Synoekie. (Zusammensein indifferent geduldeter Einmieter.) In diese biologische Klasse gehört weitaus der grösste Teil der Ameisengäste (und Termitengäste) aus den verschiedenen Klassen u. Ordnungen der Arthropoden. Die meisten Synoeken sind "Mitesser" ihrer Wirte im weiteren sind, inden sie von den Nahrungsabfällen, von Nestsubstanzen etc. sich nähren Hierher Monotoma conicicollis u. angustico11is, Emphilus glaber, Saulcyella Schmidti, Ptilium myrmecophilum etc.
  4. Synechthrie (Feindschaftsverhältnis) sind Ento- oder Ektoparasiten der Ameisen oder ihrer Brut oder anderer Nestgenossen derselben. — Hierher gehören viele myrmecophile Milben, verschiedene Phoriden als Larven. Von Käfern Thorictus als Imago, die Myrmedonia-Arten etc.

Nach den verschiedenen Anpassungscharakteren kann man unterscheiden:

  1. Einen Mimicrytypus; dieser wird als solcher angesehen, wenn die Form des Körpers oder Teile desselben in hohem Masse mit jenen ihre Ameiaen oder Termitenwirte übereinstimmen u. dadurch erfolgreiche Täuschungen hervorzurufen vermögen.
  2. Gäste vom Trutztypus sind solche, welche nicht durch die Täuschung ihrer Wirte, sondern durch die Unangreifbarkeit ihrer Körperform eine gesicherte Existenz in der Gesellschaft der Ameisen suchen. [31]
  3. Gäste des Symphilidentypus, wozu die eingangs gesschilderten Gäste der Symphilie gehören. Sie werden von den Wirten gefüttert u. sind meist im Besitze gelber HaarbüsChol odor anderer Organe, welche von den Ameisen geleckt werden.
  4. Alle weiteren Formen sind dem indifferenten Typus beizuzählen.
Bei den meisten einbeimischen Ameisenarten sind myrrmecophile Käfer aufzufinden; am zahlreichsten sind sie in den grossen Nostern der an Wäldrändern vorkommenden Formica rufa, u. bei der kleine Nester bewohnenden, mehr rötlichen grossen F. congerens. Bei der kleinen , gelben Wiesenameise (Lasius flavus) lebt der Claviger testaceus u. Cl. longicornis in Symphilie.

Gesammelt werden die myrmecophilen Käfer im ersten Frühjahre, so lange noch die Ameisen nicht durch hohe Tagestemperaturen iu ihren feindlichen Abwehrungen kräftig geworden sind. Ich habe im ersten Frühjahre stets die reichste Beute gemacht, indem ich tiefer gelegene Teile des Nestes durch ein dichteres Sieb passieren liess u. das Gesiebe im Freien aussuchte.

Es genügt übrigens auch, wenn man grosse, flache Steine auf dis unteren Seiten der Ameisenhaufen legt u. sie nun täglich früh morgene, so lange die Sonne ihre Oberfläche nicht erhitzt, umwendet u. von der US. derselben die Myrmecopbilen abnimmt.

Apparate zum sammeln der Käfer.

1. Totungsgläser und Mittel zur Tötung.

Grössere unbehaarte Käfer (Carabus, Scarabaeus Tenebrioniden, Wasserkäfer. etc.) gibt man am besten u. einfachsten in einem weithälsigen Glase (Opodeldokflache) in Spiritus. Wollte mau auch geflügelte Käfer iu Spiritus legen, so empfiehlt es sicb, bloss verdünnten (70prozentigen) Spiritus zur Tötung zu benützen, starker Spiritus entzieht den Tieren die Gelenksfeuchtigkeit, macht sie spröde u. weil dies auch an die Fld.-Bändern geschieht, so pflegen sie dann zu klafen, d.h. die Fld. gehen hinten auseinander.

Grössere u. kleinere Käfer sollen niemals zusammen getötet werden; beide sollen nicht nur bei der Tötung, sondern auch bei der späteren Behandlung immer gesondert gehalten werden. Die kleinen Arten werden zwischen den grossen unansehlich, wenn sie trocken getötet, u. gehen zwischen den einzelnen Körperteilen verloren, wenn sie in Spiritus mit den grossen zusammengehalten worden.

Dickleibige Käfer, wie die im Süden vorkommenden Pimelien u. andere Melasomen, welche verhälnismässig schwache Beingelenke besitzen,[32]sollen nicht nur in starken Spiritua gegeben, sondorn es soll der letztere nach geraumer Zeit gewechselt werden, um sie vor der Faulnis oder dem Fettwerden ihres Bauch- u. Bruatinhaltes zu schützen.

Larven u. Puppen werden ebenfalls in guten Spiritus gelegt. Fast allgemein war vor wenigen Jahrzehnten die Totung mit

Cyankali.

Zur Aufnahme des Giftes hat man besondere Fläschen konstruiert, welche auf der US. eine verengte, kugelartige Ausbuchtung besitzen, die auch unten mit einern Pfropfen geschlossen werden kann. In die Ausbuchtung wird zwischen Papier ein Stück Cyankalium gelegt u. mit Watte ausgefüllt. Der obere Teil des Insektenglases oder Totungszylinders wird mit einem Korke abgeachlossen, durch den ein 8 mm weites Glasröhrchen durchläuft, das oben auch mit einem Korke geschlossen werden kann. Das Glasröhrchen ist zur Aufnahme der Käfer bestimmt, welche durch dasselbe passieren können, damit nicht durch die häufige Oeffnung des grossen Korkes die Giftwirkung des Innern zu bald herabgestimmt wird.

Bei der Tötung durch Cyankali, Aether, Schwefelkohlenstoff, muss stets der Innenraum der Tötungsflasche mit Fliesspapierschnitzeln oder feiner Holzwolle ganz lose ausgefüllt werden, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verbeissen u. beschmutzen konnen; noch vorteilhafter ist es, die Flasche zur Halfte mit staubfreien, harten, groben Sägespänen, die von Querschnitt- oder Zentrifugalsägen gewonnen werden, anzufüllen, weil die Tiere darin ganz besonders schön rein bleiben. Die Holzspäne ziehen Feuchtigkeit an u. machen die Insekten trocken, u. die Käfer bleibeu unbedingt gesondert.

Man hat dem Cyankalium den Vorwurf gemacht, dass es die Tiere sehr steif macht. Die Starre der Tiere verschwindet jedoch vollkommen, wenn die Tiere nicht zu bald nach ihrem Fange herausgenommen, sondern wenigstens 24 Stunden im Tötungsglase belassen werden.

Es ist selbstverständlich, dass man bei der Tötung mit Cyankali, das zu den starksten Giften zu zahlen ist, die grösste Vorsicht anwenden muss. Man hat aus diesem Grunde auch dauernde, vergiftete Fanggläser geschaffen, indem man eine grössere Cyankaliumlage mit frisch aufgelostem Gipsüberguss erstarren liess. Die mit Gips frisch übergossenen Cyankaligläser bleiben bis zur vollständigen Trockenwerdung durch 24 Stunden offen zwischen dem Fenster stehen, dann werden die Glasränder von den Gipsteilen befreit u. die Flasche wird 10 Tage geschlossen ruhen gelassen. Nach dieser Zeit entwickeln sich schon hinlänglich Blausäuredämpfe, welche die Benüttzung der Flasche durch einen Sommer gestatten.

Zur Tötung mit Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff verwendete ich ein grosses Opodeldokglas, dessen Stöpsel 2 dünne Röhrchen umschliesst. Das kürzere ist für das in Watte getränkte Totungsmittel bestimmt u. das langers Glasröhrchen zur Aufnahme der (meist kleinen) Käfer hergerichtet. S. Fig. 37.

Schwefeläther, Essigäther, Chloroform, Benzin.

Bei der Verwendung von ätheriger Flüssigkeit wird dieselbe auf ein Schwämmchen oder Wattebausch geträufelt, u. auf dem Korke mittels einer Nadel befestigt, oder einfach auf den Boden der Flasche getan; darauf wird später nach Bedarf die Flüssigkeit tropfenweise nachgefüllt.

Schwefeläther u. Chloroform haben den Nachteil, die Tiere etwas steif zu erhalten, was ihre Präparation erschwert; dies ist bei der Verwendung von Benzin in nochstärkerem Mase der Fall. [33] Ein sehr angenehmes Tötungsmittel u. in neuester Zeit allgemein beliebt. ist der Essigäther, wegen seines angenehmen, belebenden Geruches u. seiner Wirkung auf die getöteten Insekten: Diese bleiben nämlich bei Verwendung dieses Mittels schlaff u geschmeidig u. lassen beim Aufpräparieren ihre Gliedmassen mittels eines Pinsels in jede beliebige Position bringen.

Da die Verwendung von Essigäther eine sogenannte Trockentötung bedingt, so sollte man, wegen der Reinhaltung der Tiere, besonders die Kleintiere (Micros, Minutien), nach ihrer Tötung definitiv bis zu ihrer Aufpräparierung in eine schwache Spirituslösung bringen, in welcher sie den schlaffen Zustand behalten. Die grosseren Tiere werden gesondert behandelt; behaarte, oder grell gefärbte bald aufpräpariert oder trocken in Rollen aufbewahrt.

Tötung mit schwefeliger Saure.

Ein Stück Schwefelfaden wird entweder einfach, oder doppelt, oder dreifach genommen, auf einem Ende mit Blumendraht zusammengezogen u. mittels einer Spannadel auf die US. des Flaschenkorkes befestigt, welcher die Sammelflasche abschliesst. Man wählt hierzu meist grössere Gläser, damit mehr Säure darin Raum findet u. die Tötungsfähigkeit der Flasche länger anhalt. Vor Verwendung des Totungsglases wird der Schwefelfaden angezündet u. der schliessende Kork aufgesetzt. Die schwefelige Säure, welche sich zuerst als trübes Gas in der Flasche zeigt, klart sich darin in geräumer Zeit.

Die Tötungsgläser für diese Methode sollen ein dünneres Glasrohr durch den Kork führen, damit man nicht diesen, sondern bloss den kleinen Pfropfen des Glasröhres beim Sammeln zu öffnen braucht. Die Flasche wird mit Holzwolle dicht gefüllt u. falls die Insekten nicht sterben wollen, nochmals der Schwefelfaden angezündet. Die Tiere müssen längere Zeit in der Flasche verbleiben, um ein Wiederaufleben zu vermeiden.

Wegen der baldigen Erschöpfung der Tötungswirkung, soll man nicht zu häufig eine Flasche öffnen; es empfiehlt sich bei grosserer Exkursion 2—3 solcher Giftflaschen abwechselnd zu verwenden.

Die Tötung mit schwefeliger Saure ist fur viele Insekten ein bequemes u. handliches Mittel, besonders für Fliegen u. Hymenopteren, die sich selbst in einer Schachtel abtöten las6en. Die Käfer sind hartere, empfindungslosere Gesellen für diese Totung; sie hat aber den Vorteil, dass die hellen, gelber oder roten Körperteile nicht, wie bei anderen Methoden, nachdunkeln, sonder hell verbleiben; ich möchte behaupten, dass sie heller werden u. dass die schwefelige Säure bleichend wirkt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die damit getöteten Insekten geschmeidig bleiben, keine Starrheit annehmen u. sich derart leicht u. schön präparieren lassen.

2. Der Klopschirm.

Blühende Sträucher, dürre Aeste, junge Koniferen, letztere besonders in Spätfrühjahre im Gebirge, werden über einen untergehaltenen Regenschirm oder besser einem hellen Schattenspender, mittels eines festen Stockes abgepocht. Sodann werden daraus die brauchbaren Tiere (man wendet sich so dass Sie im Schatten sind), aufgelesen u. ins Fangglas gegeben. Man kann zu diesem Zwecke einen Schirm über den starken Metalstützen mit einer helle Leinwand ausfuttern, damit sich die kleinen Tiere nicht hinter die Stahlstutzen verkriechen, allein es genügt schliesslich für diese einfache, von jedem Entomologen oft angewandte Methode jeder Schirm, der uns momentan zu Gebote steht. [34]

3. Der Kötscher.

Dieser gleicht einem groben, derben Schmetterlingsnetze,s hat einen feinen runden, zur Hälfte zerlegbaren Eisenring, an den ein langer Sack aus festem dichtem Baumwollzeug angenäht ist; an dem Ring wird ein kurzer Stiel angeschraubt. Mit diesem Kötscher mäht man gewissermassen die Gräser, Rohr u. Schilf ab, indem man damit mit festen Schlagen über die Gräser streift. Diese Prozedur ist am lohnendsten vor Sonnenuntergang; am wenigsten in der Mittagshitze. Ab u. zu werden die Tiere aus dem Schöpfer oder Kötscher herausgenommen, die brauchbaren in das Fangglas geschafft, die restliche weggeworfen.

Dieses Iustrument ist eines der wichtigste u. beliebtesten, weil man damit auf leichte Art eine Menge Insekten eintragen kann, welche auf niederen Pflanzen leben.

4. Das Wasserkäfernetz.

Hierzu kann der Kötscherring verwendet werden, auf den man einen sehr seichten Sack aus durchlassigem Stramin oder festem Tull aufzieht u. einen grösseren Stiel an den Eisenring anschraubt. Damit wird in Tümpeln, stehenden Gewässern, aber auch in kalten Quellen u. rasch fliessenden Wassergräben über die Gräser am Rande gestreift (gefischt) u. die erbeuteten Tiere eingetragen.

5. Das Insektensieb.

Mittels desselben werden die unter Laub u. Moos lebenden, also meist subterranen, kleinen Tiere herausgeschafft, welche man auf andere Weise nur sehr selten u. schwer erhalten könnte. Da gerade durch dieses Instrument die feinsten u. seltensten Insekten eingetragen werden können, werden die Fangmethoden mit diesem Instrumente in einem besonderen, erschöpfenden Artikel an weiterer Stelle gewürdigt werden.

6. Gesiebesäcke.

Diese dienen zur Aufnahme des "Gesiebes" ("Gesiebsel"), welches durch das Aussieben von Laub u.Moos erhalten wird u. das dann zu Hause priesenweise auf einem Bogen Papier durchsucht wird. Man soll stets mehrere solche Säcke, u. zwar je grosser desto besser, mitführen, damit man eventuell das Gesiebe von verschiedenen Lokalitäten gesondert halten kann. Mit Erfolg habe ich auch diese Säcke beim Klopfen in den Schirm oder beim Streife mit dem Kötscher verwendet; wenn die Zeit nicht durch das Aussuchen der Käfer im Freiem verloren gehen sollte. In diesem Falle werden die in den Schirm gefallenen Insekten möglichst rasch u. geschickt in den Sack geschüttet oder diese aus dem Kötscher in den Sack geklopft. Dann werden die Tiere im Sacke von den Seiten herabgeschüttelt u. der Sack leicht eingerollt o. derart verwahrt, damit die Tiere darin nicht gedrückt werden. Beim Nachfüllen hat man die Tiere im Sacke stets neuerdings herabzuschütteln. Zu Hause werden sie sodann beim offenen Fenster in alle Ruhe ausgesucht u. die brauchbaren Tiere in die bereitgehaltenen Flascben, nach Grössen sortiert, gegeben.

7. Einige Pinzetten.

Zum Herausnehmen von Käfern aus Aas, Mist oder aus Baumritzen wo man nicht anders dazu kommt, werden Pinzetten verwendet. Man benützt gewöhlich mehrere von verschiedenen Formen. Sehr gut ist es, mit eine sehr leicht federnden, schwachen Pinzette aus einer Uhrfeder, welche auch zarte Ptilien nicht zerdrückt, die Tiere aus dem Gesiebe aufzulesen. [35]

8. Stemmeisen.

Zur Entrindung von Baumstämmen hat man früher allgemein dieses Instrument benutzt; ich ziehe es vor, die Arbeit, welche diesem Instrumente zugedacht war, durch die

9. Exkursionshacke.

zu bewerkstelligen. Diese ist so eingerichtet dass man damit hacken, graben, u. Steine wenden kann. Die Hacke steht nach unten quer, ist von genügender Schärfe u. oben ist ein schwach gebogener, stemmeisenartiger Teil angebracht, der zum Steinenwenden dient. Mit dem entomologischen Beile werden Entrindungen viel wirksamer vorgenommen, als dies durch das Stemmeisen geschehen kann; man kann damit Disteln ausschlagen u. nach in der Erde lebenden Käfern (Lethrus, Geotrupiden, am Meerestranden nach Scarites, etc.) graben, nachdem die Hacke quer gestellt ist. Dieses Instrument ist bei grösseren Exkursionen u. im Gebirge ganz unentbehrlich *)Zu erhalten, sowie alle entomologischen Artikel u. Instrumente in vorzüglicher Qualität bei Winkler u. Wagner in Wien; XVIII. Dittesgasse 11..

Das Insektensieb,

dessen Bedeutung beim Fange von Insekten, insbesondere Coleopteren und dessen Anwendung *)Dritter Abdruck des Originalaufsatzes..

Das Insektensieb hat den Zweck, Insekten, Conchylien u. sonstige kleine, unter Laub u. Moos, im Baummulme, in alten Weintrestern, in Wurzelwerk, bei Ameisen u. unter vielen anderen Umständen lebende Geschöpfe dadurch in grösserer Anzahl zu erbeuten, dass man mittels dieses lnstrumentes alle groben Laub-, Moos-, Wurzelteile etc. entfernt, um aus den feinen durch. passierten Rückständen die durchgefallenen Insekten oder Mollusken, selbst zu späterer Zeit, in aller Bequemlichkeit herauslesen zu können.

[36]

Die Konstruktion eines solchen Siebes kann mannigfach sein. Mein erstes Sieb bestand aus einem rechteckigen, in meine Fig. 39 Exkursionstasche passende Drahtgitter, an dessen Längsseiten jederseits 3 Häkchen angebracht waren, an die ein Leinwandsack befestigt wurde, in welchen die durchgesiebten Partikelchen hineinfielen. Eine weitere, allgemein verbreitete Art des Siebes bestand in einem Sackchen, an dessen oberes Drittel ein passendes rundes Sieb eingelegt u. das auch durch Siebe von verschiedener Maschenweite ersetzt werden könnte. Indem man die obere Ränder des Siebesackes mit der linke Hand hielt, wurden mit der rechten Hand dei Laub- oder Moosteile in den Sack uber das Sie geworfen, sodann wurden mit der linken Han die oberen Sackränder geschlossen u. mit de rechten das Sieb in schüttelnde Beweguug ge bracht. - Das Sieb nach Kiesenwetters System war ähnlich konstruiert, nur befanden sich 2 - 3 Siebe in kleinen Zwischenräumen übereinander, u. zwar das weitmaschigste oben, das engst unten. Alle diese Siebe haben vielfache Nachteile. Sie wurden gewöhnlich so subtil gebaut dass man damit keine ernstliche Arbeit verrichten konnte: die Siebeflächen waren meist zu gering, die beweglichen Siebescheiben gestatteten bei unvorsichtiger Bewegung Durchlass den Blättern u. groben Erdteilen, endlich stand ihre Leistungsfähigkeit in keinem Verhaltnisse zu de beim Sieben aufgewendeten Zeit.

Am besten hat sich das Sieb von Kraat; Reitter u. Weise bewährt u. ist allgemein eingebürgert. Hat für den Stadtherrn, der mit Glacéhandschuhen seine Exkursionen anzutreten pflegt, der Umfang u. die Stärke des Siebes sein Missliches, so sind gerade diese beiden Eigenschaften dessen beste Seiten, weil dadurch sein Leistungsfähigkeit begrundet wird. Unser Sieb besteht aus einem zylindrischen Sacke aus weissem, dichten u. festen Wollstoffe, von 30 cm Durchmesser u. 80 cm Länge, der unten offen ist. Der obere Rand ist mit einem 6 mm starken Eisendrahtringe gefasst u. mit festem Handgriffe versehen; ein zweiter, ganz ähnlicher Ring der mit einem Messinggeflechte von 6 mm Maschenweite ausgefüllt ist, befindet sich 24 cm unter dem oberen, im Sacke festgenäht, u. zwar so, dass dessen Handgriff gegen den oberen nach rechts im rechten Winkel absteht. Beim Sieben wird der Handgriff des oberen Ringes stets in der linken Hand gehalten der rechte, untere, mit dem Siebe in Verbindung stehende ist für die rechte Hand bestimmt. Mit der rechten Hand geschieht die Einfüllung des Siebemateriales u. dessen Durchschüttelung. Die untere Sacköffnung wird vor der Sieben mit einer Schnur geschlossen. Die Länge des Sackes gestattet, dass das Gesiebe im Sacke während der Operation am Boden aufliegen kann, was die Kräfte des Manipulierenden schont. Wird die Füllung zu umfangreich oder hat man die Absicht, die Lokalität zu wechseln, so wird das Gesiebe durch die untere Oeffnung des Sackes in Reservesäckchen, die man bei grösseren Exkursionen stets in mehreren Stücken vorbereitet haben muss, uberfüllt. Dadurch ist es nicht nur möglich, Moos- von Laubgesiebe, Mulm, eingesiebten Pilzen etc. separat zu halten, sondern das Gesiebe auch nach Lokalitäten sondern zu können. Die Reservesäckchen können eine beliebige Form u. Grösse haben, sind jedoch, wie ich aus Erfahrung raten kann, nicht zu klein zu halten, besonders aber in gehöriger Breite von dichtem, weissem Wollstoffe (nicht Leinwand) anzufertigen. Leinwandsäckchen bewahrten sich nicht. Wenn das Gesiebe mehrere Tage lang stehen muss, bevor man zum Aussuchen desselben gelangt, so gelingt es vielen Coleopteren, namentlich Euplecten n. ähnlichen schmalen Arten, sich durch das Gefüge der Leinwand durchzuzwängen; es sind mir auf diese Weise oft auch grosse Aphodien entkommen. Beim Wollstoff können die Tierchen sich nicht diese kleine Oeffnung verschaffen; die vielfachen Wollfaden hindern das Entkommen auch der kleinsten Insekten. Meine Reservesäckchen messen im flachgelegten Zustande in der Lange 43 cm, in der Breite 33 cm. Diese Säckchen können, ausser zur Aufnahme dieses Gesiebes, vielfach mit grossem Vorteile beim Einsammeln von Insekten Dienste leisten. Ich werde darauf spater zurückkommen; hier will ich nur erwahnen, dass ich die von Bäumen, Gestruchern, dürren Zaunen etc. in den Schirm gepochten Tiere, wenn deren Zahl gross ist u. die Zeit bei Exkursionen gespart werden muss, in eines oder mehrere solcher Säckchen umschütte, um die Tiere aus demselben zu Hause mit aller Musse auszusuchen. Es ist selbstverständlich, dass man die Tiere vor einem wiederholten Einfüllen zu Boden schütteln u. dann das Säckchen derart falten muss, dass die Tiere nicht entkommen können, obne jedoch die Oeffnung desselben mit einer Schnur zu schliessen, weil die jedesmalige Lösung der letzteren einen betrachtlichen Zeitverlust im Gefolge haben würde.

Das Aussuchen des Gesiebes geschieht indem man dasselbe, am besten zu Hause, in ganz kleinen Partien, fein verteilt, auf einen grossen weissen Kartonbogen ausschüttet u . die Tierchen in bereitstehende Fläschchen mit Spiritus bringt. Es ist gut, sie gleich, wenigstens nach ihrer Grösse, zu sortieren. Tabakrauch beschleunigt die Bewegungen solcher Arten, die sich tot zu stellen pflegen, wie Acalles etc. Das durchsuchte Gesiebe, das man, besonders bei grösseren Exkursionen, nicht fortwerfen, sondern 2—3 weitere Tage aufbewahren soll, wird in ein grösseres Holzgefass ausgeschüttet u. die Oberfläche dieses Gefässes mit Reservesäckchen dicbt belegt. Von grossem Vorteil ist es, diese oben aufliegenden Säckchen zu befeuchten. Die übersehenen Tiere kommen an die Oberfläche, setzen sich an die Säckchen fest u. können von diesen, nach vorsichtigem Aufhebeu (was täglich 1—2mal geschehen kann) abgenommen werden. Gewisse Insekten kann man nur auf diese Weise in grosserer Anzahl sammeln, z B. Acalles, Cartodere, Enicmus, oder unter dem Laube lebende Raymondien, welch letztere selbst gegen Tabakrauch wenig empfindlich scheinen.

Der obere Ring unserer neuen Siebe hat auf der dem Griffe gegenüberliegendeu Seite eine konkave Einbiegung, welche dazu dient, das Sieb an stehende Baumstamme anlegen zu können, wenn man Wunde oder verpilzte Stellen der letzteren mit einem Stemmeisen oder besser mit einem Beile aushaut, damit die Späne, Splitter, Pilze etc. mit den dazwischen lebenden Insekten in das Sieb fallen Die Verwendung des Siebes ist eine vielfache u. je nach den Oertlichkeiten eine verschiedene. In den österreichischen Buchenwäldern ist in der Regel sehr viel Laub vorzufinden, so viel, dass die wahl wo man siében soll, oft schwer wird. Man wähle im Berg- oder Hügellande das Laub [38] der Taleinschnitte in Mulden, wo das Laub nicht jährlich vom Wasser fortgetragen werden kann, oder um stärkere Baumstamme, wo es einen sicheren Halt gefunden, oder in irgend einer Vertiefung einer ssnften Berglehne. Bei grossen Laublagern wird die oberste, ganz dürre Schichte entfernt, hingegen die feuchte mittlere u. die unterste in das Sieb getan. In Nord- u. Mitteleuropa befinden sich die Siebetiere in der Regel in den unteren Laubschichten; im Süden Europas, wo die Laubschichte oft nur sehr gering ist u. diese die unter ihr befindliche Humusschichte mit Not feucht halt, befinden sie sich unter dem Laube in den oberen Humuspartien. Beim Einsieben hat man auf diese Umstände Rücksicht zu nehmen. Bei der Wahl der Siebelokalität hat man als erste Bedingung auf genügende Feuchtigkeit zu sehen; man siebe eher zu feucht als zu trocken. Die trockenen Schichten enthalten selten reichlich Insekten, u. wenn solche darin vorkommen, so sind es gemeine Arten, die auf trockenen Plätzen leben können, wie Trechus quadristiatus, gewöhnliche Curculioniden etc. Sehr nasse Lokalitaten sind meist nicht sehr ergiebig, enthalten jedoch seltener Arten wie Bythinus, Laena, besondere Stenus-Arten etc.

Das Laub der Eichenwälder pflegt besondere Arten zu beherbergen, jedoch auch die unscheinbaren Nadeln der Coniferen bergen an gunstigen, feuchten Lokalitäten eine Menge ausgezeichneter Kleinkäfer. Die sonnig gelegenen Auen in der Nähe der Bäche u. Flüsse u. das Moos geschützter Waldwiesen sind im ersten Frühjahre ein vortreffliches Siebeterrain. Zu derselben Zeit kann man in gut situierten Hainen oder unter vereinzelten freistehenden Baumgruppen, oder unter niederen dichten Gebüschen, welche oftmals die Grenze zweier Felder markieren, oder unter dem Gebüsche an sonnig gelegenen Gartenmauern, oder iu den Garten selbst mit dem Siebe gute Ausbeute von solchen Arten machen, die man unter dem Laube des Waldes u. in Bergschluchten vermissen wird. Ebenso kann man im ersten Frühjahre die feuchtwarmen Strobabfülle bei Mistbeeten durchs Sieb schütteln; man wird daselbst gewöhnlich Staphyliniden, Euplecten, Acriten etc. vorfinden. Aus dem Laube, zwischen welchem sich Ameisen befinden wird man Myrmedonien. Homoeusen, u. wenn man Glück hat, auch Euryusen herausfinden. Man versäume nicht, die grossen Nester der Formica rufa u. anderer Ameinenarten im ersten Frühjahre aufzusuchen u. einzelne Purtien aus der Mitte ihres Baues hervorzuholen u. durch einige rasche Handgriffe ins Sieb zu schaffen. Ich habe für diese Operation stets ein Sieb verwendet, das nur eine geringe Maschenweite besass; dabei habe ich die Vorsicht beobachtet, zwischen den schüttelnden Bewegungen einige Pausen der Ruhe eintreten zu lassen, welche den beunruhigtem flüchtenden Myrmecophilen gestatteten, durch die Oeffnungen des Siebes in den Siebesack zu entkommen. Man hat sich bei dieser Operation die Aermel u. Hosenenden mit einer Schnur festzubinden, um die Belästigung der Ameisen zu vermeiden. Ich glaube nicht, nötig zu haben, die zahlreichen Coleopterenarten anführen zu sollen, welche man auf diese Weise in Menge mit dem Gesiebe heimbringt. Die Bemerkuug dürfte vielleicht nicht überflüssig sein, beim Aussuchen desselben, welcher Vorgang selbstverständlich der zahlreichen Ameisen wegen, entweder in einem Gartenhause oder im Freien geschieht, darauf zu achten, dass man die winzigen, gewöhnlich zahlreich auftretenden Ptilien nicht übersieht.

Ueberschwemmungen im Frühjahre, namentlich aber, wenn solche zu vorgeschrittenerer Jahreszeit stattfinden, liefern, wie jeder Entomologe weiss, eine zahllose Menge, zum Teile ausgezeichneter Insekten, besonders Coleopteren u. wenn man nicht vorzieht, das Gemülle an den Flussufern in grosse Sacke zu schaffen, die direkt nach Hause getragen werden, so wird man durch den Umfang u. die Starke des Siebes in der Lage sein, sämtliche Reservesäckchen, die man mit sich führt, mit durchgesiebtem, gutem Gemülle bald anzufüllen.[39]Wie ich schon früher angedeutet habe, empfiehlt es sich, mehrerr Siebe zu besitzeu, deren Maschenweiten verschiedene sind. Dadurch wird es möglich, zu Hause das eingesiebte Flussgemülle durch ein dichteres Sieb durchpassieren zu lassen, wodurch die zeitraubende Arbeit des Aussuchens wesentlich verringert wird. Die groben Rückstände werden in flüchtiger Weise nach grosseren Käfern durchgesucht, bevor sie fortgeworfen werden,

Bei der Hantierung mit mehreren Sieben hat man in sehr feuchten Lokalitäten Siebe mit grosser Maschenweite zu wählen. Man wird selbst in diesem Falle verhältnimässig nur geringe, aber desto wertvollere Siebepartikelenen in den Siebesnck bekommen. Das Gesiebe aus sehr feuchten Lokalitäten muss häufig in Reservesackchen überschüttet werden, weil es sich sonst zu kleinen Kugeln zusammenballt, welche oft die zarteren Insekten in sich einschliessen. Solches sehr feucht eingerafftes Gesiebe vermeide man auch sogleich durchzusuchen. Man lasse es vielmehr 1 — 2 Tage lang an einem passendem Orte trocken u. drücke sodann vor dem Aussuchen die zusamutengeballten Teile auseinander. In den Karpathen, dem feuchtesten Gebirge Europas, muss mann diese Vorsicht beim sieben stets gebrauchen, zumal auch hier sich die besten Arten auf die feuchtesten Stellen zurückziehen u, mit dem triefenden Laube ins Sieb gebracht werdeu müssen.

Bei grösseren Sammelreisen wird man Siebe von verschiedener Maschenweite gar nicht entbehren können. Namentlich im Süden Europas werden die Umstände, unter welchen man das Sieb zum insammlen von Coleopteren gebrauchen kann, so mannigfach, dass es sich empfiehlt, verschiedene Siebe in Vobereitung zu besitzen. Baummulm, dürre Rasestücke, Humusteile etc. wird man stets in ein dichtes Sieb gelangen lassen, um Zeit u. Mühe zu sparen. Ein anderer Vorteil mehrerer Siebe ist auch der, dass man Führer, Träger oder sonstige Personen zum einsieben mit verwenden kann, insoweit es die vorhandenen Siebe gesatten.

Das erste Frühjahr ist sowohl bei uns, wie im Süden Europas für die Verwendung des Siebes die ergiebigste Sammelzeit. Es gibt zwar Fälle, wo der Sommeranfang lohnender sich gestalten könnte, Wie Z.B. in den sogenannten Trichtern des Capellagebirges in Kroatien. Die Capella weist keine Wasserläufe oder Bäche auf, auch bildet sie wenige oder nur geringere Talbildungen u. Berginschnitte; ihre Böschungen sind aber von zahlreichen tiefen, Mulden- oder Trichterförmigen Höhlungen besetzt, welche letztere wieder, wie der Gebirgszug überhaupt mit gemischtem Walde bestockt u. mit Pflanzen üppig bewachsen sind. Diese Höhlungen werden im Winter mehr als die übrige Fläche mit Schnee gefüllt u.bilden für die Niederschläge ein natürliches Reservoir, wodurch ihr bedeutender Feuchtigkeitsgehalt im Sommer zu erklären ist. Aus diesem Grunde bilden diese Trichter ein ungemein ergiebiges Sammelterrain für das Sieb zum Ende des Frühjahres u. i Beginne des Sommers. Wer sich für die Fauna dieses eigentümlichen Bodenterrains, welches ich zweimal besucht habe, interessiert, wolle meinen diesbezügliche Artikel in den Verhandlungen der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, 1879, pag. 35 nachlesen.

lm vorgescnrittenen Frühhjahre wird das Aussieben von Laub in den Auen, in Garten, unter schattigen Gebüschen längs den Gartenmauern u. an ähnlichen Lokalitäten wegen den abnehmenden Feuchtigkeit unergiebig. Der rationale Sammler muss zu dieser Zeit stets, den Feuchtigkeitsgrade des Laubes folgend, schattige Waldschluchten aufsuchen, wo man, wie z B. in Kroatien, das in den kleinen Wasserläufen angestaute Laub mit ausgezeichnetem Erfolge durch das Sieb passieren lassen kann.

Zu Beginn des Sommers beachte man die Komposthaufen, welohe in grösseren Garten angelegt werden. Diese bestehen aus ausgejäteten Pflanzen,[40]die auf einem Haufen der Fäulnis überliefert u. mit einer dünnen Erdschichte überlegt werden. Diesen Komposthaufen kommen jene Unkrauthaufen gleich, welche namentlich im Süden Europas an den Randern der Weingarten sich vorfinden u. welche eine grosse Menge von Kafern enthalten, die allerdings meist gewöhnlichen Arten, wie z B. aus den Gattungen Oxytelus, Eumicrus, Trichopterix, Cercyon, Hister u.s.w. angehören. In Dalmatien, auf den dalmatinische Inseln, in Griechenland u.s.w. pflegt man den frischen Stallmist auf besondere Plätzen oder an den Rändern der Weinfelder aufzustapeln. Diese Düngerhaufen enthalten merkwürdiger Weise ausser Rhyssemus, Plagiogonus u. Oxyomus wenig Aphodien; dagegen sind Staphyliniden u. besonders zahlreiche Histeriden u. Cercyonen in grosser Anzahl vorhanden. An diesen Lokalitäten habe ich Dendrophilus punctatus u. Coelostoma dalmatinum stets in grösserer Anzahl angetroffen.

Zu Beginn des Sommers u. im Sommer beachte man gauz besonders die alten Baumstocke, die gefällten Bäume oder andere verfaulte oder faulende Holzüberreste. An frischen Baumstöcken, namentlich der Buchen oder Eichen wird man, wenn aus ihnen noch Saft ausgeschwitzt wird, zahlreiche Clavicornen vorfinden. Bevor man von diesen Stöcken die Rinde löst, untersuche man das Moos, welches oft dieselben dicht umgibt, indem man das Sieb an dem untersten Teile des Stockes anhält u. die oberen Teile über dem Siebe mit einem Beil vom Moose entblösst. Aus dem, vom Baumsafte durchsickerten Moose kan man Sphaerites glabratus, Tachinus proximus, Quedien u. zahlreiche andere Arten ins Sieb bekommen. Bei der Ablosung von faulender Baumrinde hat man stets das Sieb mit zu benützen, u. zwar in der Weise, dass die Rindenstücke durch heftige Schläge über dem Siebe abgeklopft werden u. ausserdem ist die von der Rinde entblösste Stelle des Stockes oder Baumstammes derart zu behandeln, dass der Baummulm in vorsichtiger Weise mit in das Sieb gelangt. Die Erfolge dieser Sammelmethode sind gewöhnlich ganz überraschende. Es wäre vergebens, die Arten aufzuzählen, welche auf diese Art in das Sieb gelangen. Auf solche Weise habe ich in Czap, in Nordungarn, eine unglaubliche Menge guter Coleopteren eingesammelt, darunter Ptinella biimpressa u. sp. in Anzahl, Euplectus filum u. Spino1ae in grosser Menge, die mir allerdings aus deu Leinwandsäckchen, in welche ich das Gesiebe geschafft hatte, im Laufe der nachste 3 Tage zum grossen Teile wieder entkamen.

Faulende Holzstämme sollen in vorsichtiger Weise untersucht werden. Enthalten sie einzelne Coleoptereu, so wird man gewiss deren in grösserer Anzahl auffinden, wenn man die Holzteilchen über dem dichten Siebe zerbröckelt u. tüchtig durchschüttelt. Solche Stämme, auch wenn sie noch nicht vollend abgestorben sind, pflegen zahlreiche Schwämme zu tragen, welche partienweis ins Sieb geschafft u. über demselben zerkleinert, eine reiche u. willkommeu Ausbeute liefern werden. Auf diese Weise wird in Ungarn u. Siebenburgen ausser zahlreichen Cioiden der seltene Derodontus u. die geschätzte Mycetoma gesammelt. Wenn mun Ursache hat, mit der Sammelzeit zu sparen, so lege man die Pilze u. Schwämmchen in Reservesäckchen ein (die ein rationelle 8ammler unter allen Umständen in einigen Stücken bei sich tragen wird) u. zerkleinere sie über dem Siebe in freier Zeit erst zu Hause.

Grosse, harte Baumschwämme, die sich in alten, niederschlagreichen oder feuchten Wädern in grosser Anzahl vorfinden, enthalten auf ihre US. zu günstiger Zeit Pteryngium crenatum, Atomaria alpina, Enicmus brevicollis, Tritomen, Sacien, Corticarien u. andere seltenere Coleopteren. Dies Tiere eind leicht mittels einen heftigen Schlages in das untergehaltene Sieb zu bringen. Die Baumschwämme kann man in Reservesäcken nach Hause nehmen u. daselbst mit Musse nach ihrem Inhalte, der meist aus Bolitophagus, Diaperis, [41] Orchesia, Dorcatoma etc. basteht, durchsuchen. An verpilzten Baumstämmen befinden sich oftmals Agathidien, die man bei richtiger Anwendnng des Siebes in grossen Mengen erbeuten kann. An der verpilzten Stirnfläche eines faulenden Baumstammes bei Raho in Nordungarn sah ich einige Agathtidium discoideum sitzen. Ich schlug mit einem kleinen Handbeile eine mehrere Zoll tiefe Schichte des faulenden Holzes in das untergehaltene Sieb ein u. fand beim Aussuchen dieses Gesiebes mindestens 5 Agathidium-Arten in grosser Anzahl vor, darunter die schonen A. discodeum u. plagiatum in einigen hundert Exemplaren. Das Aushauen von Wunden oder faulenden Stellen stehender Baume, namentlich der Eichen, besonders wenn aus solchen der Baumsaft quillt, ist stets lohnend auszuführen u. soll niemals übersehen werden. Pleganophorus bispinosus lebt in anbrüchigen Eichen, welche von Lasius brunneus bewohnt werden. Der Entdecker dieses merkwürdigen Tieres sammelte es um Hermannstadt im ersten Frühjahre, indem er die am Füsse der Stamme befindlichen Moospolster abhob, zwischen welchen die Ameisen ihre Gänge gebaut hatten u. falls sich Pleganophorus nicht vorfand, oder nach Aufnahme desselben, die Moospolster wieder an die Stamme drückte.

Meine Absicht, das Tier an denselben Eichenstammen im Juni 1876 auf gleicbe Weise zu finden, misslung, weil die Zeit bereits eine zu vorgeschrittene war; selbst das Durchsieben des trockenen Baummooses, das von Ptinus pilosus zahlreich belebt war, lieferte nicht das gewünschte Resultat. Erst das kraftige Losschlagen der knorrigen alten, teilweise losen Rindenteile, welche Operation natürlich über dem Siebe geschah, brachte mich in den Besitz eines weiblichen Pleganophorus, welcher der letzte war, der an dieser Lokalität überhaupt gefangen wurde. Auf ganz ähnliche Weise ist es mir gelungen, bei Triest Mitte April 1880 von alten Eichen die neue Triplax tergestana in einigen Stücken ins Sieb zu schlagen, die ich sonst nicht entdeckt haben würde. Durch das Angeführte soll nachgewiesen werden, dass es für den rationellen Sammler unlohnend ist, an Bäumen, liegenden Stämmen oder an Baumstöcken ohne Sieb mit dem Stemmeisen herum zu krabbeln, u. die sich zeigenden Tiere zugleich in die Fangflaschen zu bringen. In dieser Weise wird nur ein sehr k1einer Bruchteil dessen dem Sammler zur Beute, was er bei geringerem Zeitaufwand mit Benützung des Siebes hätte erlangen können.

Holzspäne, die oftmals in Wäldern in alten Holzschlägen oder an solchen Plätzen faulen, auf denen einmal Schindeln erzeugt wurden, soll man stets der Beachtung wert finden u. über dem Siebe durch heftige Schläge von ihren Erdteilen entblössen. In diesem Gesiebe wird man oft Anommatus, Trichophya, Homalota etc. in Anzahl vorfinden. Selbst der Mist, welcher sich unter solchen Bäumen oftmals an Waldesrändern vorfindet, worauf die Haushühner sich über Nacht aufzubäumen pflegen, liefert durch das Einsieben gute Aleochara, Microglossa u. andere Staphyliniden-Arten.

Hat man unter Steinen solche Ameisennester entdeckt, in denen sich Claviger, Hetaerius oder Catapomorphus befinden, so vermeide man es, nach den einzelnen Myrmecophilen zu haschen. Hat man das Sieb bei sich u. der Siebesack ist leer, so scharre man möglichst rasch, bevor sich die Tiere in ihren tieferen Gänge flüchten konnen, das ganze Nest ins Sieb. Kann man im Momente das Sieb hierzu nicht benützen, so genügt auch ein Reservesäckchen, aus dem man zu Hause durchs dichte Sieb die gröberen Erdteile, Steinchen o. Wurzelwerk entfernen kann. In ähnlicher Weise hat man zu verfahren, wenn man die Dermestes, Saprinus, Catops, Corynetes etc. aus Aesern hervorholen will. Wie unangenehm u. lästig ist es, mit der Pinzette die einzelnen Tiere aus der Kadavern herauszuholen u. wie wenig wird die dabei in keineswegs angenehmer Weise verbrachte Zeit belohnt. Man suche das Aas rasch auf das weit- [42] maschige Sieb zu legen u. scharre möglichst schnell die Erde, worauf es vorher lag mit den zahllosen Insekten, die sich in sie flüchten, mit einem anderen Beile oder einem anderen Instrumente, das man eben bei der Hand hat, entweder in ein zweites Sieb oder in ein Reservesäckchen. Der Kadaver wird einige Male über dem Siebe gewendet u. falls daran keine eigentlichen, mit Maden besetzten Fleischteile mehr vorhanden sind, auch über dem Siebe ausgepocht. Diese Operation erfordert wenige Minuten u. man wird den grössten Teil der dem Kadaver vorhandenen Insekten nach Hause tragen u. sortieren können. Auch das Entleeren der in der Erde aufgerichteten Fanggläser oder Fangbecher mit Fleischköder etc. soll über dem Siebe geschehen. Die darin befindlichen grösseren Käfer, wie Carabus, Silpha, Geotrupes, bleiben über dem Drahtgeflechte des Siebeinstrumentes zur Herausnabme geborgen; alle kleineren Tiere werden durch die Maschen in den Siebesack flüchten. Die ganze Operation erfordert wenige Sekunden u. geschieht in gründlichster Weise. Dabei entgeht man der Gefahr, sich eine Blutvergiftung zuzuziehen. Es pflegt nämlich in die Fanggefässe oft Regenwasser zu gelangen, welches das faulende Fleisch auslaugt. Hebt man in unbesonnener Eile, wie es beim Sammeln oft vorkommt, mit von Dornen zerkratzten u. aufgeschundenen Handen die in die Flüssigkeit des Bechers zappelnden Caraben etc. heraus, so kann man sehr leicht in ernste Lebensgefahr geraten.

Durch vorstehende Winke ist aber die Anwendung des Siebes noch lange nicht erschöpft. Man findet dafür an Orten eine praktische Verwendung wo es scheinbar nichts einzusieben gibt. Ein solcher Fall tritt an den Schneefeldern hoher Berge ein. Am hohen Pietrocza, an der Grenze Nord-Siebenbürgens, befinden sich in der Nähe der Schneefelder grosse Flächen, welche sich von der Ebene als Grasflächen ausnehmen, in der Tat aber aus vereinzelten Grasbüscheln bestehen, deren Wurzeln eine 10 cm hohe, zähe fast undurchdringliche, dicht geschlossene Masse bilden, aus der ein Insekt selbst mit dem Siebe schwer zu erlangen ist, weil diese zähe Wurzelmasse auch dem grossen Handbeile Widerstand leistet. Trotzdem gelang es mir in diesem Wurzelwerke das Zugegensein des Niphetodes Redtenbacheri zu konstatieren. Besser bewährte sich das Sieb auf dem hohen Negoi, in den transsylvanischen Alpen, wo ich Graswurzeln übers Sieb einzupfte, zwischen denen sich mehrere kostbare, zum Teile neue Coleopteren in reichlicher Anzahl vorfanden. Weit vorteilhafter ist es aber, an Schneerändern hoher Berge Teile der vom Schneewasser durchtränkten Rasenstcke auszustechen, in Säcke verladen u. entweder durch Menschen- oder Tierkräfte ins Standquartier schaffen zu lassen. Die Rasenstücke werdeu sodann zerkleinert u. soweit trocknen gelassen, damit man zu ihrem Durchsieben oder aber direkt zur Zerbröckelung auf dem Arbeitstische schreiten kann. Ich kam nur zweimal in die Lage diese Sammelmetbode anzuwenden; das erste Mahl auf der Czerna-Hora der Karpathen, das andere Mal auf Veles-Planina bei Mostar. In beiden Fällen war das Resultat ausserordentlich ergiebig, obgleich die Rasen auf der Czerna-Hora bei Regenwetter ausgestochen wurden. In diesen Rasenstücken befanden sich: Trechus Dejeani, Leptusa piccata, Homalota infirma weise n. sp., carpathica, Niphetos Redtenbacheri, Scleropterus Reitteri Weise n. Sp. In den Graspolstern der Veles-Planina in der Herzegowina fanden sich vor: Molops simplex, Pareyssi, Leptusa difficilis Epph. n. sp. Ocyusa nigrata, Arpedium macrocephalum zahlreich, Stomodes convexicollis Mill. n. ep. häufig u, in Menge, Scymnus suturalis etc.

An dieser 8telle mag in Erinnerung gebracht werden, dass mein lieber Freund L. Ganglbauer in Nord Siebenbürgen, im Rodnagebirge obige Sammeleothode mit grossem Erfolge durch eine einfachere ersetzte.

[43]Derselbe hat die vorragenden Grasbüschel auf der Kammhöhe des Gebirges mit grossem Messer dicht in oder über der Wurzel abgeschnitten, die Grasteile über ein ausgebreitetes Leintuch zerzupft u. das Produkt dieser Arbeit durch ein Sieb passieren lassen. Es sind dadurch nicht nur höchst. seltene Tiere, die offenbar in den Graswurzeln leben, zu Tage geschafft worden sondern die grösste Zahl an neuen Arten gewonnen worden, welche die damalige Rodna-Reise meinem Freunde lieferte.

Ein ganz unentbehrliches Sammelinstrument ist das Sieb auf sumpfigem Terrain. 2 — 3 Exkursionen an die Sumpfe der Narenta genügten, um viele Tausende von geschätzten Kleinkäfern heimtragen zu können. Auch an diesen Lokalitäten muss man nach einem gewisseu System vorgehen. Vorerst siebt man das Gemülle u. das Laub, oft das vorhandene Stroh, oder das aufgestapelte, fauleude Rohrwerk ein u. man wird meist uber die Massen Käfer staunen, welche diese vegetabilischeh Ueberreste beherhergen. Die Bryazis, Euconnus, Pelochares u. andere Arten sind oft in unglaublichen Mengen vorhanden; die Tychus u. die Boeocera finden sich zwischen den faulenden Rohrüberresten. Die zahllosen Bembidien, Staphyliniden u. Anthiciden, die beim Aussuchen des Gesiebes in hastiger Geschwindigkeit davon eilen, können uns schier die Arbeit verleiden. Die schlammigen Sumpfränder sollen nach den grossen Compsochilus Arten mit den Handen geknetet werden; diese Tiere kommen auf andere Weise schwer zum Vorschein. Die kleinen Compsochilus finden sich im Geniete der Sumpfränder oder am Schlamme zwischen den dichten Sumpfgräsern. So fand ich den Comps. Rosti auf Zante; ich entfernte die obere Schlammschichte u. legte sie ins Sieb; ein grosser Teil der Kafer flüchtete in den Siebesack, währeud sich andere Stücke in den Schlamm tiefer einzugraben suchten. Grosse Grasbüschel, welche oftmals inselformig aus den Sümpfen vorragen, müssen systematisch ausgebeutet werden, da sie ein Heer von Insekten zwischen ihren Blättern u. Wurzeln beherbergen. Solche Grasbüschel werden samt den Wurzeln ausgegraben u. von der Erde über dem dichten Siebe eutblösst. Sodann siebt man so viel von der vorhandenen fetten Humuserde ein, als sie in Menge Käfer aufweist. Anstatt dieser Grasbüschel des Narentatales fand ich an den Sümpfen der jonischen Inseln grosse Distelbüsche, unter deren Schutz die ganze Sumpffauna Zuflucht gefunden hatte. Um zu den Siebetieren zu gelangen, musste erst der Distelbusch mit einem Beile entblättert werden; sodann wurden die alten faulenden Blattüberreste, meistens unter arger Belastigung der Hände, samt der oberen Erdschichte ins Sieb geschafft. Von der Arten- u. Individuenzahl, welche auf diese Weise in das Sieb gelangt, kann sich der Nordländer kaum einen Begriff machen, da in unseren Ländern eine ähnliche allgemeiue u. permanente Massenzufluchtsstätte von Coleopteren nicht vorzukommen scheint. *)Man vergleiche meine Resultate einer koleopterologischen Sammelkampagne während der Monate Februar bis Aprll 1883 auf den jonischen Inseln. Deutsch. Ent. Zeitschr. 1884, pag. 101.]

Auch das Ausziehen einzelner Pflanzen aus Sumpfboden u. Ausschütteln über dem Siebe ist an den geeigneten Lokalitäten, besonders im Süden zu empfehlen.

Tanygnathus terminalis fand sich bei Paskau an sumpfigen Teichrändern im Schlamm u. Moose kleiner Randquellen; Schlamm u. Moos wurde in das Sieb gebracht; das letztere darüber zerzupft u. den darin befindlichen Tieren Zeit gelassen, aus dem Schlamm durch die Maschen des Siebes in den Sack zn flüchten. Bei dieser Fangmethode haben wir mit Vorteil die Schlamm- u. Moosteile in Reservesäcke geschafft, u. erst in einigen Tagen, im Hauee durchgesucht. Bei dieser Gelegenheit erwies sich die Cistela auricoma als Begleiter des Tanygnathus in der Sumpffauna.[44]

Ein sehr ergiebiges Sieberesultat lieferten auf don jonischen Inseln die überall zahlreich vorhandenen, faulenden oder verfaulten u. bereits ausgedörrten Opuntia-Blatter. In dem Safte der faulenden Blätter lebt in grosser Menge das Agathidium opuntiae; in den trockenen: Euthia formicetorum, Atomerien, Monotomen, Stenosis-Arten, Dapsa opuntiae (selten) u. andere. Die Blätter werden der Länge nach geteilt, damit das Innere blossgelegt erscheint u. sodann durch heftige Schläge über dem Siebe ausgebeutet.

Bei Grottenexkursionen vergesse man ebenfalls nicht das Sieb mitzunehmen. Kann man auch nicht der im schlammigen Kote unter Steinen lebenden Sphodrus u. Anophthalmus mit demselben habbaft werden, so lassen, sich aber die leicht übersehbaren Bathyscien, welche auf fettem Humus unter Steinen sich aufzuhalten pflegen, um so leichter in raschester Weise in das Sieb einraffen. Es genügt oft für diesen Zweck statt dem Siebe ein Reservesäckchen zu verwenden.

Cryptophagus, Atomaria, Corticaria- u. verschiedene Staphylinenarten findet man im Sommer in grosser Menge, wenn man das schimmelnde Bansenstroh der leerstehenden Scheunen aussiebt. Ein einziger Siebeversuch zu günstiger Zeit an passender, feuchter Lokalität kann grosse Mengen dieser Tierchen zutage fördern. Besonders hält sich an solchen Orten Cryptophagus Milleri auf, den ich bei meinem ersten Siebeversuche vor 35 Jähren in Mähren entdeckte u. dabei von dieser Art allein an ca. 500 Exemplare erbeutete.

Wie ich schon früher sagte, ist die Gute der Sammellokalität von dem Feuchtigkeitsgrade abhängig, welchen sie besitzt. Eine u. dieselbe Gegend kann demnach aus diesen Gründen in den verschiedenen Jahren verschieden ergiebig sein. Obgleich man das Sieb das ganze Jahr über mit Vorteil vielfaltig verwenden kann, so ist das eigentliche u. ergiebigste Aussieben von feuchtem Laube häuptsächlich auf das Frühjahr beschränkt, im Sommer ist es ganz unergiebig, im Spätherbste wieder lohnender. Nur das karpathische Waldgebirge in Nordungarn u. dem nordlichen Teile von Ost-Siebenburgen (vielleicht auch das Glatzer u. Riesengebirge), bietet auch im Hochsommer dem Siebenden reichliche Ausbeute, was sich aus dem grossen Feuchtigkeitsgehalte dieses ganz bewaldeten Gebirgszuges erklären lässt. Bei meinem ersten Besuche der Capella in Kroatien ergab sicb im Mai in ihren Trichtern durch du Sieb eine sehr reiche Fauna; zwei Jahre später fand ich an denselben Lokalitäten im Juni alles ausgestorben.

Nicht immer entspricht eine scheinbar gute Lokalität den Erwartungen, welche man in sie setzt. So boten die schönen Eichenauen auf der Insel Veglia, trotzdem sie viel faulendes Laub in den erwünschtesten Lagen bargen, oder die blühenden, jungen Wälder der Insel Lesina, kaum ein nennenswertes Insekt, während die unscheinbare Erde unter einzelnen daselbst im freien Felde stehenden Carduus-Büschen Tychus rufus, Anthiciden etc. dem Siebe lieferte.

Im Süden Europas, sowie in den subtropischen Gsgenden ist es nicbt immer so leicht, die Lokalitäten zu finden, wo man mit Erfolg sieben kann. Hat man das Sieb in unseren waldreichen Ländern als Sammelinstrument schätzen gelernt u. unternimmt zum ersten Male eine Reise nach dem Süden, so wird man meist von dem ersten Erfolge enttäuscht sein. Man muss in diesem Falle mit Geduld die verschiedenen Umstände ausnützen, die sich nacheinander darbieten. Man fragt vor allem nach Wäldern, wo man sieben konnte, u. sieht sie oft von der Ferne einladend uns entgegenwinken; ist man aber bei ihnen angelangt, so finden wir meist lichte Pinienwälder auf verdorrtem Boden, welche kaum Schutz gegen die heisse Sonne gewähren. An solchen Lokalitäten muss man den einzelnen eingesprengten Laubbüschen, die gewöhnlich aus Lor- [45]] beer-, Karoben- u. Rosensträuchern bestehen u. deren Zutritt fast immer stachelige Schlingpflanzen verwehren, nachgehen. Ein kleines Handbeil, mit dem man sich den Zutritt hierzu erzwingen kann, leistet dabei unschätzbare Dienste. Auf dem schattigen Grunde im Innern dieser Büsche wird man fast immer auf mehr oder minder hoher u. feuchter Humuslage das gesuchte Laub zum Einsieben vorfinden, welches besonders an Pselaphiden, kleinen Rüsslern etc. reich zu sein pflegt. Dichte Dornenhecken an altem Gemäuer oder an Gartenzaunen u, an Felderrainen sind im Süden ähnliche Sammelstellen. Auch einzelne Büsche an schattigen Felswanden konnen mit Erfolg aufgesucht werden. In Süden muss man meist auf eigentliche Wälder in unserem Sinne verzichten, es ersetzen sie daselbst die haufig ausgedehnten Flächen mit niederem, oft aber dichtem, schattigen Buschwerk, das meist aus immergrünen Sträuchern besteht Im Winter ist das Einsieben des abgefallenen Laubes der Oelbaumplantagen manchmal lohnend, in vorgerückterer Jahreszeit gar nicht. Bessere Siebestelle bietet der Süden meist auf grosseren Bergplateaus u. Bergeshängen, die oftmals unseren Sammelstellen sehr ähnlich werden.

Von grosser Wichtigkeit ist es, bei grosseren Exkursionen die Zeit gut u. angenehm auszunützen, um bei eintretendem, langerem Regenwetter nich zur Untätigkeit gezwungen zu sein. Das geschieht einfach dadurch, dass man gleich eine grössere Anzahl vou Reservesäckchen mit Gesiebe einzufüllen u. sich einen Gesiebevorrat zu erhalten sucht, der nach u. nach ergänzt wird. Es ist selbstverständlich, dass man stets das zuerst eingetragene Gesiebe zuerst aussucht u. so vorgeht, dass keines über 8—10 Tage undurchsucht bleibt. Ist das Wetter günstig, so suche man die Austrocknung des Gesiebes durch Anfeuchten zu verzögern, bei schlechtem Wetter hingegen durch Verteilung in grössere Reservesäcke oder auf andere Weise, durch Warme etc. zu beschleunigen

Apparat zum Auslesen der im Gesiebe enthaltenen Käfer (und anderer Insekten).

(Photolektor.)

Herr Ormay in Hermannstadt war der erste, welcher einen Apparat konstruierte, welcher die in dem "Gesiebe" enthaltenen Insekten auszuscheiden hat. Er nannte ihn Insektenklavier, da er ungefähr die Form eines Klaviers hatte. Er besteht aus einem lang dreieckigen, nicht hohen Kästchen, das vorne eine kleine verglaste Oeffnung hat, wodurch das Licht in denselben gelängt; davor befindet sich eine trichterförmige Oeffnung nach abwärts, worunter ein mit Spiritus gefülltes Glas hängt, in das die dem Lichte u. der Freiheit zustrebenden Tiere hereinfallen. Der obere Teil (Deckel) ist abnehmbar; durch ihn wird das "Gesiebe" in das Insektenklavier hereingeschüttet.

Ich selbst habe dieses nunmehr mehrfach vervollkommte u. verbesserte Instrument, welches bei Herrn Winkler u. Wagner in Wien gekauft werden kann, niemals verwendet, weil ich die Zeit nicht scheute, die Insekten aus den Gesiebe uber weissen Karton priesenweise auszusuchen. Mir hat gerade diese Arbeit stets viel Vergnügen bereitet, welches ich mir durch einen Apparat von dessen Verlässlichkeit ich nicht überzeugt war u. es heute noch nicht bin, nicht entgehen lassen wollte. Einzelne meiner Kollegen sind mit demselben sehr zufrieden.

Behandlung der eingesammelten Käfer.

Die frisch getöteten Käfer werden innerhalb weniger Tage, so lange sie noch ziemlich weich u. gelenkig sind, aufpräpariert, falls man dazu genügende Zeit findet. Ist dies nicht der Fall, so werden sie entweder in Spiritus bis [46] zu ihrer Aufpräparation gelassen, oder aber, wenn sie trocken behandelt wurden u. in Spiritus nicht gelegt werden sollon, so verbleiben sie bis dahin in den Papierrollen.

Die Papierrollen macht man nach der Grösse der Tiere, die sie fassen sollen; stärkere Rollen worden auch gleichzeitig länger gemacht. Um solch Rollen herzusteIton, wird ein langer Streifen festen, steifen Papieres über eine ronden Stabe (weleher der gewünschten Starke der Rolle entspricht) so lang aufgewickelt, bis das Papier eine beliebig starke Lage erhalt; es soll die Wandung der Rolle sich nicht leicht eindrücken lassen. Die Enden werde beiderseits mit Watte geschlossen. Die Tiere befinden sich in der Mitte dicht gelagert, damit sie sich nicht schütteln können. Die Füllung der Tiere muss auf einmal stattfinden, so lange sie noch biegsam sind; eine Nachfüllung in späterer Zeit wurde den erst gelagerten Tieren, wegen ter inzwischen eingetretenen Austrocknung Schaden verursachen.

In solche Papierrollen kaun man auch sortierte u. bestimmte Duplikate (Dubletteu = überzählige Exemplare einer in der Kollektion genügend vertretenen Art) einlegen u. für späteren Tauschbedarf aufbewahren. Auf solche Rollen wird der Name des eingeschlossenen lnsektes, Fundort mit Jahr u. Monat angeschrieben. Bevor man die gesammelten Käfer aufpräpariert oder sortiert in Rollen zur weiteren Lagerung gibt, sollen sie, um sie vor Raubinsekten zu schützen, eine kurze Zeit nach Grössen sortiert in eine Lösung von arseniksauren Salzen gelegt werdeu. Solche Arten, deren Bestäubung oder Behaarung es nicbt rätlich erscheinen lässt, in eine Flüssigkeit gegeben zu werde, sind mittels eines Pinsels auf ihrer US. mit der giftigen Flüssigkeit zu bestreichen.

Jedenfalls soll man die kleine Mühe nicht scheuen, seine Sammlungsobjekte zu vergiften; es ist dergestalt die einzige Möglichkeit, sich vor den zahlreichen Musealzerstörern zu schützen. Auch Tiere, die man im Tausche erhalt, sollte man, bevor sie der Sammlung einverleibt werden, der Vergiftung unterziehen. Grössere Arten sollen einige Stunden in der Arseniklösung liegen bei kleineren Objekten genugt ½ Stunde, oder bei ganz winzigen Arten wenige Minuten.

Waren die Käfer schon trocken, so können sie in der Lösung gleich aufgeweicht werden, was natürlich etwas längere Zeit beanspruchen wird.

Herstellung der Imprägnierungsflüssigkeit.

Nach Herrn Apotheker Hans Krauss in Nurnberg, der ein sehr erfahrener Koleopterologe ist, stellt man sich eine konzentrierte Lösung von leicht löslichem, arseniksaurem Kali (oder arseniksaurem Natron) in destilliertem Wasser her, im Verhältnis l:3, versetzt sodaun die Lösung noch mit feiner Moschustinktur (5 Gramm auf 1 Liter Flüssigkeit), lässt sie einige Wochen an kühlem Orte stehen u. filtriert sie schliesslich zu einer klaren Lösung. Von dieser konzentrierten Lösung genügen ca. 30 - 35 Tropfen auf etwa 100 ccm gewöhnlichen Wassers (was etwa 0.75 - 1 % Arsensalz entspricht).

Es wäre erwünscht, wenn die entomologischen Handlungen die konzentrierte Lösung zum Verkaufe auf Lager halten möchten.

Aufweichung trockener Käfer.

Die Tiere in den Rollen, sowie trockene Insekten überhaupt, werden wieder weich u. geschmeidig gemacht, indem man sie 6 - 24 Stunden auf nassen Sand legt, der sich auf einem Teller befindet u. mit einem Glassturz bedeckt wird. Dem Wasser, das auf den Sand geschüttet wird, soll etwas Formalin zugesetzt werden um die Schimmelbildung zu verhüten. [47] Waren dia Käfer schon vor dem Einweichen vergiftet, so ist es nicht nötig, die Vergiftung des Materials neuerdings nach dem Aufweichen vorzunehmen, im andern Falle soll man nicht versäumen, die Impregnierung der Tiere mittels der Arseniklösung nach der Aufweichung vorzunehmen.

Ebenso kann man ältere, trockene Käfer der Sammlung in gleicher Weise aufweichen u. überpräparieren

Präparation der Käfer.

Die geschmeidigen, frisch gesammelten, oder die unter der Glasglocke auf nassem Sande aufgeweichten Tiere werden in kleinen Partien auf eine dicke Lage von Fliesspapier (am besten ist weisses Filtrierpapier) gelegt, damit die sie umgebende Feuchtigkeit rasch beseitigt wird. Die grosseren Tiere, von 10 mm aufwärts, werden auf Insektennadeln gespiesst. Man wähle lieber dünne, als dicke Nadeln u. wegen der Grünspanbildung, lieber schwarze als weisse. Man verweude zum Spiessen fur grossere Arten nicht stärkere Nadeln als Nr. 6, u. für die kleineren nicht unter Nr. 2.

Die Nadel wird dem Käfer in die rechte Fld. unfern der Naht exakt senkrecht eingefuhrt, so dass die Spitze in der HBr., in der Mitte zwischen den M.- u. HHu. heraustritt. Alle Individuen sollen in gleicher Höhe an der Nadel stehen; ¼ der oberen Nadellänge soll über dem gestochenen Objekte frei bleiben. Das Auge wird sich bei einiger Uebung bald an diese gleichmässigkeit gewohnen. Den gestochenen Tieren werden die Schn. u. Tr. unter den Körper gebogen, die Knie sollen gleichmässig vorstehen, die vordersten schräg nach vorne, die beiden hinteren Paare schräg nach hinten. Die F., wenn sie langer sind, werden nach hinten über den Korper gebogen. Das Ausbreiten der B. u. F. bei gestochenen Käfern ist wegen ihrer besseren Erbaltung u. wegen geringerer Platzeinnahme zu vermeiden. Objekte, die nicht in der gegebenen Stellung verbleiben wollen (meist starre, ungünstig getotete Tiere), werden durch Umsteckung mit Nadeln gezwungen, die Stellung zu behalten u. haben bis zu ihrer völligen Austrocknung zwischen den sie einengenden Nadeln zu verbleiben.

Kleinere Käfer, unter 10 mm Länge, werden auf entsprechende, grössere oder kleinere Papierplättchen von steifem Karton geklebt, Diese Plättchen sollen ebentalls in gleicher Höhe auf der Nadel stehen. Man kann zum Annadeln der Insektenklebzettelchen eine dicke Torfplatte verwenden, auf der die Klebzettel ausgebreitet sind u. auf ihr angestochen werden. Die Dicke der Platte hat dem Raume zu entsprechen, den die Kebzettelchen in der höhe einnehmen sollen. Dadurch wird eine genaue gleiche Anspiessung der Klebezettelchen erzielt,

Den Tieren, welche aufgeklebt werden sollen, werden vorher mitte1s eines feinen, starren Pinsels, oder einer Starrnadel , die B. auseinandergebreitet, die F. vorgestreckt u. sodann werden sie auf das Klebezettelchen gelegt, auf welches vorher ein kleines Tüpfelchen eines guten Leims (Rings Syndetikon *)Es ist jener tierische Leim, von dem man sagt: "er leimt, klebt u. kittet alles. Derselbe gärt nicht, hällt gut u. kann mit Essigzusatz leicht verdünnt werden. Alle andere Klebemittel, die Gummi arabicum enthalten, sind zu verwerfen.]), das bei jedem Drogisten zu erhalten ist), der mittels eines Spannadelköpfchens aufgetragen wurde. Halten die Tiere fest, so werden (nach etwa ½ Stunde) noch die F. u. B. mittels einer Nadel in symmetrische Lage gebracht u. sollen gut präparierte Stucke das Laufen imitieren. Wichtig ist es, dass sowohl F. u. B. durch die Ränder des Klebzettelchens gedeckt sind.

Gummi arabicum, selbst mit Glyzerinzusatz, entspricht nicht; es ist ein zu sprödes Material; beim Versenden fallen mit Gummi arabicum geklebte Tiere leicht ab u. die abgefallenen zerschellen die andern.

[48] Man benützt verschiedene Zettelchen zum Aufkleben der Kleinkäfer. Vielfach werden sogenannte Spitzzettelchen empfohlen, kleine, dünne, ziemlich lange Dreiecke, auf deren Spitze die Tiere reitend angeleimt werden. Sie sollen den Vorzug besitzen, die US. des Tieres sehen zu lassen, haben aber den Nachteil, Beschädigungen leichter zugänglich zu sein. Der Vorzug, den man dieser Methode zuschreibt, ist aber eine Illusion; der Zettel verklebt den HLeib u. die ganze M.- u. HBr., der Klebestoff verschwimmt sogar bei kleinen Tieren bis auf die VBr. u. die US. der VBr. bleibt nur bei grösseren, geklebten Stücken der Besichtigung frei zugänglich. Da aber diese allein für eingehendere Besichtigung nicht genügt, so ist man gezwungen, auch das auf Spitzzettel geklebte Tier abzukleben, um die US. gut besichtigen zu können.

Ich bin entschieden dafür, die Objekte wegen der Schönheit, Gleichmässigkeit u. ihrer viel besseren Erhaltungsfähigkeit nach der allgemein jetzt gebräuchlichen französischen Manier, auf kleine, rechteckige Zettelchen zu kleben, auf denen durch das Plättchen die F. u. B. geschützt sind. Eine Sammlung, die derart präpariert erscheint, sieht gefüllter aus, lässt sich leichter erhalten, da selbst beim Fallen oder Werfen das Objekt nicht zu brechen braucht, da es die Zettelränder von allen Seiten schützen. Diese Methode gestattet auch, die Tiere leicht u. rasch abzulösen u. nach Besichtigung der US. auf frische Zettelchen zu setzen. Dies geschieht, indem man mit einem gewöhnlichen, in Wasser getauchten Pinsel über das Tier einen grossen Wassertropfen durch Berührung der OS. des Objektes erzeugt, der möglichst das ganze Tier umgibt, worauf dann das Objekt in wenigen Minuten auf der Oberfläche des grossen Wassertropfens schwimmt. Es wird nun auf Filtrierpapier gelegt, die US. besichtigt u. wieder auf ein neues, frisches, oder selbst auf das alte Klebezettelchen mit Leim befestigt.

Von grossem Vorteile ist es, von kleinen Arten wenigstens je ein Stück verkehrt aufzukleben u. die Füsschen u. F. auszubreiten. Das verkehrt geklebte Tier soll rechts neben dem normal befestigten gestellt werden, doch muss man von der artlichen Gleichheit beider Individuen positiv überzeugt sein.

Etikettierung der Käfer.

Die präparierten Insekten sollen mit einem kleinen Patria- (Vaterlands-) Zettelchen versehen werden, denn nur solche Sammlungen haben einen wissenschaftlichen Wert, deren Tiere nicht nur richtig determiniert (mit richtigen Namen versehen), sondern auch mit genauen Fundortsangaben ausgestattet sind.

Diese, möglichst kleinen Zettelchen sollen Land, Ort u. Namen des Sammlers enthalten. Will man ein Uebriges tun, so kann man den Monat des Fundes beifügen, was gemeiniglich durch eine zugefügte Zahl (I - XII) geschieht. Diese Daten gestatten, zoogeographische Studien zu machen. Man hat früher dem [49] ersten Sammlungsstücke jeder Art den Patriazettel gegeben, oder jedem ersten Tiere von neuer Fundstelle. Dieser Vorgang hat sich als unzulänglich erwiesen u. kommen viel zu oft unvermeidliche Verwechselungen vor; auch die Patriaangabe auf dem Namenszettel unter der Artreihe in der Sammlung ist vollständig ungenügend gewesen, da die Patriazettelchen unbedingt an die Nadel der Tiere gehören, damit Verwechselungen ausgeschlossen sind. Auch soll man Patriaangaben nicht durch kleine bunte Zettelchen markieren, die nur dem Besitzer resp. dem Anleger der Sammlung geläufig sind, früher oder später aber sicher ausser Evidenz geraten. Musealdirektor L. Ganglbauer befürwortet sogar jedem Individuum ausser dem Patriazettelchen, noch einen zweiten, kleinen beizufügen, auf dem der Speziesname (nicht jener der Gattung) des betreffenden Tieres, sowie der Name des Determinators (des Bestimmers) steht.

Diese Zettelchen sollen möglichst klein gehalten sein u. wenn möglich jenen in der Grösse entsprechen, worauf die Tiere geklebt sind. Auch sollen sie so gestochen werden, dass die unteren (Patria- u. Namenszettel) vom oberen Klebzettelchen gedeckt werden. Das Bestreben, die Sammlung in der Präparationsweise zu unifizieren, ist oft schädlich. Ich habe einige Male gefunden, dass meine abgegebenen, schön präparierten Insekten in häuslicher Weise dieser Unifizierung zum Opfer fielen, indem ich sie auf kleinen, kurzen, dreieckigen Zettelchen quer über die Spitze hängend u. von Klebstoff verschmiert, gelegentlich wieder zu Gesichte bekam.

Zum Einstecken der Insekten in die Sammlungsschachteln u. Versandkistchen kann man sich einer Insektenzange oder einer Steckpinzette, welche beide an der Spitze etwas gebogen sind, bedienen, die man in verschiedenen Naturalienhandlungen zu kaufen bekommt.

Studienlupe und Mikroskop.

Zum Studium der Käfer bedient man sich, behufs besserer Erkennung der einzelnen Details am Hautskelette derselben 1, resp. 2 - 3 guter Lupen, die eine etwa 10-, 17- u. 25-fache Vergrösserung aufweisen. Beste Bezugsquellen für sehr feine aplanatische Lupen, mit denen ich arbeite, sind: Optisches Institut von Karl Zeiss in Jena; Optisches Institut von K. Reichert in Wien VIII, Benogasse 26; Entomologisches Atelier von Winkler u. Wagner in Wien XVIII, Dittesgasse 11. Auch ein Mikroskop ist bei eingehenderem Studium, besonders zur Besichtigung sehr kleiner Details nicht überflüssig. Man kann auch einzelne Objektivgläser des Mikroskopes als Lupen benützen.

Wenn man Mundteile blosslegen will zur Untersuchung oder Besichtigung, Nachprüfung etc., so wird das betreffende Objekt vorerst in einem mit Wasser gefüllten Blechlöffel über einer offenen Flamme aufgekocht, dann wird eine sehr feine, spitzige Schere kleinster Sorte, wie man sie in Handlungen chirurgischer Instrumente zu kaufen bekommt, in das Hinterhauptsloch eingeführt u. auf der US. ein Schnitt schräg nach aussen u. ein anderer ebenso auf der entgegengesetzten Seite ausgeführt u. sodann, am besten über einem mit reinem Wasser gefüllten Teller oder Waschbecken, der zwischen den Schnitten gelegene, mittlere Teil, der die Mundteile ganz oder zum grössten Teile umfasst, abgehoben. Diese Teile werden sorgfältig aufgelesen u. zwischen 2 Deckgläschen in Kanadabalsam gelegt. Die Ränder des Präparates werden mit Papierstreifen oder einfachem Siegellack verklebt u. auf einer Seite verzeichnet man den Namen der Art, welcher die Mundteile entnommen wurden.

[50] In neuerer Zeit wird auch zur Artunterscheidung der männliche genitale Haftapparat (Penis, Forceps *)Bei dem dreiteiligen Haftapparate ist der mittleren Teil (der Löffel) der Penis, an dessen US. meist der dünne schlauchförmige Ductus ejuculatoris sich befindet, die 2 Seitenteile sind der eigenliche Haftapparat; die Klappen, oder wie man sie heute nennt : die Parameren auspräpariert, der aus 3 Teilen besteht, die aber oft (wie bei den Carabiden) zu einem einzigen Stücke verschmolzen erscheinen.

Mittels einer starken Nadel oder einer scharfen Pinzette wird der HLeib eines männlichen (besser vorher in heissem Wasser aufgeweichten) Käfers, den jeder Entomologe zu erkennen in der Lage ist, von der Brust losgetrennt u. zur Untersuchung entfernt. Aus dem gesonderten Bauche wird sodann mittels feiner u. scharfer Pinzette der meist grosse, hornige Forceps (Penis) von vorne zu fassen gesucht u. herausgezogen. Dieser wird dann vorsichtig auf einem weissen Papierblatt von den umgebenden Häuten befreit u. gesäubert, was mit einer Nadel geschehen kann u. sodann auf ein kleines Plättchen Karton aufgeklebt, in einer Lage, die die Vorder- u. Seitenansicht zu betrachten gestattet. Dieses Plättchen wird schliesslich auf die Nadel des Tieres gestochen, wozu es gehört. Der abgetrennte Bauch wird auch wieder mittels Klebestoff in die frühere Lage gebracht.

Bei einiger Uebung kann diese Prozedur rasch stattfinden, ohne das Objekt äusserlich erkennbar zu verletzen.

Anleitung zum Bestimmen der Käfer nach vorliegenden Bestimmungsschlüsseln.

Hat man bereits einen Vorrat schön präparierter u. gut etikettierter Käfer, so kann das Material der Bestimmung zugeführt werden. Vor allem wird man seinen Blick u. sein Gefühl für Systematik üben können durch ein freies Sortieren der Käfer, wie sie dem Anfänger verwandt erscheinen. Ein Laufkäfer (Carabide), ein Schwimmkäfer (Dytiscide) ein Bockkäfer (Cerambycide) oder ein Laubkäfer (Chrysomelide) u. andere Familienreihen haben alle so viel Eigentümliches für das Auge, dass zumeist auch der Laie schon das wirklich Zusammengehörige zusammenstecken wird.

Sodann kann man seine provisorisch gesichteten Tiere nach dem vorliegenden Buche, u. zwar zuerst auf die Familie prüfen. In späterer Zeit, bei vorgeschrittenem Studium, wird es hauptsächlich auf die Speziesbestimmung u. eventuell der Bestimmung der Gattung ankommen.

Bei Benützung vorliegender Tabellen hat man zuerst die Familienreihe, dann die Familie, die Unterfamilie, dann die Gattung u. Art festzustellen.

Alle diese Tabellen sind in gleicher Weise abgefasst u. sind auch in gleicher Weise zu verfolgen, um die erwünschte Auskunft zu erhalten.

Will man das Bestimmungsobjekt auf die Familie prüfen, so beginnt man mit dem ersten Satze des dafür vorgesehenen Textes des Bestimmungsschlüssels, der mit 1 bezeichnet ist. Die Stricheln bei der Zahl sollen andeuten, wie viel Gegensätze vorhanden sind, auf die es ankommt; gewöhnlich sind es 2 (1" u. 1'), aber es können auch 3 (
); oder 4 (&"8279;) Gegensätze vorkommen, die dann entsprechend mit 3 oder 4 Stricheln bezeichnet sind. Der erste Satz trägt die Leitzahl mit den meisten Stricheln, u. der letzte endet mit einem Strichel.

Das Bestimmungsobjekt wird zuerst mit dem ersten Leitsatz u. seinen Gegensätzen (fast immer sind es 2) verglichen u. wenn man gewissenhaft die erwähnten Eigenschaften nachgeprüft, so muss einer dieser beiden (eventuell der dritte oder vierte) auf das Objekt passen. Nehmen wir an, das Objekt stimmt gleich eingangs auf den ersten Satz (1"), so haben wir sodann die [51] Zahl 2" zu vergleichen, u. so lange die nächste Zahl unterhalb der passenden, bis wir zum Abschluss auf einen Namen gelangen, den wir wissen wollten.

Stimmt die erste Zahl 1", so haben wir den resultierenden Namen innerhalb der Sätze zwischen 1" u. 1' sicher zu erwarten.

Stimmt die Zahl 1' (u. nicht 1"), also der zweite im Texte befindliche Gegensatz, so müssen wir zur weiteren Vergleichung die nächste darunter befindliche Leitzahl konsultieren. In diesem Falle wird es weder 2, 3 etc. sein, sondern möglicherweise eine viel höhere, je nach dem Umfange der Tabelle.

Es ist mithin stets die nächste Leitzahl zu konsultieren, die sich nach dem passenden Gegensatze ergibt u. ist in dieser Weise so lange zu verfolgen, bis wir auf den Namen gelangen, den wir erfahren wollen.

Ist dieser Name der einer Familie, so wird in gleicher Weise dann in der entsprechenden Tabelle jener der Gattung u. endlich in der Artentabelle jener der Spezies gesucht u. gefunden.

Ein Beispiel.

Es soll ein Schwimmkäfer auf die Familie bestimmt werden, so werden sich nachfolgende Leitsätze als passend erweisen in der Tabelle der Familien (unter den Adephaga):

A' — hier statt einer Zahl ein Buchstabe, dann
     b" — in diesem Falle gibt es auch ein b' —, das also hier nicht in Betracht kommt, dann
     2' und
     3' ergibt echte Schwimmkäfer: Dytiscidae.

Ein anderes Beispiel.

Nehmen wir an, es sei Cicindela soluta auf den Speziesnamen zu prüfen, so ergeben sich folgende Gegensätze in der Artentabelle der Cicindeliden:
     1", 2', 3", 4", 5' = Cicindela soluta.

Hinter der Tabelle ist unter Anführung des gleichen Namens die kurze, ergänzende Beschreibung des Tieres zur Nachkontrolle aufzusuchen. Daselbst findet sich auch die Grösse angegeben u. die Art des Vorkommens, oft mit biologischen Bemerkungen. Im allgemeinen werden bei diesen kurzen Beschreibungen die wichtigsten Eigenschaften nicht mehr wiederholt, welche in der entsprechenden Tabelle enthalten sind; meist beschränken sich dieselben auf Formverhältnisse u. die Färbung, die meist in den Tabellen nicht angezogen erscheinen.

Bei einigen sehr homogenen Familien, wo die Arten einander sehr ähnlich sind (Staphyliniden, Gattung Meligethes, u. viele andere), beschränken sich alle Angaben auf die Bestimmungstabelle; in diesem Falle sind Grösse u. abweichende Färbungen auch an dieser Stelle angegeben.

Redtenbacher, Ganglbauer, u. viele andere haben ihre dichotomischen Uebersichten in etwas anderer Weise angelegt; sie haben nämlich die Gegensätze gleich alle hinter- u. nebeneinander gestellt u. am Schlusse der einzelnen Sätze (rechts) mittels sogenannter Leitzahlen den Bestimmer weiter geführt. Die gleiche Leitzahl war dann im Laufe weiter auch links so lange zu verfolgen, bis man auf den Namen des Objektes gelangte.

Es kann zugegeben werden, dass diese Methode vielleicht für den Benützer bequemer zu gebrauchen ist, aber sie hat den grossen Nachteil, dass eine Uebersicht über das System u. die Verwandtschaft der Arten vollständig verloren geht, da dadurch stets die am meisten differenten Arten zusammenkommen. Bei der in unserer Fauna benützten Form, der sich Seidlitz u. viele andere Forscher bedienen, bleiben die Arten einer Untergattung schön [52] beieinander u. selbst die Arten werden systematisch nach ihrer Verwandtschaft gegliedert u. angereiht. Unsere Form der Tabelle berücksichtigt also in erster Linie System u. Verwandtschaft der Arten u. darum wurde sie von mir für unsere Fauna gewählt.

Die Käfersammlung.

Die bereits auf ihren Namen nachgeprüften Käfer werden sodann in die "Sammlung" einverleibt. Die Sammlung besteht aus 1 oder mehreren Schränken, in welche passende Laden eingeschoben sind, deren Zahl u. Grösse ganz von dem Willen des Sammlers abhängt. Die Insektenladen sollen praktische Dimensionen haben; die Länge soll etwas grösser sein als die Breite, dagegen die Höhe etwas grösser als die normale Nadellänge, d.i. etwa 5½ cm. Der Deckel soll auf der Lade dicht schliessen, damit Staub u. Raubinsekten nicht hinein gelangen können; dessen oberer Teil pflegt verglast zu sein. Man kann übrigens auch die Sammlung in anderen Insektenschachteln unterbringen u. ist dies eine Sache, die jeder einzelne sich selbst überlegen muss. Praktisch sind Holzladen mit Glasdeckel für solche Entomologen, welche ihre Wohnung voraussichtlich nicht zu wechseln brauchen. Für Entomologen, welche ihre Wohnung oft zu wechseln gezwungen sind, empfiehlt es sich, leichte Schachteln zu wählen, die in einfachen Stellagen untergebracht werden, u. die beim Transporte keine Schwierigkeiten bereiten können.

Sehr wichtig ist die Auslegung der Insektenschachteln. Man ist lange schon davon abgekommen, dafür die teuren Korkplatten zu verwenden; auch sind sie nicht weich u. tief genug. Man verwendet jetzt Insektenpappe u. Torfplatten. Ich habe meine Laden mit beiden Materialien ausgelegt, aber ziehe Torf allem anderen Materiale vor, weil dieses Material sehr weich ist u. trotzdem die Nadeln gut hält. Bei Auslegung der Torf- oder Filzdeckelplatten sollen die Wände der Laden mit 1% Sublimatlösung vergiftet werden. Schliesslich wird die Bodenfüllung mit schön weissem Papier überklebt u. sodann steht die Lade bereit, die Insekten aufzunehmen.

Jeder Sammler hat vor Anlage der Sammlung sich zu entschliessen, in welchem Umfange er seine Sammlung anlegen will. Man kann die Arten seiner Umgebung, oder seines Kronlandes, oder des heimatlichen Reiches sammeln, oder sie auf Europa oder gar die paläarktische Fauna ausdehnen. Die Zahl der Schachteln oder Laden wird von dem faunistischen Umfange bestimmt. Bevor man die Käfer definitiv in die Sammlung unterbringt, hat man sich die Schachteln mit allen Namensetiketten auszustecken, welche bei dem gewählten Faunenumfange in Frage kommen. Dadurch erhalten wir 1. eine Uebersicht über das, was vorhanden ist u. was noch fehlt; 2. kann jedes nachträgliche Insekt ohne weitere Umstände u. ohne Zeitverlust für Etikettenschreibung etc. in die Sammlung getan werden, wo dafür schon der Platz mit seinem Namen existiert; 3. erspart man sich unliebsame Umsteckungen, wenn man auch beim Ausstecken der Etiketten auf die Grösse der Tiere Rücksicht genommen hat. —

Die Namensetiketten sollen möglichst wenig Raum einnehmen, weil sie einen grossen, kostbaren Schachtelraum verdrängen, der eigentlich ganz den Insekten gewidmet wurde. Am besten ist es, als Namensetiketten die Kataloge dafür zu verwenden, welche dem Faunengebiete entsprechen, indem man sie zerschneidet. Wenn es nicht einseitig bedruckte Kataloge sind (was selten vorkommt), so muss man 2 dafür verwenden: einen für die Namen der geraden, u. einen für jene der ungeraden Seiten. — Diese Zettelchen werden natürlich sehr schmal sein, dagegen können sie so lang sein, als es die Schachtelspalte gestattet, in welche sie befestigt werden sollen. Sie werden in die Schachtel mit kleinen, sogenannten Etikettennadeln (2—3) befestigt.

[53] Die Schachteln sind gewöhnlich der Länge nach in Spalten eingeteilt, welche die Breite haben, dass man eine Anzahl gleicher Objekte in eine Reihe stellen kann. Ich stecke den Familien- u. Gattungsnamen vor, den Speziesnamen hinter die Käferreihe. Die Zettel stelle ich nicht besonders frei, weil man die Namen derselben zwischen den Käferreihen ganz vorzüglich lesen kann. Gattungs- n. Speziesnamen in einer Spalte links, die Käfer rechts davon zu stecken, halte ich für eine unschöne Raumverschwendung.

Für Sammlungsetiketten sind in zweierlei Auflagen (einseitig und beiderseitig bedruckte) des Catalogus Coleopterorum Europae Caucasi et Armeniae rossicae von der Verlagshandlung E. Reitter Paskau (Mähren) hergestellt worden u. können von ihr bezogen werden.

Bemerkungen zum Versand der Käfer.

Die Duplikate besserer Käferspezies, die man einzusammeln in der Lage ist, werden allgemein zu Tauschzwecken verwendet. Man verfertigt gewöhnlich jährlich im Herbste eine Liste der abgebbaren Käferarten, welche man zur Auswahl an entfernter domizilierende Kollegen einsendet. Die gewählten Tiere werden dann in nicht zu grosse, mit dickem Torf ausgelegte Schachteln so gesteckt, dass selbe sich gegenseitig nicht berühren können, auch dann nicht, wenn, durch Stösse veranlasst, sie die Neigung hätten, sich zu drehen, was man durch Umsteckung von 2 Nadeln bei den grösseren Tieren zu vermeiden sucht. Es empfiehlt sich, die Tiere nicht dicht in die Schachteln zu stecken u. lieber mehrere kleinere, als eine grosse zu verwenden. Geschieht durch Loslösung eines Leibes ein Schaden, so bleibt er dann auf eine kleine Schachtel beschränkt u. es fällt dann der Beschädigung nicht das ganze Material der grossen Schachtel zum Opfer. Als Versandschachteln eignen sich vorzüglich die niedrigen Zigarrenschachteln, welche mit dicker Torflage ausgelegt u. sauber mit weissem Papier ausgeklebt werden sollen. Es ist gut, eine dünne Watteschicht über den Boden zu legen, in welcher etwaige herabgefallene Objekte an den Krallen hängen bleiben u. so keinen weiteren Schaden anrichten können.

Wird die Sendung im Inlande gemacht, so kann die Schachtel in Papiere gewickelt, verschnürt u. dann in ein Kistchen zwischen Holzwolle so plaziert werden, dass die Schachtel (oder mehrere) in der Mitte u. diese ringsum wenigstens einige (5) cm mit Holzwolle ja nicht zu fest umgeben bleibt. Ein Brief kann im Inlande u. nach Oesterreich der Sendung beigeschlossen werden, in das weitere Ausland ist dies nicht gestattet. Auf die Kiste kommt ausser der Verschnürung u. Versiegelung eine deutliche Adresse des Empfängers u. in eine Ecke die des Aufgebers. Man sorge für gute, hier mitgeteilte Packung, in der die Tiere schon einen ausgiebigen Stoss vertragen. Die Warnungsangaben: »Bitte Vorsicht; nicht stürzen; nicht werfen« sind, wenn man die Massenbehandlung der Postpakete schon zu beachten Gelegenheit hatte, vollständig wertlos. Nur die sorgfältige Emballage kann hier schützend eingreifen. Die Drahtstifte zur Befestigung des Deckels sollen dünn sein, damit sie nicht die Wände spalten u. die Kiste länger verwendet werden kann. In das Ausland hat man gute Siegel an der Kiste anzulegen u. ausser der Postbegleitadresse noch die vorgeschriebenen Zolldeklarationen beizubringen, die man am Postschalter erhalten kann.

Die Schachteln, welche die Käfer enthalten, soll man, wenn sie ins Ausland gehen, mit einer Glasleinwand überziehen, welche genug durchsichtig ist, um den Inhalt den Zollbeamten erkennen zu lassen. Ich beziehe solche Glas- [54] gaze aus Wien von Ed. Schopps Söhne, Wien VII, Mariahilferstrasse 54, zu sehr billigem Preise u. sie ist in grösseren Orten Deutschlands sicher zu erhalten.

Kleinere Partien von Käfern versendet man am häufigsten als Muster ohne Wert (Echantillons sans valeur), einfach oder rekommandiert (eingeschrieben).

Das Schächtelchen, welches die Versandtiere enthält, wird oben mit Glasgaze überklebt, in Papier gewickelt u. dann reichlich nach allen Seiten mit Watte umgeben, schliesslich in Papier gepackt, die Adresse darauf geschrieben u. entsprechend nach dem Posttarif frankiert.

Selbstverständlich haben allemal die Insekten, welche man zum Versand bringt, Nummern (oder besser direkte Namen derselben) zu tragen, welche mit jenen korrespondieren, welche man im Begleitbriefe dem Empfänger mitteilt.

Vergrösserung der Sammlung durch Kauf und Tausch.

Wer seine Sammlung nicht auf die Arten seiner nächsten Umgebung beschränken will, sucht Tauschverbindungen in jenen Ländern anzustreben, in welchen man tauschfreudige Interessenten findet. Obwohl die selbstgesammelten Insekten dem Sammler grösseres Vergnügen bereiten, als die ertauschten (weshalb man die selbst gesammelten stets im Werte zu überschätzen geneigt ist, gegenüber den erworbenen), so wird man ausser dem Tausche oft auch den Ankauf, wenigstens von orientierenden Gattungsvertretern, von guten Insektenhändlersfirmen zu der Erleichterung seines Studiums nicht vermeiden können, falls man überhaupt geneigt u. in der Lage ist, dafür einiges Geld auszugeben.

Für den Tausch sammle man nur die feinen Arten in grosser Anzahl, wobei vor unnützem Massenmord eindringlich gewarnt wird. Man sammle im eigenen Lande niemals von einer Art die man noch nicht kennt, viele Stücke; bei einer Sammeltour im Auslande muss der Anfänger allerdings die entgegengesetzte Praxis ausüben. Häufige Arten werden nicht verlangt u. der Anfänger erlebt von seinem Tauschresultat eine Enttäuschung, wenn er sie gut zu verwerten meint. Die gemeinen Arten haben eben eine weite Verbreitung u. kommen auch im Gebiete der Tauschfreunde vor.

Der Tauschverkehr beginnt im Herbste. Man tauscht beiderseits zu gleichen Werten (Einheiten), indem man die Preislisten der Händler als Wertmesser verwendet; die Händler verlangen 50% Rabatt, da sie zu Geschäftszwecken u. nicht für die eigenen Sammlungen Akquisitionen machen. Dieser Rabatt erweist sich aber auch dem Lieferanten vorteilhaft, weil die Händler grosse Suiten einer Art abnehmen, während die Tauschkollegen sich per Art auf 1—4 Stücke beschränken. Es ist Regel, Tauschsendungen gegenseitig portofrei zu halten.

Schädlinge der Sammlungen. Mittel gegen sie.

Eine Insektensammlung muss trocken gehalten werden u. zuverlässig trocken stehen. Sie ist vor Licht u. Staub zu schützen. Ebenerdige Lokale eignen sich wenig für sie, weil sie in solchen leicht anschimmeln.

Der Schimmel
ist demnach der erste, ärgste Feind einer Sammlung u. dieser ist wohl imstande, uns die Freude an unseren Sammelobjekten zu verleiden. Angeschimmelte Insekten sind, insofern es sich um häufigere Arten handelt, durch frische [55] Exemplare zu ersetzen; seltene werden mit Schwefeläther, Chloroform oder auch starken Spiritus abgepinselt. Kleine Arten werden am besten abgelöst (unter einer Glasglocke auf nassem, mit Formalinbeisatz versetzten Sand) u. dann in Seifenwasser aufgekocht u. im abgetrockneten Zustande mit einem zarten Pinsel abgeputzt.

An dieser Stelle mag auch gewarnt werden, Sammlungsteile in verglasten Laden durch lange Zeit dem

Lichte oder gar der Sonne
aussetzen zu lassen. Das Licht bleicht die Tiere u. macht sie unnatürlich. Ich habe eine Melasomensammlung gesehen, wo die tiefschwarzen Blaps u. Pimelienarten durch das lange auf sie fallende Licht eine durchwegs gelblichbraune Färbung erhielten.

Insektenmilben.

Diese äusserst kleinen, trägen, weissen, staubähnlichen Tierchen sind als die grössten Schädlinge unserer Sammlungen anzusehen. Ihr Zugegensein verrät sich durch das anscheinende Staubigwerden der Insekten. Sollte eine Untersuchung mit der Lupe ihre Gegenwart konstatieren, so muss man schleunigst trachten, sich von diesen tückischen Zerstörern zu befreien. Es geschieht dies durch mehrtägige Einlage der betreffenden Laden in einen Giftkasten, der an anderer Stelle beschrieben erscheint. Man wird gezwungen sein, die infizierten Laden mehrere Male den giftigen Gasen auszusetzen. Eine radikale Kur gegen diesen kleinen Feind erreicht man auch dadurch, dass man die geöffnete Lade (eine nach der anderen) einige Minuten heftiger Bratröhrenhitze aussetzt.

Je kleiner der Feind, desto schwieriger seine Bekämpfung; der grosse kann sich nicht so leicht verbergen u. wird durch seinen gröberen Frass eher bemerkt u. kann vertilgt werden, ehe er der Sammlung einen grösseren Schaden zufügen konnte.

Anthrenen, Dermestiden.

Die Larven dieser Käfer werden an ihrer langen, pelzartigen Behaarung leicht erkannt; ihr Zugegensein wird an dem Bohrmehle konstatiert, das sich unter den von ihnen befallenen Objekten vorfindet. Es genügt oft, solche angegriffenen Objekte in Aether oder Spiritus zu legen; nur wenn eine volle, junge Brut der Anthrenen im Kasten ausgekommen ist, muss man die betreffende Lade für einige Tage in dem Giftkasten stehen lassen. (Bücherskorpione [Chelifer] stellen lebenden Schädlingen nach.)

Staubläuse.
(Psociden: Troctes divinatorius u. der grössere Atropos pulsatorius L.)

Sehr kleine, weiche, weissliche, flügellose Insekten, die ziemlich behende in Insektenschachteln, die nicht sehr trocken stehen, umherkriechen u. auch die zarten Spitzenenden der Tastorgane der Sammlungsobjekte benagen, sind die Psociden. Der Schaden, den diese Tierchen an Käfersammlungen anrichten, ist gering, bei Lepidopteren u. Dipteren, kann er allerdings ins Auge fallen.

Ein gutes Mittel, Sammlungsschädlinge fernzuhalten, sind gut schliessende Gefässe (Laden, Kästen). Erworbene Tauschtiere sollte man erst 1 oder 2 Wochen einer Quarantäne unterziehen, um zu sehen, ob nicht Schädlinge sich darin befinden. Am besten wird man verfahren, die neuen Erwerbungen vorerst in den Giftkasten zu geben, bevor sie in die Sammlungen eingereiht werden.

Eigentlich sollten im Tausche erworbene Käfer ebenfalls, wie die eigenen, in einer Lösung von arseniksauren Salzen (siehe pag. 46) vor dem Zerstören durch Sammlungsfeinde gesichert werden.

[56] Das einfachste u. erfolgreichste Mittel, seine Sammlung vor Schädlingen rein zu halten, ist in erster Linie eine fleissige Revision derselben in kurzen Zeitabständen. Angefressene Objekte, die man an dem unter ihnen befindlichen Frassstaube erkennt, sind auf einige Stunden in Aether oder Alkohol zu legen.

Zum Schlusse muss noch ein mineralischer Schädling genannt werden; es ist der

Grünspan,
welcher sich oft an den Nadeln im Körper des Objektes ansetzt, immer reicher anschwillt u. schliesslich den HLeib des Tieres absprengt u. es verdirbt.

Wenn man eine grössere Menge Grünspan an einem Tiere bemerkt, so empfiehlt es sich, denselben sogleich mittels eines in Amoniak getauchten Pinsels abzuwaschen.

Zur Vermeidung des Grünspans werden in neuerer Zeit schwarz lackierte Nadeln zum Spiessen der Käfer verwendet. Ganz besonders neigen zur Grünspanansetzung die an dem kieselsäurehaltigen Schilf lebenden Donacien u. einige andere Gattungen.

Giftkiste mit Wasserverschluss.

Eine Kiste, so gross, dass in ihr 2—5 Sammlungsladen bequem Platz haben u. noch von allen Seiten ein handbreiter, leerer Raum verbleibt, wird mit Zinkblech ausgeschlagen. Am oberen Aussenrande wird eine 6 cm tiefe Blechrinne angelötet, welche zur Wasseraufnahme bestimmt ist. Der Deckel besteht aus einer einfachen Brettfläche, unten mit Zinkblech versehen. Die Aussenränder des Deckels sind durch starkes Zinkblech senkrecht nach unten etwa 5 cm verlängert, damit dieser Besatz beim Aufsetzen desselben in die Wasserrinne gelangt. Oben in der Mitte befindet sich ein Loch, das mittels eines Korkes geschlossen werden kann.

In diesen Giftkasten werden die infizierten Insektenladen sukzessive nach der Fassung des ersteren (3—5) hereingestellt u. zwar derart, dass der Deckel der Insektenladen verschoben aufliegt u. den giftigen Gasen überall Zutritt gestattet. Oben auf die Laden wird ein kleiner Teller gesetzt, der mit Schwefelkohlenstoff angefüllt u. der Verdunstung in dem sodann verschlossenen Giftkasten ausgesetzt wird. Die Rinne wird zugleich mit Wasser gefüllt.

Beim Oeffnen des Kastens hat man vor Abnahme des Deckels früher den Korkpfropfen des Deckels zu entfernen, damit Luft hineingelangen u. er leichter gehoben werden kann.

Behandlung der Sammlungsladen vor ihrer Verwendung.

Die Innenflächen der Kästen, in welche dann die Torfausfüllung zu kommen hat, sowie die US., dann die SR. des Torfes, Korkes oder sonstiger Einlagen, sollen mit einer Sublimatlösung bestrichen werden, damit denselben [57] gegen das feindliche Eindringen von Raubinsekten von aussen her ein Schutz geboten wird. Um Korrosionen der Nadeln durch das Sublimat zu vermeiden, ist das Einlagematerial nicht von oben, sondern nur von unten mit dem Gifte zu befeuchten.

Man verwende zu diesem Zwecke eine 1% alkoholische Lösung des Quecksilbersalzes, welche 20% destilliertes Wasser enthalten soll. Zu einer Imprägnierung der Insekten selbst ist Sublimat nicht geeignet, weil derart behandelte Käfer einen blauen, unnatürlichen Schiller erhalten.

Einfaches Mittel, um langbehaarte, im Spiritus verdorbene Käfer wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit herzustellen.

Die zum Auffrischen bestimmten Käfer werden so lange in Spiritus geschüttelt, resp. gewaschen, bis die gewechselte Flüssigkeit klar bleibt. Die triefend nassen Tiere (eventuell auch aus der verdünnten Arseniklösung) werden sodann in eine Schachtel schichtenweise auf einer dicken Lage gut gereinigter, staubfreier u. trockener, weicher Sägespäne derart ausgebreitet, dass sie nicht zu nahe aneinander liegen. Sodann überschüttet man die Insektenlage neuerdings mit einer dicken Sägespäneschichte u. sucht durch Rütteln die Holzteilchen dicht an die Insektenkörper zu bringen. Die Austrocknung soll rasch geschehen u. kann durch Sonnenstrahlen oder mässige Ofenwärme befördert werden. Nach 12—24 Stunden müssen den Insekten die anhaftenden Holzteilchen mittels eines steifen Pinsels abgekehrt werden, wobei man den Pinsel so streicht, dass die Behaarung in ihre ursprüngliche aufstehende Form zurückkehrt. Bei grossen Tieren wird man eventuell die ganze Prozedur noch einmal wiederholen müssen.

Die Sägespäne sollen vom Querschnitt einer Zirkularsäge, wie man sie in grösseren Tischlereien bekommen kann, genommen u. nach längerer Benützung gewaschen u. gut ausgetrocknet werden.

Beispiel zur Aufzucht eines Laufkäfers aus dem Ei.

Der bekannte Karabologe, Herr G. de Laponge, findet die Aufzucht von Laufkäfern aus dem Ei als leicht durchführbar. Um eine Eiablage zu erzielen, füllt er einen Blumentopf halb mit Erde, halb mit Moos, verstopft die Bodenöffnung mit Watte, bedeckt das Gefäss mit einem beschwerten Teller u. das Wochenbett für einen Laufkäfer (Carabus) ist fertig. Dieses Gefäss, dessen Erde immer etwas feucht gehalten werden muss, fasst 10—12 Käfer. Als Nahrung werden zerschlagene Schnecken, dann Würmer, aber auch Früchte u. Beeren gereicht. Nach der Begattung kommen die Weibchen in einen separaten Topf, aus dem man von Zeit zu Zeit (8—10 Tage) die ziemlich grossen, milchweissen Eier herausnimmt u. möglichst einzeln in kleinere, gut verschlossene Töpfe bringt, die recht feine Erde u. Moos enthalten. Die Aufzucht der Larven ist nicht schwierig, wenn immer genügend entsprechendes Futter gereicht wird. Nach dreimaliger Häutung verpuppt sich die Larve u. ergibt nach 2—4 Wochen den Käfer. (Aus Krancher's Jahrbuch 1907.)

Ueber besonders lange Lebensdauer einiger Coleopteren

berichtet Dr. O. Krancher im Ent. Jahrb. 1907, 51. Dr. O. Nickerl in Prag hielt einen Carabus 7 Jahre lang in Gefangenschaft, bis derselbe schliesslich an Altersschwäche zugrunde ging. Im Laufe der letzten Jahre hatte er zusammen 21 Tr. — Gld. verloren u. war am rechten HB. gelähmt. Nach J. Lauffer [58] u. Dr. Buddeberg, die gleichfalls über die Lebensdauer der Insekten Untersuchungen anstellten, erreichte eine Akis lusitanica gleichfalls ein Alter von 7 Jahren, die aber stets munter war u. noch kein Gld. der Tr. eingebüsst hatte, so dass ihr Tod überraschte. Ferner wurden einige Blaps gigas 4 Jahre 10 Monate in Gefangenschaft gehalten.

Hierzu soll bemerkt werden, dass die Käfer in normaler Weise in der Natur höchstens ½ Jahr alt werden u. dies nur, wenn sie im Herbste aus der Puppe schlüpfen u. als Imago überwintern; die im Frühjahre entwickelten Arten leben im Durchschnitte kaum 2 Monate. Der Grund, weshalb sie in der Gefangenschaft um so viel älter werden, liegt in dem Umstande, dass ihnen auf künstliche Weise günstige Lebensbedingungen geschaffen werden, aber hauptsächlich nur in der Voraussetzung, dass sie eine Kopulation nicht vorher eingegangen sind u. zu einer solchen nicht gelangen. Bietet man in der Gefangenschaft zu einer Begattung die Möglichkeit, so stirbt das ♂ darauf in 1—2 Tagen, oft in wenigen Stunden; das ♀ hingegen nach stattgefundener Eiablage.

Herstellung von Köderplätzen.

An passenden Stellen, an Waldrändern oder geschützten Gartenstellen, oder in Parkanlagen, wo Hühner nicht zukommen, kann man Köderstellen anlegen. Man legt auf festgestampften Untergrund zwischen Schichten von Steinen, Moos u. Laub, Knochen, alten Käse, alte Pilze u. sonstige geeignete Dinge, in Form eines kleinen Hügels, den man mit Reisig belegt.

Diese Köderhügel können im Frühjahre 1—2mal wöchentlich durchsucht werden. Am besten geschieht dies, indem man die Bestandteile über einem Leintuch durchsucht, oder direkt über einem Insektensieb ausklopft. Die einzelnen Bestandteile des Hügels werden dann wieder an der alten Stelle aufgerichtet.


Deutschland hat leider keine Grotten, in welchen sich subterrane, augenlose Käfer vorfinden. Die zahlreichen Tropfsteingrotten der mährischen Schweiz (bei Blansko) liegen nicht mehr in der Zone, in welcher die entwickelteren augenlosen Arthropoden vorkommen.

In den Grotten von Kärnten, Krain, Küstenland, Kroatien, Bosnien, Herzegowina, dann Dalmatien, Montenegro, endlich in den zahlreichen Grotten der Meeralpen (Alpes maritimes) u. den Grotten in den Pyrenäen ködert man die Tiere in Fangbecher, oder wo die Grotten senkrechte, tiefe, abstürzende Eingänge haben, in lose zusammengerollten Lappen, zwischen welche alter Käse, zerstossene Schnecken, riechendes Fleisch eingeschoben wird. Das Ganze wird mit einem Netz, zu dem die Tiere gelangen können, umgeben u. mittels eines starken Bindfadens in den Grottenabsturz herabgelassen. Man zieht in einigen Tagen das Netz wieder vorsichtig herauf, nimmt die Tiere aus den Fetzen heraus u. kann dann diesen Köder wieder in die Grotte neuerdings nach Gefallen aussetzen.

Köderbecher.

Konisch gehaltene Blechbecher, die passend ineinander gelegt werden können, werden ebenfalls mit altem Fleisch oder Käse, zerstossenen Schnecken etc., gefüllt an passenden Orten aufgerichtet u. zwar, indem sie zu ¾ Teilen eingegraben werden. Daneben kommen Steine als Brücken u. die Becher werden so bedeckt, dass sie reichlich auch vor Regen geschützt sind, u. doch die Käfer unter den Steinen dazu gelangen können. In der Nähe von menschlichen Wohnungen sind solche Becher nicht aufzustellen, weil die Hunde sie aufspüren [59] u. den Inhalt ausgraben; die freiliegenden Becher werden dann auch meistens gesehen u. gestohlen. Ein Dornenschutz kann in diesem Falle helfen.

Auf diese Weise fing ich zahlreiche Caraben in Wäldern, besonders auf Schneckenköder.

Vogelnester, Ziesel- und Hamsterbaue
sind vorzügliche Fundgruben für besondere Käferarten, welche zum Teile nur in Gemeinschaft dieser Tiere leben. Die Vogelnester können direkt in einen Siebesack geschafft u. der Inhalt im Hause bequem ausgesucht werden. Die Ausgänge der Nager, sowie der innere Teil des Nestes werden ausgekratzt u. die losen Erd- u. Gemülleteile ins Sieb geschafft. Lohnend ist es, vor dem Brüten u. später nach dem Brüten die Starkästen einer eingehenden Revision des Inhaltes zu unterziehen.

Automatische Fangapparate mit Köder
empfiehlt Dr. N. v. Korotnew in Moskau. Ein Zinktrichter wird auf einem Dreifuss so angebracht, dass unter der Spitze des ersteren eine Flasche mit breitem Halse Raum findet; die Spitze mündet durch den Kork in die mit Spiritus gefüllte Flasche. In den Trichter wird ein Drahtsiebbehälter, der mit altem Fleisch, oder zerschlagenen Schnecken etc. gefüllt wird, so angebracht, dass rings um das Drahtsieb ein Raum frei bleibt, in den die das Fleisch etc. besuchenden Käfer (Necrophorus, Catops, Silphiden, Carabicinen, Staphyliniden etc.) direkt in die Flasche herab gleiten. Das Ganze wird so mit Steinen bedeckt, dass grössere Coleopteren noch leicht in den Apparat gelangen können, die Steine haben ihn von oben u. von den Seiten zu schützen.

Den Apparat kann man in die Erde entsprechend vergraben, oder oberirdisch aufstellen; im ersten Falle ist dafür zu sorgen, dass er nicht von rollender Erde verschüttet werde; im letzteren Falle müssen Steine als Brücken zum Emporklettern stark schräg angelegt werden.

Anlage einer biologischen Sammlung der Jugendstadien der Käfer.

Findet man auf seinen Exkursionen Käferlarven unter solchen Umständen, dass auch die dazu gehörige Käferart, zu der sie gehören, ausser Frage steht, so kann man eine grössere Anzahl je einer Art in kleine Eprouvettengläschen oder kleine passende Fläschchen unterbringen, die mit starkem Alkohol oder 15prozentiger Formalinlösung gefüllt sind. Dazu wird auf ein kleines Papierzettelchen mit Bleistift der Name u. Fundort notiert u. in das Gläschen gelegt. Auf der letzteren Aufschrift sollen auch die Umstände erwähnt sein, unter welchen die Larven, Puppen oder Eier gefunden wurden, ferner Angaben, welche sich auf ihre Entwickelung beziehen, wie auch die Pflanze oder Baumart, welche sie zu ihrer Entwickelung gewählt hatten.

Larven u. Puppen, welche in sehr gerbsäurereichen Hölzern vorkommen, pflegen in Spiritus ihre weisse Farbe zu verlieren; sie werden mehr weniger braun. In Formalin hingegen behalten sie wohl ihre weisse Farbe; ich habe aber bemerkt, dass dieser Stoff die äussere Epidermis der Objekte ätzt u. besonders bei schwachen Lösungen am Grunde des Glases einen weissen Niederschlag bildet.

Larven, von denen man nicht ahnt, zu welcher Spezies sie gehören u. die sich auf leichtere Weise nicht bestimmen lassen, soll man trachten in ihrer Entwickelung zur Imago zu verfolgen u. deren biologische Daten notieren. Solche Beobachtungen sind lehrreich u. geeignet, uns ein besonderes Vergnügen [60] zu verschaffen. Hat man in solchen Beobachtungen eine gewisse Praxis u. Fertigkeit erlangt, so wird man nicht versäumen, sich von Insekten befallene Objekte in eine sogenannte

Biologische Holzkammer

einzutragen, wo solche eine häufige Beobachtung im eigenen Heim gestatten. Werden die Hölzer oder andere Objekte häufig genügend nass gemacht, wodurch die eingeschlossenen Larven lebensfähig erhalten bleiben, so kann man die aus den Puppen entschlüpften Insekten am Schlüsse, wohl meistens Käfer, vom Fenster der Kammer ablesen, wohin sie durch das Licht angelockt werden u. wo sie zu entfliehen suchen.

Auf diese Weise werden häufig solche Arten gezogen, die man sonst im Freien gar nicht vorfindet, sei es, weil es Nachttiere sind, oder dass solche ein verstecktes Leben führen, oder vielleicht in den Wipfelstücken der Bäume sich entwickeln.

Vorteilhafter ist es, eine Holzkammer im Hofe einzurichten, die aus gut gefügten Brettern besteht u. wo als Decke ein sehr dichtes Drahtnetz gespannt ist, durch welches der Regen so auf die Objekte gelangt, wie es draussen in der freien Natur der Fall ist.

Rinden- u. Holzstücke, welche als Frassbilder der Insekten aufbewahrt werden sollen, sind so zuzuschneiden, dass möglichst das ganze Frassbild darauf sichtbar ist. Erstere müssen nach dem Eintragen mit schweren Gegenständen bis zum Trockenwerden belastet werden, damit sie flach verbleiben. Im anderen Falle biegen sie sich zu einer Rolle ein, an der man nichts wahrnehmen kann.

Hölzer u. Aeste von Koniferen, bei denen ein Teil der Rinde auf denselben verbleiben soll, sind früher in eine schwache Sublimatlösung zu legen, weil sonst Callidium violaceum u. Trypopithys carpini (auch andere Trockenholzzerstörer) sich unter der Rinde einnisten u. jede Spur des ursprünglichen Frassbildes zerstören. Alle Objekte sollen mit darauf geklebten Etiketten versehen werden; darauf ist zu schreiben der Fundort, der Name der Holzart oder der Pflanze, des Schwammes etc., dann der Name des Insektes, welches den Frass verursacht hatte.

Ich habe im Laufe eines Halbjahres eine Sammlung von Frassstücken forstschädlicher Käfer zusammengebracht, die vielseitig bewundert wurde u. dennoch gar keine Geldauslagen erforderte.

Bei Anlagen solcher Sammlungen beschränke man sich nicht auf Schäden, die Käfer verursachen, sondern nehme auch Schadennachweise anderer Insektenordnungen mit, wozu auch Pflanzengallen rangieren.

Ueber biologische Insektenfrassstücke.

Ist man in der glücklichen Lage, mit den Wohnungsräumen nicht kargen zu müssen, oder hat man einen schönen lichten, russfreien Bodenraum zur Verfügung, so kann die Anlage einer Sammlung von Hölzern, Rinden, Aesten, Pflanzenstengeln, Blättern, Schwämmen, Früchten (Eicheln, Bohnen, Erbsen etc.), welche von Insekten angefressen oder teilweise zerfressen wurden, von grossem biologischen Werte sein u. schön arrangiert wird eine solche Sammlung einen grossartigen Eindruck auf jeden Naturfreund zu machen geeignet sein.

Bei der Eintragung solcher Objekte ist darauf zu achten, dass nicht zu kleine Stücke der Schäden mitgenommen werden u. zur Aufstellung gelangen, denn es soll darauf das ganze Frassbild des Schädlings zu sehen sein, weil danach [61] die Insektenspezies erkannt wird, welche es verursacht hat. Jede Art der verschiedenen Holzzerstörer oder Blattfresser hat die Eigentümlichkeit, bei ihrem Frasse nach dem gleichen Schema vorzugehen, u. gibt ein Frassbild, das meist von anderen, oft nahe verwandten Arten erkennbar abweicht. Dieser Umstand ist von grosser Bedeutung für die forstliche Insektenbiologie.

Rindenstücke, welche frei zum Trocknen überlassen werden, rollen ganz in sich zusammen, weshalb diese auf horizontaler Unterlage zwischen ordinärem Löschpapiere mit Holzstücken oder anderen Gegenständen so lange beschwert bleiben müssen, bis sie trocken geworden sind. Holzfrasse werden schön viereckig geschnitten, so dass ihr Frassbild in der Mitte sichtbar ist; von Blätterfrassen werden ganze Zweigbüschel mitgenommen u. zwischen Löschpapier bis zur Trockenheit flach gepresst.

Die Systematik und ihre Bedeutung in der wissenschaftlichen Zoologie.

Die Systematik, schreibt Dr. G. v. Seidlitz in seiner vortrefflichen Fauna transsylvanica, stellt die aus den Formverhältnissen durch logische Folgerung erkannte Verwandtschaft der Organismen in kurzer, präziser Weise in Worten dar. Ist die Verwandtschaft der betreffenden Arten richtig erkannt, so wird ihre synthetische Darstellung gleichzeitig den genealogischen Gang ihrer dichotomischen Differenzierung andeuten, wobei jedesmal die gemeinsamen niedriger bezifferten Thesen resp. Antithesen die gemeinsamen Durchgangspunkte (»ausgestorbene Stammarten«) charakterisieren. Es kann daher nur Aufgabe des Systematik treibenden Naturforschers sein, das natürliche System zu erforschen u. darzustellen, jedes künstliche System ist vorläufiger Notbehelf aber nicht Endzweck, wird daher nach Möglichkeit mehr u. mehr ausgemerzt.

Wenn wir nach diesem Massstabe den heutigen Stand der Entomologie mit dem vor 100 Jahren vergleichen, so tritt der Gegensatz grell hervor. Damals vorherrschend Färbungsbeschreibungen gesonderter Arten, die nur mit Mühe gedeutet werden, u. deren Namen nur aus Pietät u. zur Erreichung stabiler Nomenklatur erhalten werden müssen — heute hingegen gilt nur die Form u. zwar aller Teile des Hautskelettes (nicht etwa nur der Mundteile oder nur der F., oder nur der B.) als Massstab der Verwandtschaft, u. diese wird dadurch ausgedrückt, dass die gemeinsame Form auch gemeinsam beschrieben wird. Keine Art kann bei dieser Methode einzeln, sondern muss in ihren gesamten verwandtschaftlichen Beziehungen dargestellt werden, was allein einer Beschreibung jenen wissenschaftlichen Wert gibt, den man mit Recht einer Einzelbeschreibung abspricht, mag dieselbe nun äussere oder innere (anatomische) Verhältnisse betreffen. Ohne Vergleich keine vergleichende Morphologie, ohne vergleichende Morphologie keine Systematik, ohne Systematik keine wahre, wissenschaftliche Zoologie.

Nie geahnte komplizierte Organisationsverhältnisse, überraschende Verwandtschaften ergeben sich in Fülle aus jeder gründlichen Untersuchung einer Gruppe, das frühere Streben nach "neuen Arten", weicht dem berechtigteren Suchen nach neuen gemeinschaftlichen Merkmalen, für die logisch verwandtschaftliche Gruppierung der altbekannten Arten u. für ihre einheitlich synthetische Darstellung, nach den Gesetzen der Wandelbarkeit der Merkmale u. nach deren rationeller Ableitung aus gemeinschaftlicher Urform. Solches Streben fördert die wahre Erkenntnis des natürlichen Systems u. somit der wissenschaftlichen Zoologie u. gewährt, wenn von Erfolg begleitet, dem logisch veranlagten u. richtig darwinistisch geschulten Naturforscher die höchste Befriedigung.

[62] Die Ausübung der Entomologie hat einen grossen, pädagogischen Wert. Auch ausserhalb der Schule u. des Berufes wird die Beschäftigung mit ihr an Gewissenhaftigkeit, an Ordnung, an Ausnützung der Zeit, an korrekte präzise Ausdrucksweise, an Achtung vor der Wissenschaft, an Verfolgung idealer Zwecke gewöhnen u. zwar kann sie von jedem Alter u. in jeder Lebensstellung ausgeübt werden u. hat für jeden, der sich ihr hingibt, viel Beglückendes, was ihren pädagogischen Wert zu einem allgemein ethischen macht.

[62]

Die wichtigsten beschreibenden faunistischen Werke zum Studium der mitteleuropäischen und europäischen Käfer.

Bedel, L., Faune des Coléoptèreres du Bassin de la Seine. Paris, Société entomologique de France. Erschienen sind Bd. I, Carnivora, Palpicornia, Bd. V, Phytophaga, VI, Rhynchophora.

Erichson, W.F., Naturgeschichte der Insekten Deutschlands, begonnen von Erichson, fortgesetzt von Schaum, Kraatz, v. Kiesenwetter, Seidlitz, Weise, Reitter. – Erschienen sind 6 Bände mit einigen Nachträgen. Berlin, Nicolaische Verlagsbuchhandlung (R. Stricker).

Everts, Ed., Coleoptera Neerlandica. De Schildvleugelige Insecten van Nederland. 2 Bde. u. ein Nachtrag. 'S-Gravenhage, bei Martinus Nijhoff. (1899–1903.).

Fauvel, Alb., Faune gallo-rhénane ou species des Insectes qui habitent la France, la Belgique, la Hollande, le Luxembourg, la Prusse rhenane, le Nassau et le Valais. Coléoptères. Caen, Normandie, bei Albert Fauvel, rue Cheron. – Erschienen sind die Staphyliniden; die Malacodermen von J. Bourgeois; die Carabidae (unvollständig) von A. Fauvel; die Elateriden von H. du Buysson.

Ganglbauer, L., Die Käfer von Mitteleuropa. Die Käfer der österreichisch-ungarischen Monarchie, Deutschlands, der Schweiz, sowie des französischen u. italienischen Alpengebietes. Von diesem klassischen Werke sind bisher 4 Bände erschienen. Wien bei Carl Gerolds Sohn. 1892–1904.

Küster, H.C., Die Käfer Europas. Fortgesetzt von Dr. Kraatz u. J. Schilsky, Nürnberg, Bauer u. Raspe. Bisher 45 Hefte erschienen, wovon jedes 100 Artbeschreibungen enthält.

Redtenbacher, L., Fauna austriaca. Die Käfer. Erlebte 3 Auflagen, welche aber vergriffen sind. Ganglbauer's Käfer von Mitteleuropa bilden gewissermassen die Neubearbeitung dieser Fauna.

Reitter, Edm., Bestimmungstabellen der europäischen Coleopteren. Bisher etwa 62 Hefte erschieden mit Beiträgen von Ganglbauer, J. Schmidt, K. Flach, Kuwert, Seidlitz, Hörn u. Röschke, Zoufal, Prochaska, Paul Meyer, Escherich, Fleischer, Dr. K. Petri, Dr. Krauss, Dr. Bernhauer, Dr. Stierlin etc. Verlag von E. Reitter in Paskau (Mähren). 1879–1908.

Seidlitz, Georg, Fauna transsylvanica. Die Käfer Siebenbürgens. Königsberg, Hartungsche Verlagshandlung.

Seidlitz, Georg, Fauna Baltica. Die Käfer der Ostseeprovinzen Russlands. 2. Auflage. Königsberg, Hartungsche Verlagsbuchhandlung.

Thomson, C.P., Scandinaviens Coleoptera, synoptiskt bearbetede. I.–X. Bd. Lund 1859–1868.

Aeltere oder kleinere Handbücher.

Bach, M., Käferfauna für Nord- u. Mitteldeutschland, mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Rheinlande. I–IV. Coblenz 1851–67.

[63]Bau, A., Handbuch für Käfersammler, mit 144 Figuren. Magdeburg 1888.

Fricken, W., Naturgeschichte der in Deutschland einheimischen Käfer. 3. Aufl. Werl 1880, 4. Aufl., Werl 1885.

Gutfleisch, V., Die Käfer Deutschlands. Vervollständigt von F. Ch. Bosse. Darmstadt 1859.

Schenkling, C., Die deutsche Käferwelt. Leipzig 1885.

Schoch, G., Praktische Anleitung zum Bestimmen der Käfer Deutschlands u. der Schweiz, nach der analytischen Methode.

Index der entomologischen Fachausdrücke (termini technici) des einleitenden Teiles dieses Buches.

(Die Zahlen weisen auf die Seite hin.)
Abdominalfurchen 10
Abdomen 9
Aberration 25
Alae 10
Albinismus 29
Angelglied 6
Antenna 4 5
Antepectus 7
Art 25
Augen 4
Aussenlade 4 6
Begattungstasche 22
Blutzirkulation 24
Caput 3
Cardo 6
Cerci 1 13
Clypeus 4
Coxae 9 12
Dimorphismus 28
Dorsum 7
Ductus ejaculatorius 23
Elytra 10
Engerling 1
Epilobus des Kinns 6 *)
Epimeren 8
Epipleuren 8 10
Episternen 8
Familie 25
Facetten 4
Femur 12
Flügelgeäder 11
Forceps 23
Frons 4
Fühler 4
Ganglion 15
Gattung 25
Geissel 5
Gena 4
Glasgaze 53
Hals 4
Imago 2
Imprägnierungsflüssigkeit 46
Innenlade (der Maxillen) 4 6
Kehlausschnitt 5
Kehlnaht 4 *)
Keimfach 22 *)
Kiefertaster 4 *) Kinn 6
Kittdrüsen 22 *)
Klauen 8 12 *)
Klauenglied 12
Kopfschild 4
Labrum 5 13
Larve 1
Ligula 46
Lippentaster 4
Lobus internus 6
Made 1
Malpighische Gefässe 17 *)
Mandibeln 4 5
Mandibula 4
Maxillen 6
Melanismus 29
Mentum 4 6 *)
Metasterum 9
Mesosternum 8
Mimicry 28
Mimicrytypus 30
Muskeln 14
Myrmecophilie 30
Myrmecophiliden 31
Nebenzunge 4 *)
Nervatur 10
Nervensystem 14
Nomenklatur 26
Nymphe 1 2 13
Oberkiefer 4
Oberlippe4
Occiput 5
Ocelli 13
Oculus 4 *)
Oesophagus 18 *), 19 *)
Onychium 12
Palpus labiales *) ;maxillares 4
Paraglossen 4 *), 6 *)
Parthenogenese 3
Penis 23
Photolector 45
Priorität 26
Prosternum8
Prothorax 7
Pseudopleurae 10
Puppe 1 2 13
Pygidium 9 Rassen 25
Rufinismus 29
Rüssel 4
Samenblase 23
Schenkellinien 9
Schildchen 7
Spermatozoiden 22
Squama palpigera 6 *), 6a *)
Sternit 8 *) 9
Stigma 1
Stigmen 20 21
Stipes (der Stamm) 6
Stirne 4
Stria suturalis 10
Stridulationsapparate 29
Submentum 12 *)
Subspecies 25
Sutura gulares 4 6
Symbiose 30
Symphilidentypus 31
Symphilie 30
Syndetikon 47
Synechthrie 30
Synoekie 30
Tarsus 8
Tasterschuppe 6
Tempus, Tempora 4 *)
Tergit 9
Thorax 7
Tibia 12
Tracheen 20
Tracheenblasen 21 *)
Trochanteren 8
Trophobiose 30
Trutztypus 30
Typen 27
Uterus 22 *)
Unterkiefer 6
Varietät 25
Vertex 4
Verwandlung; vollkommene und unvoll    kommene
Wange 4
Zunge 4

Version : 13.03.2021